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Kultur

Tanz um den Goldenen Bären

Auch in diesem Jahr setzt die Berlinale wieder auf den engagierten Film, was sicherlich viele Kontroversen lostritt. Der Wettbewerb verzichtet so gut wie ganz auf großes Starkino. Zum Auftakt gibt es einen Western.

Logo der Berlinale (Foto: dapd)

Logo der 61. Berlinale

Die Berlinale (10.2.-20.2.) bleibt sich treu. Vielleicht auch gezwungenermaßen. Denn die ganz großen Namen, die Stars des europäischen, amerikanischen und asiatischen Kinos, zieht es jedes Jahr ins sonnige Cannes. In Berlin trifft sich dafür das engagierte, politische Kino. Ein erster Blick auf die Auswahl des Wettbewerbs, das Herzstücks des Festivals, zeigt es deutlich: Der Schwerpunkt liegt auf Newcomern und weniger berühmten Regisseuren. Das ist nicht unbedingt von Nachteil. Entscheidend wird nach zehn Festivaltagen die Qualität der Filme sein - und da können kleine, aber feine Entdeckungen am Wegesrand glücklicher machen als routiniertes Kunsthandwerk von Altmeistern.

Filmszene aus ALMANYA - WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND (Foto: CONCORDE FILMVERLEIH)

Filmszene aus Almanya - Willkommen in Deutschland

Gleich ein paar Debütanten wurden in diesem Jahr zum Wettbewerb geladen, aus verschiedenen Teilen der Erde. Die nationale Herkunft der Filme und von deren Regisseure wird dabei immer unwichtiger - die meisten Filme werden heutzutage von Produzenten aus verschiedenen Ländern finanziert. Regisseure drehen oft gar nicht mehr in ihrem Heimatland. Oder zumindest nicht im Land, in dem sie geboren wurden. "Almanya - Willkommen in Deutschland" heißt etwa das Spielfilmdebüt von Yasemin Samdereli. Schon der Titel deutet an, dass es darin um die Erlebnisse von Menschen in der Fremde geht. Die Globalisierung – längst hat sie auch in die Welt des Kinos Einzug gehalten, was der aktuelle Festivaljahrgang unter Beweis stellt.

Von Wim Wenders bis Demi Moore...

Bekannte deutsche Regisseure stehen natürlich trotzdem auch bei der 61. Berlinale im Fokus des Interesses. Regiegroßmeister wie Wim Wenders und Werner Herzog sind dabei, wenn auch mit Dokumentarfilmen. Dafür zeigt der junge Ulrich Köhler seinen dritten Spielfilm im Wettbewerb und der Dokumentarist Andres Veiel debütiert ebenfalls mit einem Spielfilm: dem Terroristendrama "Wer wenn nicht wir". Aus Europa wurden unter anderem der Österreicher Wolfgang Murnberger, der ungarische Regie-Exzentriker Béla Tarr sowie der französische Animationsfilmer Michel Ocelot eingeladen.

Wie schon im vergangenen Jahr fehlen die Regiestars aus Hollywood, amerikanische Filmemacher wie JC Chandor und Victoria Mahoney dürften die wenigsten kennen. Doch für Glamour und Starrummel ist trotzdem gesorgt: Unter anderem werden die Schauspieler Matt Damon und Demi Moore, Kevin Spacey und Jeremy Irons, Ralph Fiennes und Diana Kruger erwartet. Und zumindest zum Auftakt strotzt Hollywood mit großen Namen: der Western "True Grit" verspricht opulentes Kino.

Filmstill aus True Grit (Foto: Internationale Filmfestspiele Berlin)

True Grit, Regie: Ethan Coen

Der Fall Jafar Panahi

Traditionell sind auch Filme aus Lateinamerika (Argentinien, Mexiko, Uruguay) und Asien (China, Südkorea) dabei. Mit Spannung werden auch die Filme aus dem Nahen Osten (Israel) und dem Mittleren Osten (Iran) erwartet. Teheran hat darüber hinaus mit der Inhaftierung des bekannten Regisseurs Jafar Panahi für das traurigste Kapitel im Vorfeld der Festspiele gesorgt. Panahi wurde von den Veranstaltern der Berlinale trotzdem als Jury-Mitglied geladen, sein Platz wird während der Festspiele leer bleiben. Für Diskussionsstoff dürfte aber gesorgt sein. Der international besetzten Jury sitzt in diesem Jahr die Schauspielerin Isaballa Rossellini vor. Sie wird am Ende einen von 16 Filmen mit dem Goldenen Bären auszeichnen.

Das Forum, das dem unabhängigen Kino Raum gibt, setzt in diesem Jahr auf die Themen Familie, Gesellschaft, Identität. 39 Filme aus aller Welt zeigen - auch in vielen dokumentarischen Arbeiten - mit welch gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen und Brüchen Menschen aus aller Welt umgehen müssen. Dass sich die eindeutigen Grenzen zwischen Festivalsektionen wie Wettbewerb und Forum in den letzten Jahren fast gänzlich aufgelöst haben, zeigt ein Blick auf das diesjährige Programm der Sektion Panorama. Hier gibt es viele Newcomer, die Filmemacher blicken auf Krisenregionen wie den Nahen Osten und Afghanistan, bekannte Namen vor und hinter den Kameras wechseln sich mit Debütanten ab.

Städtisches Publikumsfestival

Dieter Kosslick (AP Photo/Markus Schreiber)

Berlinale-Chef Dieter Kosslick

Die Größe der Berlinale ist auch in diesem Jahr wieder unüberschaubar. Viele Nebenreihen, Spezialvorstellungen und Sondervorführungen ergänzen die bekannten Programmsektionen, hinzu kommen noch Retrospektiven (Ingmar Bergman), eine Hommage an Armin Müller-Stahl die Reihe Kinder- und Jugendfilm (Generation). Berlinale-Chef Dieter Kosslick begegnet Kritikern seines Festivals immer mit dem Argument des Publikumsinteresses. Solange zehntausende begeisterte Menschen während der zehn Berlinale-Tage die Kinos stürmen, so Kosslick, lasse er sich den Vorwurf, das Festival sei aufgebläht, gern gefallen. Die Berliner Filmfestspiele sind ein Publikumsfestival mitten in einer europäischen Großstadt - das wird auch in Zukunft den Unterschied zu den Konkurrenten in Cannes und Venedig ausmachen.

Autor: Jochen Kürten

Redaktion: Sabine Oelze

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