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Welt

Tanz gegen Gewalt

Die Aktion "One Billion Rising" zeigt, wie man weltweit auf das Thema Frauenrechte aufmerksam machen kann: mit Musik und Tanz. Die Aktion fand auf der ganzen Welt statt. Ein Bericht aus Bonn.

Eine Frau mit einer auf die Wange gemalten Blume bei One Billion Rising in Kalkutta. (Foto: dpa)

Eine Inderin bei der Kampagne "One Billion Rising" für Frauenrechte.

Auch in Bonn versammelten sich am Valentinstag einige hundert Frauen und auch ein paar Männer, um mit viel Energie zu dem Lied "Break the Chain" zu tanzen und unterdrückte Frauen in aller Welt aufzufordern, ihre Fesseln abzuwerfen. Die Unterstützung dieser Frauen ist den Teilnehmern das größte Anliegen.

Nicht mehr wegsehen

"Es geht darum, Frauen zu helfen, die es alleine nicht schaffen, sich gegen Gewalt aufzulehnen und in diesem Sinne ein Zeichen zu setzen", sagt Rosemarie Moizisch aus Sinzig. Sie glaubt, dass es "letztendlich kein Glück gibt, solange so viele unglücklich sind - kein echtes Glück".

Sicher gebe es auch Gewalt gegen Männer, oder Situationen, in denen Frauen ihre Macht ausspielen, Kinder als Druckmittel benutzen oder Ähnliches. "Aber heute geht es halt um die Frauen", sagt Moizisch.

Vera Pietschmann, ebenfalls aus Sinzig, hofft, dass die Aktion die Solidarität unter den Frauen stärkt, "dass man vielleicht im Alltag mehr aufeinander achtgibt und nicht wegsieht, sondern sich einsetzt für die, die sich nicht selbst wehren können".

Von "Vagina-Monologen" bis Tanz-Flashmob

Der Name der Aktion (auf Deutsch: "eine Milliarde stehen auf") bezieht sich auf die Zahl der Frauen, die nach einer Schätzung von Amnesty International weltweit in ihrem Leben Opfer von Gewalt werden - jede dritte Frau also. Die Gewalt zeigt sich in verschiedenen Formen: sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, Verstümmelung, Prügel, aber auch psychischer Druck.

Eve Ensler, die Initiatorin von One Billion Rising bei einer Rede (Foto: Getty Images)

Eve Ensler, die Initiatorin von "One Billion Rising"

"One Billion Rising" sieht sich selbst als Revolution, als "globaler Streik", auch als "Akt weltweiter Solidarität". Initiatorin ist die US-Autorin Eve Ensler, die die "Vagina-Monologe" geschrieben hat und vor 15 Jahren den V-Day als Bewegung gegen Gewalt gegen Frauen ins Leben rief. In einem Artikel für die britische Tageszeitung "The Guardian" schreibt Ensler, dass es seit dem ersten V-Day zwar Erfolge gegeben habe, es aber nicht gelungen sei, der Gewalt gegen Frauen ein Ende zu setzen und somit mehr Anstrengungen nötig seien.

Weltweite Debatte über Vergewaltigungen

Der Aufruf zu "One Billion Rising" erfolgte vor rund einem Jahr. Seitdem sind grauenhafte Gewaltakte gegen Frauen bekannt geworden: Gruppenvergewaltigungen, die auch noch mit Handys gefilmt wurden. Der Anschlag auf Malala Yousafzai, die für afghanische Mädchen eine bessere Schulbildung forderte. Der Tod einer jungen Studentin in Indien, nachdem sie von mehreren Männern vergewaltigt worden war, hat eine weltweite Debatte über sexuelle Übergriffe ausgelöst.

Ensler glaubt, dass diese Empörung etwas in Gang bringen könne, und dass auch der Tanz am V-Day es kann. Er solle Empörung und Freude ausdrücken, und ein Appell für Freiheit, Sicherheit und Wertschätzung der Frauen sein, schreibt Ensler.

Inderinnen tanzen in Mumbai. (Foto: AFP/Getty Images)

Indien war das Schwerpunktland der Proteste.

Dass Gewalt gegen Frauen nicht nur ein Problem in Entwicklungsländern ist, hat vor einigen Jahren auch eine Studie des Bundesfamilienministeriums gezeigt. Demnach kommt Gewalt - Schläge, sexuelle Übergriffe, psychischer Druck - vor allem in Beziehungen vor. 58 Prozent der mehr als 10.000 befragten deutschen Frauen wurden schon einmal sexuell belästigt, knapp jede dritte Frau hat körperliche, knapp jede achte schon einmal sexuelle Gewalt erlebt.

Tanz im Kongo, Mahnwache in Indien

"One Billion Rising" wollte die Erde zum Beben bringen - nach Angaben der Organisatoren tanzten Tausende in der Demokratischen Republik Kongo, auf den Philippinen wurde 24 Stunden am Stück getanzt, in Indien versammelten sich Studenten zu einer Mahnwache mit Kerzen.

V-Day-Tänzerinnen in der Demokratischen Republik Kongo (Foto: Reuters)

V-Day-Tänzerinnen in der Demokratischen Republik Kongo

Die Teilnehmer waren zum allergrößten Teil Frauen, dabei ging es bei der Kampagne auch um Männer. In Bonn waren sie eher Zuschauer als Teilnehmer. Stefan Krupp hat mitgetanzt. Er habe sich sehr gefreut, dass auch Männer eingeladen waren. "Mich hat erstaunt, wie viele Menschen man für eine solche Aktion zusammenbekommt und was für ein Teamgeist da herrscht", sagt er.

Für die Frauen, die mitgemacht haben, habe die Aktion aus seiner Sicht sehr viel gebracht: "Ich glaube, dass viele der Teilnehmerinnen - in Form von Missbrauch etwa - eine Vorgeschichte hatten." Er habe das Gefühl gehabt, dass der Tanz auf dem Münsterplatz gut angekommen sei. Er werde kommendes Jahr wahrscheinlich wieder dabei sein.

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