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Politik

Tankstellensterben setzt sich fort

Der deutsche Tankstellenmarkt befindet sich in einer Krise. Viele Tankstellenbesitzer und auch Mineralölkonzerne sind besorgt. Besonders die Mittelständler und kleineren Betriebe fürchten die Dominanz der Großen.

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Pflanzen wachsen, der Markt für Tankstellen hingegen nicht

Einen Euro und drei Cent kostet zur Zeit der Liter Benzin bei der Tankstelle von Michael Schiefer in Köln. Das ist im Durchschnitt etwas billiger als bei den großen Markentankstellen. Die Schiefers betreiben ihre Freie Tankstelle seit 20 Jahren.

Das Familienunternehmen lebt von Stammkunden, die Mundpropaganda machen, ständigen Preisanpassungen und von guten Serviceleistungen "Wenn bei uns der Kunde kommt und sagt: Können Sie mir gerade helfen, dann können wir helfen. Ich bin gelernter KFZ-Mechaniker, mein Vater ist Meister. Fahren Sie mal zu einer Aral-Tankstelle oder zu DEA. Dort sitzt ein Student hinter der Kasse, der sagt dann: Boah, davon hab ich keine Ahnung", sagt Michael Schiefer Die Schiefers verzichten auf alles, was die Preise für Sprit und Service künstlich in die Höhe treibt - eine Tankstelle mit Atmosphäre.

Keine Hilfe für kleine Pächter

Hiobsbotschaften plagen die Branche. Die deutsche Mineralölwirtschaft musste erst jüngst den seit Monaten angestrebten Hilfsfonds für die erwarteten Tankstellen- Schließungen endgültig zu den Akten legen. Nach der Absage des Bundeskartellamtes an ein Stilllegungsprogramm würden keine Alternativmodelle mehr ausgelotet. "Das Tankstellen-Sterben beginnt jetzt erst richtig", meint Wolfgang Pfletschinger von der Interessengemeinschaft mittelständischer Mineralölverbände. Es sei davon auszugehen, dass die kleinen Betreiber überproportional betroffen sein werden.

Immer weniger und immer größere Tankstellen

In den siebziger Jahren gab es noch mehr als 40.000 Tankstellen in Deutschland, heute sind es rund 16.400. Davon sind ungefähr 4000 so genannte Freie Tankstellen. Diese Tankstationen gehören Eigentümern, die sich unabhängig von den großen Mineralölkonzernen am Markt platzieren. Die Freien Tankstellen kalkulieren selbständig und können frei entscheiden, von welcher Raffinerie sie ihr Mineralöl beziehen.

Gewinnspanne von wenigen Cents

Den aktuellen Benzinpreis bestimmen in erster Linie die Einkaufskosten für Rohöl am internationalen Markt und der hohe Steueranteil des Sprits in Deutschland, sagt Birgit Layes, Pressesprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes. Der Verband vertritt die Interessen der großen Mineralölfirmen, nicht der mittelständischen Tankstellenbetriebe.

"Das, was dann durch die inländische Mineralölwirtschaft beeinflusst werden kann, liegt in der Regel zwischen 8 und 10 Cent je Liter", erklärt Birgit Layes den marginalen Einfluss des Inlandsmarktes auf die Benzinpreisbildung. Der Kunde sieht jedoch vor allem die steigenden Benzinpreise an den Tankstellen.

Oligopol drückt auf den deutschen Markt

Der deutsche Mineralölmarkt wird von wenigen Großkonzernen beherrscht, und diese bestimmen die Preise und die Vertriebswege. Internationale Konzerne wie Shell/DEA und BP/Aral verfügen über ein eigenes Produktions- und Vertriebsnetz. Ihnen gehört praktisch alles vom Bohrloch in der Wüste bis zur Zapfsäule an der Tankstelle. Ende letzten Jahres erlaubte das Bundeskartellamt die Fusion der amerikanischen Shell mit der deutschen DEA sowie den Zusammenschluss der britischen BP und der deutschen Aral.


Um zu verhindern, dass die Ölmultis eine Mehrheit des deutschen Tankstellennetzes in ihren Händen halten, machte das Bundeskartellamt allerdings einige Auflagen. So müssen die Großkonzerne zum Beispiel 1500 Tankstellen an andere Betreiber verkaufen. Darüber hinaus verpflichtete sich Shell/DEA zu günstigen Benzinlieferungen für maximal fünf Jahre an Tankstellen, die raffinerie-unabhängig sind. So sollte aus Sicht des Bundeskartellamtes eine gute Marktposition für die unabhängigen Käufer ermöglicht werden.

Chancen für Freie Tankstellen bleiben

Die Zukunft der Freien Tankstellen ist jedoch nicht völlig aussichtslos. Einen Standortvorteil für die mittelständischen Betriebe sieht Heinz-Willi Müller, der Vorsitzende des Bundesverbandes Freier Tankstellen, im ländlichen Raum. Für einen Großkonzern lohne sich nur eine große Station mit entsprechend viel Umsatz. Dies sei aber in ländlichen Gegenden nicht immer zu gewährleisten.

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