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Kultur

Taschenpacker, Fledermäuse und Praktikanten

Sie halten die Berlinale am Laufen - die vielen Studenten und Praktikanten des Filmfestivals. Manche packen eher im Hintergrund mit an, andere flankieren sogar den roten Teppich.

Fledermäuse lassen nur Auserwählte in den Berlinale Palast

"Fledermäuse" lassen nur Auserwählte in den Berlinale Palast

Der Saal im Kino Arsenal am Potsdamer Platz ist gut gefüllt. Doch hier wird kein Film geguckt. Das Publikum besteht an diesem Nachmittag nicht aus Berlinale-Gästen sondern aus den sogenannten Berlinale Volunteers - fleißige Helfer im Hintergrund des weltweit bekannten Filmfestivals.

Alexander Katt weist seine Berlinale Volunteers ein

Alexander Katt weist seine Berlinale Volunteers ein

"Ihr seid Bestandteil der Berlinale, also verhaltet Euch auch so", weist Alexander Katt seine Volunteers an diesem Nachmittag ein. "Wir sind ein internationales Festival und Höflichkeit ist unsere erste Zier. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Leute um die ganze Welt fliegen und dann von Pontius bis Pilatus geschickt werden." Damit adressiert Katt vor allem diejenigen Freiwilligen, die an den Info-Ständen in den verschiedenen Kinos eingesetzt sind und den internationalen Gästen helfen sollen, sich auf dem Festivalgelände zurecht zu finden.

"Wir sind jung und brauchen - die Akkreditierung"

Alexander Katt koordiniert den Einsatz der rund 110 Berlinale Volunteers. Die meisten von ihnen sind Studenten, wie beispielsweise die 24-jährige Valeria Venturelli aus Italien. Sie studiert in Berlin Germanistik und arbeitet für die nächsten Tage in der Gästebetreuung des "Kulinarischen Kinos". "Es ist einfach toll, auf der Berlinale zu arbeiten. So kriege ich diese einmalige Stimmung hier richtig mit." Nicht zu vergessen: Neben einem kleinen Taschengeld von rund 150 Euro - Katt nennt es das Bratwurst-und-Kaffe-Geld - bekommt Valeria als Volunteer eine Akkreditierung, das heißt sie kann sich fast alle Filme umsonst ansehen - die ausschlaggebende Motivation für den ansonsten schlecht bezahlten Job.

Volunteer Ingo verteilt die beliebten Berlinale-Taschen

Volunteer Ingo verteilt die beliebten Berlinale-Taschen

Dafür müssen sich die Volunteers aber auch nicht verausgaben: maximal fünf Stunden dauert eine Tagesschicht. Der 29-jährige Ingo Klever beispielsweise arbeitet in der "Berlinale-Taschen-Abteilung". Zuerst hat er sie gemeinsam mit weiteren Volunteers mit Katalogen und Programmen bepackt, jetzt steht er am "Pick-Up Point" und verteilt die begehrten Taschen an die akkreditierten Gäste. "Ich mach das nicht fürs Geld", sagt Ingo: "sondern wegen der Akkredierung. Ich guck mir mindestens einen Film am Tag an."

"Natürlich würde die Berlinale auch ohne unsere Volunteers funktioneren", sagt Alexander Katt. "Aber sie bringen im Gegensatz zu manchen Profi-Hostessen eine andere Energie mit. Sie engagieren sich für die Berlinale, weil sie ernsthaft und leidenschaftlich an ihr interessiert sind und sorgen so für eine gute Atmosphäre."

Repräsentative Saal-Damen und "Fledermäuse"

Wer Geld verdienen will, dafür aber auch kaum Zeit haben wird ins Kino zu kommen, der sollte sich an den externen Veranstaltungsdienst der Berlinale wenden. Rund 150 sind über "Busch/Dähn" auf der Berlinale beschäftigt, bis zu zehn Stunden am Tag - der Stundenlohn wird nicht verraten. Neben weniger aufregenden Jobs wie Ticketverkauf, Einlasskontrollen, Garderobe und Aufsichtsdienst, gibt es hier auch einige "Sternchen-Aufgaben": die Saal-Dame für die weiblichen und eine Art Türsteher für die männlichen Jobber.

Leonardo di Caprio und die Fledermaus

Suchbild: finde Leonardo di Caprio und die "Fledermaus"

Ausgesucht für diese repräsentativen Jobs werden sehr freundliche, mehrsprachige und vor allem gut aussehende Frauen und Männer. Acht Saal-Damen in dafür bereitgestellten schwarzen langen Abendkleidern sind während der Berlinale damit beauftragt, die Stars in den Kinosälen zu platzieren. Ihr männlicher Konterpart hingegen muss draußen bleiben: Eingepackt in langen schwarzen Umhängen mit roten Kragen, auch "Fledermäuse" genannt, öffnen drei Auserwählte Limousinen-Türen oder halten Regenschirme über frisierte Köpfe. Drei weitere kümmern sich darum, dass die Stars ungestört über den roten Teppich stolzieren können und zwei weitere stattliche Jungs flankieren schließlich einfach nur den Türrahmen zum Berlinale Palast.

Als Praktikantin in der Berlinale-Chefetage

Mit Hilfe eines Praktikums kommen einige Studenten auch in die Chefetagen des Festivals. So wie Anna Kalbhenn. Die 30-Jährige nutzt die Zeit bis zur Bekanntgabe ihrer Magister-Abschlussnoten, um die Kinder- und Jugendfilmsektion " Generation" zu unterstützen.

Passion für Kinderfilme - Praktikantin Anna Kalbhenn

Passion für Kinderfilme - Praktikantin Anna Kalbhenn

Bereits seit November vergangenen Jahres hat sie sich darum gekümmert, Kinder- und Jugendfilmemacher aus der ganzen Welt ausfindig zu machen und einzuladen. Jetzt findet sie es ziemlich spannend nach all den Telefonaten und Emails, die Gäste aus Hawaii oder Iran leibhaftig kennen zu lernen. Ihre Arbeitszeit hat sich nahezu verdoppelt: "Festivalarbeit ist Stress, das ist klar", sagt Anna: "Aber jetzt, wo es richtig los geht, ist es natürlich auch die schönste Zeit. Und nach einem langen Arbeitstag geht es natürlich noch weiter mit Kino oder gemeinsamen Abendessen."

Als Berlinale-Praktikantin bekommt Anna Kalbhenn 400 Euro im Monat. Nicht viel, aber um das Geld geht es der Studentin ebenso wenig wie den vielen Volunteers. "Dabei sein" ist, was zählt, die Atmosphäre aufsaugen und Erfahrungen sammeln. Und sich vielleicht mit dem ein oder anderen geknüpften Kontakt im nächsten Jahr einen "richtigen" Job auf dem internationalen Filmfestival zu organisieren.

Autor:Nadine Wojcik
Redaktion: Marcus Bösch