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Afrika

Tanztheater aus Ghana

Ihre Trommelrhythmen und Tänze reißen mit – noch bis Mitte November tourt die Baobab Culture Troupe aus Ghana durch Deutschland.

Die Theatergruppe Baobab (Bild: Sonja Gillert)

Die Theatergruppe Baobab in Bonn

Laute und schnelle Trommelrhythmen, Rasseln und Schellen - ungewohnte Klänge in Bonns Innenstadt. Dazu tanzt ein Mann mit einem Holzkreuz, andere haben islamische Gebetsketten in der Hand. Die Trommeln werden schneller, beide Gruppen fangen an zu schubsen und sich zu beschimpfen – das alles im Takt des Trommel- und Tanzlehrers Matthew Moses Hooper. Er hat sich die Geschichte ausgedacht, die 13 Jugendliche aus Ghana auf die Bühne bringen.

Matthew Moses Hooper (Bild: Sonja Gillert)

Lehrer Matthew Moses Hooper

"Das Tanztheaterstück sagt: Hört auf zu kämpfen! Das Stück handelt von Christen und Muslimen", erzählt Hooper. Auch in Bonn ist das Thema aktuell. Andere Tanztheaterstücke, die Hooper in Ghana mit der Baobab Culture Troupe aufführt, handeln von HIV, der Unterdrückung von Frauen und von Kinderarbeit. In Ghana steht er allerdings mit viel mehr Leuten auf der Bühne als hier in Deutschland. Allein 100 Kinder und Jugendliche trainieren jeden Mittwoch mit Hooper im Baobab Center in Cape Coast, einer Stadt direkt am Golf von Guinea. Viele von ihnen kommen aus sehr armen Verhältnissen.

Musik und Tanz für das Selbstvertrauen

Während sich vorne auf der Bühne Christen und Muslime versöhnen, trommelt der 18-jährige Derek im hinteren Teil mit anderen Jugendlichen. Seit sieben Jahren gehört er schon zur Baobab Culture Troupe. Ihm gefallen besonders die traditionellen Tänze und Rhythmen aus verschiedenen Regionen Ghanas, die Hooper mit den Jugendlichen einübt. "Wir lieben die Kultur und wir respektieren unsere Kultur. Wir wollen unsere Kultur nicht einfach wegwerfen", sagt er.

Mit Tänzen, wie dem "Bamaya" aus dem Norden Ghanas will Edith de Vos, die Gründerin der Baobab Culture Troupe, den Kindern und Jugendlichen neue Perspektiven eröffnen. Stolz und Selbstvertrauen sollen sie durch das gemeinsame Training gewinnen. Teilweise mussten die Kinder schon viel Negatives erleben, sagt Edith de Vos: "Wir haben hier zum Beispiel ein Mädchen dabei, das als Hexe angeklagt wurde. Das Mädchen war davon sehr verstört." Vor zehn Jahren zog de Vos aus Freiburg nach Cape Coast, um mit der Baobab Children Foundation e.V. solchen Kindern zu helfen.

Baobab Culture Troupe (Bild: Sonja Gillert)

Die Baobab Culture Troupe

Trommellehrer als Lebensberater

Durch das Training lernen die Kinder nicht nur trommeln und tanzen, sondern sie haben in Matthew Moses Hooper auch einen Ansprechpartner. "Matthew redet auch viel mit den Jugendlichen und gibt ihnen Ratschläge, wie sie ihre Situation verbessern können", sagt Edith de Vos.

Der Verein unterstützt die Jugendlichen auch bei der Schulausbildung. Die 18-jährige Victoria hat mittlerweile große Pläne für ihre Zukunft. Für sie ist das Tanzen mehr als nur ein Hobby: "Wenn ich mit der Schule fertig bin, mache ich vielleicht an einer Schule für darstellende Künste weiter."

Mit dem Herzen dabei

In Ghana wird die Baobab Culture Troupe bei ihren Auftritten richtig gefeiert. Sogar bei der Eröffnung des Africa Cups vor zwei Jahren war sie dabei. In Deutschland ist das Publikum etwas verhaltener, sagt Hannah. Doch ihr gibt schon allein das Tanzen ein gutes Gefühl: "Wenn ich tanze, dann fühle ich mich gesund und ich kann alles machen, was ich will." Mit jedem weiteren Lied steckt dieses positive Gefühl aber auch das deutsche Publikum an. Bis Mitte November touren die Kinder und Jugendlichen im Rahmen der "Kinder Kultur Karawane" mit dem Tanztheater und vielen traditionellen Tänzen noch durch Deutschland.

Autorin: Sonja Gillert

Redaktion: Christine Harjes

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