1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afrika

Tansania: Eine Schülerin kämpft gegen den Klimawandel

Getrude Clement handelt, während Politiker reden. Die Schülerin aus Tansania kämpft gegen Umweltverschmutzung und Klimawandel. In einer eigenen Radiosendung - und vor den Vereinten Nationen in New York.

Einmal pro Woche tauscht Getrude Clement ihr Klassenzimmer gegen ein Aufnahmestudio. "Sayari ya Watoto" heißt ihre Sendung im Lokalradio. "Heute haben wir erst Kindernachrichten gebracht und dann eine Diskussion über den Schutz unserer Wasservorkommen", sagt die 16-Jährige im grünen T-Shirt nach der Sendung.

Grün passt zu ihr. Die Schülerin aus Mwanza, einer Stadt am Viktoriasee im Westen Tansanias, ist eine engagierte Naturschützerin. In ihrer wöchentlichen Radio-Show berichtet sie über die Umwelt - und über Menschen, die sich für deren Schutz einsetzen. "Ich hoffe, dass meine Hörer etwas tun, um die Situation hier vor Ort zu verändern - dass sie die Umwelt schützen, die Umwelt sauber halten und unser Wasser schützen", erzählt Getrude der DW.

"Diese Zukunft wollen wir nicht"

Kilimandscharo Tansania (Roberto Schmidt/AFP/Getty Images)

Wegen des Klimawandels schmilzt das Eis auf dem Gipfel des Kilimandscharo

Auf den ersten Blick sieht es nicht so, als sei Umweltschutz ein großes Problem in Mwanza. Die Stadt schmiegt sich an grüne Hügel, am Seeufer wachsen Palmen. Der See ist wichtig für die Stadt - als Trinkwasserspender und für die vielen Menschen hier, die vom Fischfang leben. Aber Getrude weiß, dass es schlecht um diese Einkommensquelle steht. "Ich habe einen Fischer in der Gegend befragt. Der hat mir die ganzen Pflanzen gezeigt, die auf dem Wasser wachsen", erzählt sie. Damit meint sie die vielen Wasserhyazinthen, die auf der Seeoberfläche wuchern. Sie vermehren sich rasend schnell und nehmen anderen Wasserpflanzen, die tiefer wachsen, das Licht. Die Pflanzen sterben - und als Folge auch die Fische. "Er hat mir auch erzählt, dass viele Menschen den See verschmutzen, weil sie ihren Müll einfach hinein werfen", erzählt sie.

Auch der Klimawandel macht Getrude Sorgen. Im April 2016 sprach sie vor einer Versammlung von Staats- und Regierungschefs bei den Vereinten Nationen in New York. Anlass war die Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens. Ihr Auftritt dauerte nur etwas über drei Minuten, aber Spitzenpolitiker wie der damalige französische Präsident Francois Hollande und der damalige UN-Generalsekretär Ban-Ki Moon hörten gebannt zu.

"Sie glauben vielleicht, dass wir zu jung sind, um über die Risiken des Klimawandels Bescheid zu wissen", sagte Getrude Clement damals. "Aber wir spüren die Auswirkungen in unserem Alltag. Die Zukunft gehört uns, den jungen Menschen. Aber diese Zukunft wollen wir nicht."

USA New York - Gertrude Clement - junge Repräsentantin bei Unterzeichnung des Pariser Klimabkommen (picture-alliance/ZUMAPRESS/N. Siesel)

Getrude Clement bei den UN in New York

Tansania spürt die Folgen des Klimawandels

Denn für ihre Heimat Tansania wird der Klimawandel dramatische Folgen haben. Bereits jetzt schmilzt das Eis auf dem Gipfel des Kilimandscharo, Afrikas höchstem Berg. Die Temperaturen werden steigen, Regenfälle sollen zunehmen. Das bedroht die Existenz vieler Kleinbauern.

"Wir erwarten mehr als Worte und Papier, wir erwarten Taten - und zwar heute und nicht morgen. Ich möchte nach Tansania zurückkehren und den jungen Menschen dort sagen, dass die Zukunft uns gehört und eine rosige Zukunft vor uns liegt", sagte sie in New York.

Es ist eine Botschaft, die Getrude vorleben will. Sie ist eine fleißige Schülerin und träumt von einer Zukunft als Journalistin. Neben ihrer Radiosendung arbeitet sie auch an anderen Projekten, um auf die Gefahren von Klimawandel und Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen. Mit anderen Kindern und Jugendlichen arbeitet sie an einer interaktiven Karte, auf der die Umweltprobleme ihrer Heimat aufgelistet werden sollen. 

Videostill aus DW Produktion: Broadcasting for the planet

In ihrer Sendung berichtet Getrude Clement über Umweltprobleme

Andere Kinder fördern

"Kinder spielen eine große Rolle. Sie können ihre Altersgenossen über die Umweltprobleme aufklären - durch Radio, Fernsehen oder in der Schule", sagt der Umweltschützer Brightius Titus, der mit Getrude zusammenarbeitet.

Um Kinder will sich die umtriebige 16-Jährige auch kümmern, wenn sie erwachsen ist. "In unserem Land fördert niemand die Talente der Kinder, vor allem nicht derjenigen, die auf dem Land leben. In vielen Dörfern gibt es Kinder mit enormen Talenten, aber keiner hilft ihnen, ihre Träume zu verwirklichen. Ich will ihnen helfen."

Die Redaktion empfiehlt