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Kultur

Tatort Kunsthalle

Mit 33 Jahren ist Gregor Schneider bereits ein Star der internationalen Kunstszene. Für "Totes Haus ur", den Nachbau seines Rheydter Eigenheims, gewann er vor zwei Jahren den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig.

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"Hannelore Reuen" von Gregor Schneider

Mit der Ausstellung "Gregor Schneider - Hannelore Reuen" führt die Hamburger Kunsthalle bis zum 11. Mai 2003 in die alptraumhaften Welten Gregor Schneiders.

Aus dem Altbau der Hamburger Kunsthalle führt eine Treppe hinab in das Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart. Sie endet vor einer Garage. Die "Doppelgarage" zeigt alle Merkmale einer gewöhnlichen, funktionstüchtigen Garage, einschließlich der Spuren ihres Gebrauchs. Beispielsweise einen dunklen, öligen Flecken in der Mitte des Raums, den wohl ein Fahrzeug hinterlassen hat. Das Vorbild dieser Rauminstallation steht in der Unterheydener Straße in Rheydt, in unmittelbarer Nachbarschaft des Hauses "ur". Das Prinzip von Gregor Schneiders Arbeiten ist die Verdoppelung von etwas, das schon da ist.

Die Frage nach Original oder Kopie in seinem Schaffen strafen zwei weitere Exponate auf humorvolle Weise ab. Zwei annähernd identische Latrinen, in Beton gegossen und zweimal mit Titeln ausgewiesen als: "Zwei Löcher".

Lesbar - Unlesbar

Einen Schlüssel zur Lesbarkeit und gleichzeitigen Unlesbarkeit der Arbeiten Schneiders bietet die Installation "Müllsack in Wichsecke" (1999). Sie zeigt zwei hell erleuchtete, durch eine Zwischenwand getrennte Räume hinter Glas, die unwillkürlich an ein Schaufenster erinnern. Die Funktion der Räume bleibt jedoch rätselhaft: Eine Tür führt in den linken der beiden Räume, ein Kabuff, keine zwei Quadratmeter groß und gänzlich leer . Der rechte Raum weist keine Türöffnung und somit keine Zugangsmöglichkeit auf. Durch die Scheibe sind ein Elektroheizkörper und ein mannsgroßer, blauer Müllsack zu sehen, dessen Inhalt zur Spekulation reizt. Schnell erkennt der Besucher den subtilen Verstoß gegen die Wahrnehmungsgepflogenheiten: Schneider gibt zu sehen, indem er verbirgt. Seine Arbeiten, so erklärt Kunsthallen-Direktor Schneede, werden zu regelrechten Wahrnehmungsfallen.

"Alte Hausschlampe"

Hamburger Kunsthalle

Hamburger Kunsthalle

Nochmehr Verwirrung will Schneider mit seiner Installation "Hannelore Reuen, Alte Hausschlampe" schaffen. Auf einem mit Parkett ausgelegten Boden liegt eine Frau bäuchlings über einer Holzbohle an der Wand. Der Besucher könnte meinen, einen Tatort zu betreten. Bei der als "Hausschlampe" bezeichneten Frau handelt es sich um eine fiktive Mitbewohnerin aus dem Haus u r. Hannelore Reuen ist das alter-ego oder die schizoide Abspaltung Schneiders, der damit noch die eigene Identität vervielfacht. Ein fingiertes Interview im Ausstellungskatalog vollendet dieses Spiel, wenn Hannelore Reuen erklärt: "Der Schneider hat ein absolut gestörtes Verhältnis zu sich und seinem Leben." Zugleich wiederholt oder verlängert diese Installation eine zurückliegende Arbeit Gregor Schneiders, denn dieser Raum ist ein minutiöser, maßstabgetreuer Nachbau der Galerie Foksal in Warschau. Auch hier also wieder Doppelung, Transfer.

Gregor Schneider

Gregor Schneider, Bild von Ottmar von Poschinger

Die vielleicht gelungenste Arbeit Gregor Schneiders für die Hamburger Kunsthalle ist ein Einbau in die Rotunde des Neubaus. Es ist eine Art Einstülpung, die einer Straßenecke im Hamburger Bahnhofsviertel St. Georg nachempfunden ist. Diese Einstülpung schafft einen offenen Raum jenseits der Restriktionen eines Museumsbetriebs, führt aber zugleich in eine Sackgasse. Die Arbeit "Steindamm" ist für die Dauer der Ausstellung 24 Stunden geöffnet. Zugänglich ist sie allein von der gleichnamigen Straße her. Eintritt frei, auch für Fixer, Obdachlose und all diejenigen, die einmal austreten möchten.

Noch bis zum 11. Mai 2003, Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 21.00 Uhr, Montag geschlossen; Gründonnerstag und Karfreitag 10.00 -18.00 Uhr, Ostersonntag und Ostermontag 10.00 -18.00 Uhr.

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