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Energie

Tanap-Pipeline soll Abhängigkeit von Russland verringern

Mit der Transanatolischen Pipeline (Tanap) will sich die Türkei mehr Spielraum in der Energiepolitik verschaffen. Auch die EU könnte durch Tanap ihre Abhängigkeit von russischen Gasimporten reduzieren.

Die Suche nach Alternativen zu russischem Erdgas läuft auf Hochtouren. Dabei haben die Regierungsschefs der westlichen Staaten in der Türkei einen neuen Partner entdeckt. Spätestens seit die Staatsoberhäupter der Türkei, Aserbaidschans und Georgiens vor knapp zwei Wochen den Startschuss für eine 1850 Kilometer lange Pipeline gaben, wendet sich der Blick in Richtung Bosporus. Umgerechnet mehr als neun Milliarden Euro kostet die Transanatolischen Pipeline (Tanap). Ab 2018 sollen jährlich 16 Milliarden Kubikmeter Gas in die Türkei fließen. Es kommt von einem der größten Felder der Welt aus Aserbaidschan. 2023 sollen dann 23 Milliarden Kubikmeter Gas durch die Pipeline kommen. Drei Jahre später werden es planmäßig 31 Milliarden Kubikmeter sein.

Tanap soll mit der Trans-Adria-Pipeline verbunden werden. Im Jahr 2020 wird dadurch das Erdgas dann auch die EU erreichen. "Wir wollen die Türkei zum regionalen Verteilungszentrum für Energie machen", betonte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Tatsächlich ist Tanap eine Chance für die EU, unabhängiger von russischem Gas zu werden. Bereits am 11. März - kurz vor dem offiziellen Baubeginn von Tanap - hatte die EU-Kommission den Wunsch geäußert, eine energiepolitische Partnerschaft mit der Türkei einzugehen.

Erdogan und die Präsidenten von Aserbaidschan und Georgien

Erdogan und die Präsidenten von Aserbaidschan und Georgien beim Startschuss von Tanap am 17.03.2015

Pipeline mit Potential

"Tanap ist der Spitzenreiter der internationalen Pipelineprojekte, weil es zum ersten Mal ein erhebliches Volumen an Gas aus dem kaspischen Becken über die Türkei in den EU-Markt transportieren wird", sagt Mehmet Ögütcü, Präsident des Bosphorus Energy Clubs. Die EU allein braucht allerdings mehr als 250 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr. "Tanap kann deshalb nur einen winzigen Teil der gesamten europäischen Gasnachfrage decken", so Ögütcü. Doch Tanap könnte eine Möglichkeit sein, in Zukunft auch auf andere Gasfelder in Aserbaidschan, Iran, Turkmenistan, der Autonomen Region Kurdistan im Irak und dem östlichen Mittelmeer ausgebaut zu werden.

Russland bleibt wichtig

Aus türkischer und auch europäischer Sicht sei Tanap ein Projekt das tatsächlich die starke Abhängigkeit von russischen Gasimporten diversifizieren könnte, so Necdet Pamir, verantwortlich für Energiefragen bei der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP). Der Preis des Erdgases aus Aserbaidschan sei außerdem günstiger als das russische Gas, so Pamir. "Im Vergleich zum gescheiterten Nabucco-Projekt kann man sagen, dass die Türkei mehr Gas durch Tanap erhalten wird." Nabucco sollte Gas von der türkischen Grenze bis nach Österreich bringen. "Sechs Milliarden Kubikmetern jährlich sind bei Tanap anvisiert. Bei Nabucco waren nur 2,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr geplant. Das wird die türkische Abhängigkeit von Russland reduzieren", so Pamir. Momentan liegen die russischen Gasimporte der Türkei bei knapp 60 Prozent.

Kaspisches Meer Satelittenbild

Kaspisches Meer von oben - hier befinden sich riesige Erdgas und Erdölvorkommen

Doch Russland besitzt 17 Prozent der weltweiten Gasreserven. Im Jahr 2013 exportierte das Land mehr als 160 Milliarden Kubikmeter Erdgas in die EU. "Das aserbaidschanische Erdgas ist schwer mit solch gigantischen Kapazitäten zu vergleichen. Auch die geographischen Vorteile liegen bei Russland. Die Transportkosten des Gases in Richtung Europa sind relativ hoch. Wir müssen uns also eingestehen, dass Russland einer der wichtigsten Erdgaslieferanten der EU bleiben wird", so Pamir.

Tanap alleine reicht nicht

Mit Tanap möchte die Türkei zu einem wichtigen Transitland für Energie heranwachsen. Doch mit der Transanatolischen Pipeline und etlichen weiteren Infrastrukturprojekten sei das nicht getan, sagt der Energieexperte Mehmet Ögütcü. "Die Türkei hat zwar eine wachsende Energiewirtschaft, aber nur eine Handvoll kompetenter Energiefirmen". Das Land müsse eine Strategie entwickeln, um international wettbewerbsfähige Energiechampions durch öffentlich-private und internationale Partnerschaften aufzubauen. Außerdem sei es wichtig, in Technologien und Know-How zu investieren, um einer der Pioniere in grüner Energie vor allem in Wind, Solar und geothermischer Energie zu werden, so Pamir.

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