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Kultur

Tapfere Prinzen und Mägde sind Bestseller

Es gibt auf dem deutschen Buchmarkt Titel, die verkaufen sich quasi von selbst. Die Rede ist von einer Gattung der Belletristik, die es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hat: dem historischen Roman.

Gemälde aus dem Mittelalter 'Arrivée des croisés devant Jérusalem' von 1099 (Foto: dpa)

Viele dieser Bücher tauchen nie auf Bestsellerlisten auf. Literaturkritiker können mit den Namen ihrer Autoren oft nichts anfangen. Und Buchhändler rümpfen gerne die Nase, wenn nach ihnen gefragt wird. Dabei verkaufen sich historische Romane in bemerkenswert hohen Auflagen. Das bewege sich im fünfstelligen Bereich, sagt Silvia Kuttny-Walser, die in der Random House Gruppe Verlegerin für Blanvalet, Limes und Penhaligon ist. Und bei einigen Büchern auch im sechsstelligen. Das seien dann die Bestseller.

Lieblingslektüre von Frauen

Kuttny-Walsers Verlag Blanvalet macht sich schon seit Jahren für den historischen Roman stark, besonders umsatzstark sind die Werke der Autorinnen Ulrike Schweikert, Andrea Schacht und Dagmar Trodler. Auf über 500.000 verkaufte Exemplare bringt es allein Dagmar Trodler. Ihr sechster Roman, "Die Totenfrau des Herzogs", ist soeben erschienen. Die Autorin, schwärmt Silvia Kuttny-Walser, sei eine "sehr, sehr interessante Person! Stammt aus der Eifel und schreibt wunderbare sehr, sehr dramatische historische Romane, die nicht süßlich sind. Also, das ist kein Mittelalter mit Minne und Troubadouren, sondern sehr düster, sehr sinnlich, sehr fühlbar, schmeckbar, greifbar!".

Buchcover 'Die Totenfrau des Herzogs' von Dagmar Trodler (Foto: Blanvalet Verlag)

Dagmar Trodlers neues Buch spielt im 11. Jahrhundert und erzählt von einer gefährlichen Reise, in deren Verlauf die junge Protagonistin zur Heilerin wird. Von einer dramatischen Liebegeschichte erzählt dieses Buch natürlich auch. Das mag die Zielgruppe historischer Romane nämlich. Denn die ist zumeist weiblich, und wie Richard Dübell weiß, zumeist eine "gebildete Hausfrau zwischen 30 und 50" . Für seine historischen Romane will der Autor, der von Lübbe verlegt wird, allerdings gezielt auch Männer interessieren. Und deshalb schreibt er ein wenig gegen den Strich. Dafür müsse man, sagt er, zu den emotionalen Themen, die die Frauen ansprechen, und zu den Frauenschicksalen auch die Männerschicksale mit hinzufügen. "Und einfach aus der Sicht von Männern so ein bisschen aus der Emotionsschiene rausgehen und in die Tatszenen, die Actionszenen, reingehen. Und mal die Männer nicht bloß als Beiwerk für die Frauen, sondern als die wahren Helden der Geschichte auch hinstellen".

Geliebtes Mittelalter

Buchcover 'Die Säulen der Erde' von Ken Follett (Foto: Bastei Lübbe)

Ganz unabhängig davon, wer nun wessen Beiwerk ist, haben die allermeisten historischen Romane zweierlei gemeinsam: zum einen sind sie rechte Schmöker und mit bis zu 1000 Seiten eine voluminöse Lesekost. Und zum anderen spielen sie vorzugsweise im Mittelalter, denn diese Epoche mag die Leserschaft besonders gerne. Ob das daran liegt, dass einige der Bücher, die dem Genre den Weg bereitet haben – Umberto Ecos "Der Name der Rose", oder Ken Follets "Die Säulen der Erde" - in eben jener grauen Vorzeit angesiedelt sind? Marlene Mükschel, Lektorin für historische Romane im Piper Verlag, meint, das Mittelalter wäre so etwas wie die "gute alte Zeit, wo die Industrialisierung noch nicht stattgefunden hat, und es liegt schon so weit zurück und ist auch ein bisschen im Dunkeln der Geschichte, dass man auch sehr viel erfinden kann – Ritter, die jungen Frauen, die gerettet werden wollen, da ist noch viel Raum für Phantasie gegeben".

Aufwändige Recherche

Weil die Leser und Leserinnen historischer Romane aber nicht nur gut unterhalten werden wollen, sondern sich gleichzeitig lesend weiter bilden möchten, legen sie aber auch auf sorgfältige Recherche viel Wert. Die sei am Anfang seiner Laufbahn als Schriftsteller sehr aufwändig gewesen, erinnert Richard Dübell. "Weil ich ja auch noch nicht so recht wusste, wie man recherchiert. Da kann man sagen, dass die Hälfte der Arbeitszeit eines Buches tatsächlich die Recherche war". Mittlerweile hat Richard Dübell 14 Bücher veröffentlicht und ist in Sachen Recherche erfahren. Er verfügt über eine eigene Bibliothek mit Literatur zum Mittelalter und ist mit Historikern und Archivaren vernetzt. Denn er möchte nicht als Autor von Fantasy-Literatur abgestempelt werden und seiner treuen Leserschaft seriöse Unterhaltung bieten. Dübells neues Buch heißt "Die Teufels Bibel". Und diese Bibel, versichert der Autor, habe es wirklich gegeben. Sie sei die größte und rätselhafteste Handschrift des Mittelalters gewesen und habe einmal als 8. Weltwunder gegolten.

Autorin: Silke Bartlick

Redaktion: Marlis Schaum