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Musik

Tanita Tikaram - mit Jazz zum Comeback?

Mit 19 Jahren hatte sie ihren einzigen Hit: Die düstere Ballade "Twist In My Sobriety" machte Tanita Tikaram 1988 berühmt. Wir stellen ihr neues Album vor und erinnern an musikalische Weggefährtinnen der 80er Jahre.

"More than twist in my sobriety, more than twist in my sobriety...", sang halb Europa im Herbst 1988 mit ernstem Gesicht und einem gewissen Hang zur Dramatik - Tanita Tikaram drückte mit diesem Song ihren ganzen Seelenschmerz darüber aus, nicht verstanden zu werden. Es geht um emotionale Isolation und die Leere im Kopf auf der Schwelle zum Erwachsensein. Mit dunkler Stimme, die manchmal an ihrem eigenen Leid zu zerbrechen droht, haucht die damals 19-Jährige den Song ins Mikro, dazu kommt ein Video in düsteren Sepia-Tönen, in dem Menschen mit traurigen Blicken in die Ferne schauen.

Das Album "Ancient Heart" war ein Erfolg für die junge Singer-Songwriterin - eine leise Platte, mit ein wenig Pop, ein wenig Jazz und vielen Balladen. Drei Millionen Exemplare verkaufte sie. Dann wurde es ruhiger. Ihre folgenden Platten waren keine nennenswerten Erfolge. Das hielt sie allerdings nicht davon ab weiterzumachen. Immer wieder veröffentlichte sie Alben und machte kleinere Touren und immer weiter wandte sie sich dem Blues und Jazz zu.

Tanita Tikaram britische Sängerin

Tanita Tikaram Anfang der 1990er

Musikalischer Neustart

Mit ihrem aktuellen Album "Closer To The People" hat sie tatsächlich wieder viel mehr Menschen erreicht: ein Publikum, das auf feines Songwriting mit jazzigen Arrangements steht - und das Tanita Tikaram nicht vergessen hat. Mit Recht. Ihre Stimme scheint wandelbarer. Insgesamt wirkt die mittlerweile 46-Jährige frischer und jünger als zu Beginn ihrer Karriere. Die Schwermut ist weg, den Melodien nimmt man ihre Fröhlichkeit tatsächlich ab. Schon der erste Song "Glass Love Train" kommt mit frühlingshafter Leichtigkeit daher, im Refrain säuselt ein Backgroundchor um Tikarams tiefe Stimme herum - das macht gute Laune.

"Wie eine Pralinenschachtel…"

Einen Ausflug in die 50er macht sie mit "The Way You Move" - das Stück spielt mit Mambo- und Cha Cha Cha-Elementen. Seltsam sperrig wirkt der Titelsong "Closer To The People", er wirkt fast wie Collage. Auch "Gris Gris Tales" klingt ungewöhnlich, fast experimentell, aber nicht unangenehm. Kein Stück auf der Platte ist wie das andere; man könnte es glatt mit den berühmten Worten aus dem Film "Forrest Gump" beschreiben: Wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie genau, was drin ist.

CD Cover Closer to the People von Tanita Tikaram

Das Cover der neuen CD "Closer To The People"

Natürlich hört man auch hier wieder sehr traurige Lieder - wie den Blues "Food on my table", eine Ballade über eine frisch verlassene Frau. Aber das witzige Arrangement mit dezent eingesetztem Bläsersatz und einem eigenwilligen Schlagzeug nimmt dem Song die triefende Schwere, verleiht ihm aber gleichzeitig Nachdruck.

Tanita Tikaram ist mit ihrem Publikum gereift

Wer Tanita Tikaram nach "Twist in my Sobriety" fast vergessen hat und gerne mal wieder was von ihr hören möchte (immerhin ist ja auch ihr Publikum seitdem fast 30 Jahre älter geworden), der sollte auf jeden Fall in diese Platte reinhören - sie ist die erste seit sieben Jahren, und sie birgt eine Menge durchaus verkraftbarer Überraschungen; das Album hat mit Paul Bryan ein erfahrener Produzent begleitet, der schon andere Musikerinnen wie etwa Aimee Mann betreut hat. Tanita Tikarams Band schließlich ist exzellent besetzt, die Musiker haben jahrzehntelange Erfahrung. Die einfallsreichen Arrangements und Tanitas melancholische Stimme bringen ihr nicht nur neue Fans (wie man zur Zeit auf ihrer Deutschlandtour sehen kann), sondern könnten auch ihre alten Fans wieder hinterm Ofen hervorlocken. Das Album "Closer To The People" ist seit dem 11. März im Handel.

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