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Afrika

Tansania feiert 50 Jahre Unabhängigkeit

Im Dezember 2011 jährt sich zum 50. Mal die Unabhängigkeit Tanganyikas. Der heutige Staat ist aus dessen Vereinigung mit Sansibar hervorgegangen. Ein Rückblick auf die Geschichte des Landes.

Der erste Staatspräsident Julius Nyerere empfängt Queen Elisabeth II, 1979 (Bild: AP)

Der erste Staatspräsident Julius Nyerere empfängt Queen Elisabeth II.

Das Gebiet, das seit 1885 Teil der Kolonie Deutsch-Ostafrika war, wurde nach Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg zum britischen Mandatsgebiet, bevor es 1961 die Unabhängigkeit erlangte. Doch der Staat, der gefeiert wird, ist längst Geschichte. Bei den Feierlichkeiten zur 50-jährigen Unabhängigkeit Tanganyikas am Freitag (09.12.2011) geht es vor allem um die Vereinigte Republik Tansania, die 1964 durch den Zusammenschluss mit Sansibar ins Leben gerufen wurde.

Nyereres "afrikanischer Sozialismus"

Julius Nyerere (Bild: AP)

Julius Nyerere: auch nach seinem Tod immer noch von vielen Tansaniern verehrt

Jahrzehntelang lagen die Geschicke Tansanias in den Händen von Präsident Julius Nyerere, der die Unabhängigkeit mit seiner "Tanganyika African National Union" (TANU) weitgehend gewaltfrei erkämpft hatte. Nyereres Ambitionen, Tansania zu einer auch wirtschaftlichen und kulturellen Selbstbestimmtheit zu führen, wurden weltweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Zu seinem Konzept des "afrikanischen Sozialismus" gehörte auch eine Umstellung der landwirtschaftlichen Produktion auf sogenannte Ujamaa-Dörfer. Die Dorfgemeinschaften sollten über gemeinsames Eigentum verfügen. Doch die Umsetzung bereitete Schwierigkeiten. Die Bürger sahen nicht den Nutzen, während sich die Parteifunktionäre bereicherten. Das Einparteiensystem erwies sich als schwerfällig.

"Es war tabu, in der Öffentlichkeit über den Präsidenten zu sprechen", beklagt der tansanische politische Analyst Gwandumi Mwakatobe die politische Kultur jener Zeit. "Das sensible Thema der Einheit der Republik Tanganyika mit Sansibar hat so manche politische Führer das Amt gekostet, nur weil sie diese in Frage gestellt haben." Doch erneut gelang eine friedliche Wende. Konfrontiert mit dem offensichtlichen Scheitern seiner Ujamaa-Politik in einer zunehmend kapitalistisch dominierten Welt, erkannte Nyerere seine Niederlage an und gab 1985 die Führung an Ali Hassan Mwinyi ab. Unter dessen Präsidentschaft wurde die Öffnung für die Marktwirtschaft sowie die Wende zum Mehrparteiensystem eingeleitet.

Garant für Stabilität in einer konfliktbelasteten Region

Flüchtlinge aus Burundi (Bild: AP)

162.000 Flüchtlinge aus Burundi fanden in Tansania eine neue Heimat

So kann Tansania heute auf eine weitgehend friedliche Geschichte zurückblicken. Das Land ist ein Garant für Stabilität in einer sonst sehr unsicheren Region. Nyerere selbst war bemüht um den Aufbau einer starken ostafrikanischen Gemeinschaft. So erinnert sich der kenianische Politiker Martin Shikuku an die enge Zusammenarbeit der Unabhängigkeitsbewegungen Kenias und Tansanias. Nyereres Plan eines gemeinsamen ostafrikanischen Staats, so Shikuku, sei letztlich an den verschiedenen politischen Systemen und Streitigkeiten innerhalb des kenianischen Widerstands gescheitert.

Trotz seiner wirtschaftlichen Schwäche konnte Tansania durch seine Aufnahme anderer Unabhängigkeitskämpfer auch zur späteren Befreiung anderer afrikanischer Staaten beitragen. Sam Nujoma von der namibischen Widerstandsbewegung SWAPO, später erster Präsident des freien Namibia, fand dort Asyl. Und auch die Befreiung von Simbabwe und den damaligen portugiesischen Kolonien Angola und Mosambik wurde auf tansanischem Boden geplant.

Den ethnischen und politischen Konflikten in seinen Nachbarländern begegnete Tansania mit einer großzügigen Flüchtlingspolitik – so wurden 2010 unter Präsident Jakaya Kikwete 162.000 burundische Flüchtlinge eingebürgert. So viele, wie noch nie zuvor ein Staat eingebürgert hatte. Und nach dem ruandischen Völkermord fand das eigens eingerichtete UN-Kriegsverbrechertribunal, das jetzt vor der Vollendung seiner Arbeit steht, seinen Platz in Arusha.

Große Herausforderungen für die Zukunft

Viele Tansanier hoffen auf mehr Wohlstand (Bild: DW)

Viele Tansanier hoffen auf mehr Wohlstand

Vielen Herausforderungen wird sich Tansania in der Zukunft stellen müssen: Die große Armut dieses Landes, bedingt durch hohe Staatsschulden und wirtschaftliche Schwierigkeiten, bleibt ein ungelöstes Problem. Korruption und Vetternwirtschaft sind weit verbreitet, der Kampf gegen HIV/AIDS ist ein weiterer Punkt auf der politischen Agenda.

Aktuell spaltet die Frage nach einer Reform der Verfassung, die 1977 zur Zeit des Einparteiensystems entstand, Regierung und Opposition. Die politische Stabilität indes, die dieses Land sich über fünf Jahrzehnte hinweg bewahren konnte, ist eine große Errungenschaft, wie Mwakatobe bemerkt: "Die Geschichte Tansanias ist außergewöhnlich insofern, als es viele politische Wechsel ohne größere Krisen gegeben hat."

Autor: Philipp Sandner
Redaktion: Katrin Ogunsade

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