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Wirtschaft

Tata Steel kauft Corus

Der indische Stahlkonzern Tata Steel übernimmt den deutlich größeren europäischen Konkurrenten Corus für umgerechnet 9,4 Milliarden Euro. Damit entsteht der fünftgrößte Stahlkonzern der Welt.

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Corus-Werk im niederländischen IJmuiden

Tata setzte sich in einem monatelangen Bieterstreit mit dem Gebot von 6,2 Milliarden Pfund gegen die brasilianische CSN durch. Inklusive Schulden beläuft sich das Tata-Angebot für den britisch-niederländischen Stahlkonzern nach Angaben vom Mittwoch auf rund 7 Milliarden Pfund. Corus ist der zweitgrößte europäische Stahlhersteller und produzierte im vergangenen Jahr vor allem in Großbritannien und den Niederlanden 18,2 Millionen Tonnen. Der Zukauf ist der bislang größte eines indischen Konzerns im Ausland.

Indien Wirtschaft Stahl Ratan Tata

In Indien gefeiert: Ratan Tata

Von den indischen Medien wird die Fusion fast wie ein Sieg im Nationalsport Kricket gefeiert. Die "Times of India" forderte ihre Leser am Mittwoch dazu auf, Tata-Chef Ratan Tata persönlich zu schreiben, "um ihm zu seinem Triumph zu gratulieren". Stolz meinte das altehrwürdige Blatt: "Unser Mann aus Stahl hat erneut bewiesen, dass Indien und Inder wirklich erfolgreich sind."

Signalwirkung für Indien?

Die Inder bieten nun knapp 34 Prozent mehr als ursprünglich geplant. Tata hatte zunächst 455 Pence für Corus geboten und später auf 500 Pence je Aktie erhöht. Damit lagen sie bis zum Beginn der Auktion noch hinter der Offerte von CSN, die 515 Pence je Aktie zahlen wollten. Nachdem in dem Übernahmekampf kein Ende in Sicht war, hatte sich schließlich die britische Regulierungsbehörde Takeover Panel eingeklinkt und das Versteigerungsverfahren angesetzt.

Tata Steel teilte mit, das höchste Gebot brasilianischen Companhia Siderurgica Nacional (CSN) in dem Bieterwettkampf hinter verschlossenen Türen in London habe am Ende um fünf 5 Pence je Aktie unter der Tata-Offerte gelegen. Die Inder gewannen mit einem Angebot von 608 Pence pro Aktie. Der Verwaltungsrat von Corus muss den neuen Bedingungen noch zustimmen, die Aktionäre sollen dann in drei oder vier Wochen über die Übernahme entscheiden.

Der Chef der Tata-Gruppe, Ratan Tata, sagte am Mittwoch in Bombay: "Der heutige Tag markiert das Ende einer langen Reise, die vor einiger Zeit begonnen hat." Nun könne Tata-Steel seinen globalen Ansprüchen gerecht werden. Der Zukauf sei sehr positiv für Tata und für Indien. Der indische Handelsminister Kamal Nath sprach von einer "großen Errungenschaft eines indischen Konzerns". Der Kauf von Corus sei "ein Signal für viele indische Firmen, voranzuschreiten".

Urknall und Kurseinbruch

Logo von Corus

Dass Branchenkreise im Westen den von Tata für Corus gebotenen Kaufpreis als "viel zu teuer" einschätzen und der Kurs der Tata-Steel-Aktien an der Börse in Bombay einbrach, tat der Euphorie in Indien keinen Abbruch. Der Generalsekretär der indischen Industrie- und Handelskammern, Amit Mitra, gratulierte Ratan Tata dazu, "finanzielle Muskelkraft im globalen Maßstab" gezeigt zu haben. Mitra sprach von einem "Urknall", der den Beginn der Wandlung eines indischen Traums zur Realität markiere: Jenes Traums, zur
drittgrößten Wirtschaftsmacht des 21. Jahrhunderts zu werden.

Corus setzte 2005 rund zehn Milliarden Pfund um und erzielte dabei einen Gewinn von 451 Millionen Pfund. Tata Steel kam zuletzt auf eine jährliche Produktion von 5,3 Millionen Tonnen und einen Umsatz von fünf Milliarden Dollar.

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