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Wirtschaft

Tata Nano: Indischer Volkswagen für Europa

Im Mittelpunkt des Genfer Autosalons stehen Antriebe der Zukunft und sparsame Autos. Ein Winzling insbesondere: Der indische Autohersteller Tata stellt eine für Europa gedachte Version seines Sparautos Nano vor.

Firmenchef Ratan Tata (l) präsentiert auf dem Genfer Autosalon 2009 den Tata Nano. Foto: Uli Deck

Innenaufnahme des Tata Nano mit Besucher am Steuer

Die indische Version des Tata Nano ist spartanischer ausgestattet als die europäische

Es war einmal ein reicher indischer Unternehmer, dem machte der Anblick von Kleinfamilien zu schaffen, die sich zu viert auf einem Motorrad durch den Verkehr von Mumbai kämpften. Das muss doch bequemer und sicherer gehen, dachte er und entwickelte das Konzept eines Billigautos für die Massen. Auf dem Genfer Autosalon 2008 stellte der Großindustrielle Ratan Tata das Ergebnis dieser Überlegung vor: den Kleinwagen Tata Nano, mit umgerechnet 1 500 Euro das billigste Auto der Welt. In wenigen Monaten soll es in Indien auf den Markt kommen.


Nano Europa soll junge Kunden locken

Jetzt legt der Konzern noch nach und präsentiert auf der diesjährigen Automesse in Genf eine europäische Version des Wagens. Der Geschäftsführer von Tata Motors, Ravi Kant, glaubt, dass der neue "Nano Europa" besonders für junge Käufer und Pendler attraktiv ist: "Er sieht gut und sehr zeitgemäß aus, er ist verbrauchsarm und verfügt über gute Abgaswerte."

Nachbildung der Tata Nano Produktionsstätte anlässlich des Durga Puja Festivals in Kalkutta, Indien.

Auch deutsche Hersteller müssen preiswerte Einstiegsmodelle anbieten. Sonst werden sie von Herstellern wie Tata verdrängt.

Noch mustern Autohändler den Winzling am Ausstellungsstand mit herablassendem Lächeln, aber sie studieren ihn ganz genau: Der Tata Nano ist ein Viersitzer mit vier Türen. Er hat 33 PS, schafft maximal 105 Stundenkilometer und verbraucht auf 100 Kilometern fünf Liter Benzin. Die europäische Version des Tata Nano ist besser ausgestattet als die indische und erfüllt höhere Sicherheits- und Umweltanforderungen. Sie soll möglicherweise schon 2011 für circa 5 000 Euro zu haben sein.

Revolution für die Automobilindustrie


Was die Marktchancen für den Tata in Europa angeht, ist Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte der Universität Duisburg-Essen, bislang skeptisch. Vom Konzept aber ist er beeindruckt und bezeichnet den Tata als "Revolution für die Automobilindustrie": "In den neuen Märkten wie Indien, China und Russland wird sich in zwei bis drei Jahren die Konjunktur erholt haben. Dann werden Billigfahrzeuge eines der wichtigsten Segmente sein." Europäische Kunden seien verwöhnt mit Komfort, mit Treibstoffeinsparungen, mit elektronischen und Sicherheitsausstattungen. Deswegen, so Dudenhöffer, werde es kaum gelingen, einen Golffahrer von heute morgen zum Tatafahrer zu machen.

Produkte mit Weltniveau made in India

Porträt von Tata Group Vorsitzendem Ratan Tata bei Pressekonferenz

Konzernchef Ratan Tata: "Indien steht nicht für weniger zuverlässige Produkte sondern stellt auch Produkte mit Weltniveau her"

Konzernchef Ratan Tata gibt sich in Genf bei der Präsentation des Tata Nano Europa bescheiden. Er trete hier nicht mit dem Anspruch an, den Volkswagen des 21. Jahrhunderts zu lancieren: "Das wäre anmaßend von mir. Wir würden uns freuen, in Europa Fuß zu fassen und für die hiesigen Autofahrer erschwingliche Autos zu bauen. Und vielleicht gelingt es uns zu zeigen, dass Indien nicht für weniger zuverlässige Produkte steht, sondern auch Produkte mit Weltniveau herstellt."

Der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen, Willi Diez, räumt dem Nano in Deutschland kurzfristig keine großen Chancen ein. Aber der deutsche Markt verändere sich: Weil viele Deutsche künftig weniger Geld fürs Auto ausgeben wollen, gehe der Trend eindeutig in Richtung Kleinwagen. Auch die deutschen Hersteller müssten diesem Trend folgen, mahnt Diez an: "Sie müssen ihr Tempo beschleunigen um dem gerecht zu werden. Sie haben sich zu lange auf das Premium-Segment allein konzentriert, aber man darf natürlich auch den Otto-Normalverbraucher nicht aus den Augen verlieren." Man brauche Einstiegsmodelle, die so preiswert sind, dass sich auch jüngere Kunden sie leisten könnten. Sonst sei die Gefahr groß, dass andere Anbieter wie Tata oder auch chinesische Hersteller stärker in das Segment Billigwagen einsteigen und die deutschen letztlich verdrängten.

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