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Europa

Tanzende Teufel auf Barcelonas Straßen

Mit Mistgabeln durch die Stadt laufen, die Funken sprühen, und hohe Türme aus Menschen bauen: Das Stadtfest in Barcelona ist ein Großereignis.

Ein Funkenregen über einer Menschenmenge (Foto: Stephanie Eichler)

Jeder kann beim Feuerlauf in Barcelona mitmachen - nicht nur Teufel

Es ertönt ein Knall, dann noch einer. Es hört gar nicht mehr auf. Und plötzlich sind sie da: Teufel mit Mistgabeln, aus denen Funken sprühen. Ihnen folgen Drachen und andere Bestien. Sie reißen die Mäuler auf, Flammen lodern. Der Correfoq, der traditionelle Feuerlauf, zieht die Menschen in den Bann.

Pyrotechniker statt Teufel?

Funkenregen aus Mistgabeln, Menschen fotografieren das Spektakel (Foto: Stephanie Eichler)

Die EU droht das traditionelle Fest zu verändern - aus Sicherheitsgründen



Rund 70.000 Schaulustige säumen die Via Laitana. Toni, der sich zum Schutz gegen die Funken von Kopf bis Fuß eingehüllt hat, mischt sich unter die Teufel und Bestien. Denn der eigentliche Reiz des Feuerlaufs bestehe darin, mitzumachen, sagt er. Er umarmt eine Teufelin und tanzt mit ihr durchs Feuer. Angst scheinen die Barcelonesen nicht zu haben - das Spiel mit der Gefahr gehört bei vielen Festen in der Region Katalonien einfach dazu.

Doch der Correfoq soll vielleicht schon ab 2010 verboten werden. Die EU hat bereits einen entsprechenden Gesetzesvorschlag ausgearbeitet: Zwischen Publikum und Teufeln soll ein Sicherheitsabstand von einigen Metern gewahrt werden.

Ein Drache schaut durch einen Funkenvorhang (Foto: Stephanie Eichler)

Teufel und Bestien ziehen durch die Straßen

Außerdem sollen die Funken sprühenden Mistgabeln nur von geschulten Pyrotechnikern betätigt werden. Sandra, die schon seit Jahren ins Teufelskostüm schlüpft und Feuerwerkskörper zündet, ist wütend: "Das ist so, als wenn sie den Deutschen verbieten würden, Würstchen zu essen!"

Zwölf Meter hohe Menschentürme

Als am nächsten Morgen die Sonne aufgeht, sind die Teufel verschwunden. Nun steht das nächste Ereignis an: die Castells. Menschen bauen sich dabei zu Türmen auf. Zunächst fassen sich zwei- bis dreihundert Menschen bei den Armen und bilden ein kreisrundes Stockwerk. Auf ihre Schultern steigen weitere Männer und Frauen. Auf die Spitze klettert ein kleiner Junge mit einem Sturzhelm. "Manchmal habe ich Angst und dann denke ich: Ich falle, ich falle, ich falle, … und schließlich falle ich dann auch", sagt der neunjährige Arnaud. Doch er hat für diesen Fall aus zwölf Meter Höhe trainiert. Arnaud erklimmt sicher und konzentriert die Spitze des neunstöckigen Turms.

Ganz unten im ersten Stockwerk steht Roser, eine zierliche Frau: "Hier unten riechst du alles. Die Füße, den Schweiß. Man muss sich die Gesichter der Menschen ansehen, um die Anstrengung, die diese ganze große Familie unternimmt, wertzuschätzen."

Eine Pyramide aus Menschen (Foto: Stephanie Eichler)

Bis zu zwölf Meter hoch türmen sich die Barcelonesen - das geht nur mit großem Vertrauen



Eine große Familie - so sehen sich die Katalanen gerne. Solidarität ist für sie wichtig. Auch die Traditionen wie Correfoc und Castell funktionieren nur, wenn sicher ist, dass sich einer auf den anderen verlassen kann.


Autorin: Stephanie Eichler
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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