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Wirtschaft

Tanker unter deutscher Flagge

Die meisten deutschen Reeder lassen ihre Schiffe unter fremder Flagge fahren. Das senkt Kosten, weil die Besatzung nicht deutsch sein muss. Eine Ausnahme: die Bremer Reederei German Tanker Shipping. Reiner Patriotismus?

Mit 13 Schiffen fährt die Bremer Reederei German Tanker-Shipping über die Weltmeere. In den Bäuchen ihrer Tanker wird Benzin, Diesel, Kerosin, Heizöl und Rohstoffe für die petrochemische Industrie transportiert. Die Reederei selber residiert im fünften Stock in einem schmucklosen Verwaltungsgebäude aus den 60er Jahren - der Hafen in Sichtweite. Doch zu Gesicht bekommt Geschäftsführer Frank Jungmann die Flotte nur selten. Vielleicht fünf Mal im Jahr steuern die Schiffe den Heimathafen an, so Jungmann. "Eins liegt in New York, zwei sind auf dem Weg nach Amerika, der Rest ist in der Nord- und Ostsee unterwegs."

Der Geschäftsführer sitzt in seinem Büro vor Schiffsmodellen und erzählt, wie die Reederei 1998 gegründet wurde: "Sieben Tankschiffe hatte wir und sechs Angestellte im Kontor." Heute betreuen 26 Personen die Flotte und rund 400 Seeleute arbeiten an Bord. Die Zeiten, als vom Kapitän bis zum Matrosen nur Deutsche auf den Schiffen fuhren, waren allerdings auch damals schon lange vorbei. Die Reeder hatten ihre Schiffe ausgeflaggt. Denn wenn die Schiffe unter Liberia-Flagge führen, gebe es keine Vorschriften, wie das Schiff besetzt werden müsste, erklärt Jungmann. Dadurch seien die Personalkosten deutlich geringer.

Deutsche Flagge als Ausnahme

Matrosen stehen nebeneinander (Foto: Fotolia)

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - das gibt es nicht auf deutschen Schiffen

Die Bundesregierung, besorgt um den deutschen Schifffahrtsstandort, legte Ende der 80er Jahre ein zweites Schifffahrtsregister auf. Die Matrosen aus Indien, von den Philippinen oder aus mittelamerikanischen Staaten konnten weiterhin nach Heimatlohn entlohnt werden. Allein die Schiffsoffiziere mussten in Deutschland ausgebildet und nach deutschem Lohnniveau bezahlt werden. Im Gegenzug sagte die Bundesregierung Zuschüsse für die Lohnnebenkosten zu - aktuell knapp 60 Millionen Euro im Jahr. Bis zu 10 Prozent eines Jahresgehalts. Beim Kapitän sind das maximal 16.000 Euro.

Gleichwohl, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretärin Nina Lepper, würden die meisten deutschen Schiffe nach wie vor unter Billigflagge fahren. "Es gibt noch andere Reedereien, die unter deutscher Flagge fahren, allerdings geht der Trend Richtung Ausflaggung." Die Bremer Reeder German Tanker sei damit die rühmliche Ausnahme, so Lepper.

Vorteile der deutschen Flagge

Blick auf einen fahrenden Tanker (Foto: German Tanker Shipping)

Schiffe der Bremer Reederei German Tanker fahren unter deutscher Flagge

Auch die Bremer Reederei German Tanker erlag kurzfristig dem Reiz der Personalkostenersparnis und flaggte ihren Tanker "Seabass" aus. "2011 war das", erzählt Geschäftsführer Jungmann, "weil die Bundesregierung damals die Förderung kürzen wollte". Die Bundesregierung ließ sich aber umstimmen und sicherte die Lohnkostenzuschüsse langfristig zu, worauf die Bremer Reederei German Tanker die "Seabass" zurückflaggte.

Die Vorteile unter deutscher Flagge zu fahren, liegen auf der Hand. "Dann kommen die Seeleute ins deutsche Sozialsystem, haben eine gute Krankenversorgung, eine gute Unfallversicherung und auch eine staatliche Altersvorsorge", sagt Jungmann. Dadurch steige der soziale Friede an Bord und auch die Arbeitsmoral. Für die Filipinos gelte zwar die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft. Renten- und krankenversichern müssten sie sich aber selbst.

Engpässe beim Nachwuchs

Die Höhe der Gehälter für Nautiker, Offiziere und Kapitäne auf Schiffen der German Tanker Shipping richtet sich nach individuellem Verhandlungsgeschick. Das gefällt der Gewerkschaft nicht. Sie fordert Transparenz und gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Ohnehin aber kann der Manteltarifvertrag allein auf Schiffen unter deutscher Flagge gelten. 375 Schiffe sind das derzeit. Knapp 4000 Schiffe fahren hingegen unter Billigflaggen wie Liberia, Malta, Portugal, Barbados oder den Südseeinseln.

In Folge fehlt der Nachwuchs, bedauert Gewerkschafterin Nina Lepper: "Die Reedereien, die nicht ausbilden, können sich freikaufen". Die Schifffahrtsschulen seien zwar voll mit hochqualifizierten Absolventinnen und Absolventen. "Sie hätten jedoch kaum eine Perspektive, da viel zu wenig deutsche Schiffe unter deutscher Flagge fahren."

Und in einem Punkt stimmen Gewerkschafterin und der Reeder überein. So wünscht sich German Tanker Geschäftsführer Frank Jungmann, dass "derjenige, der Steuervorteile bekommt, auch eine gewisse Verpflichtung haben sollte, Personal auszubilden. Denn neben Ausbildungsablöse und Lohnkostenzuschüssen kommt der Fiskus den Reedern auch bei der Steuer entgegen. So richtet sich die Steuerlast nach der Größe der Flotte, nicht nach dem Gewinn, den diese Flotte einfährt.

Alle Schiffe fahren mit demselben Maschinentyp

Zurzeit werden auf den Schiffen der German Tanker 16 Schiffsmechaniker ausgebildet. Auch zwei Kapitäninnen halten auf der Brücke das Kommando. Das lag 1998, als die Reederei sich gründete, noch in weiter Ferne. Der Umsatz, den die Schiffe einfahren, beträgt mittlerweile rund 100 Millionen Euro. Die Flotte hält weiterhin der deutschen Flagge die Treue. Und nicht nur das - man lässt auch in Deutschland bauen. "Alle Schiffe sind auf der Lindenau-Werft in Kiel gebaut worden. Und sie fahren den gleichen Hauptmaschinentyp." Denn das, so Jungmann, erleichtere das Beschaffen von Ersatzteilen und die Maschinisten ließen sich schneller von einem Schiff auf das andere versetzen.

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