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Asien

Tamilenrebellen erklären einseitige Waffenruhe

Die tamilischen Rebellen im Nordosten Sri Lankas haben einen einseitigen Waffenstillstand verkündet. Sie begründeten das mit der "humanitären Katastrophe" vor Ort. Die Regierung wies das Angebot umgehend zurück.

Regierungssoldaten patroullieren im Kampfgebiet vor (Foto: AP)

Die srilankische Armee setzt ihre Offensive gegen die Rebellen fort

Die Rebellen wollen nach eigenen Angaben alle Kampfhandlungen "mit sofortiger Wirkung" einstellen. Nur ein Waffenstillstand könne das Leiden Zehntausender tamilischer Zivilisten im Rebellengebiet beenden, teilte die Rebellenorganisation Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) am Sonntag (26.04.2009) mit. Denn die Regierungstruppen würden unter Missachtung internationalen Rechts weiterhin Zivilisten angreifen, heißt es in der Erklärung. Außerdem würden "absichtlich" Lebensmittel und Medikamente zurückgehalten. Schon am Samstag hatten die Rebellen erklärt, viele Menschen drohten zu verhungern, da es kaum noch etwas zu essen gebe.

Die Regierung Sri Lankas erteilte dem Angebot der LTTE umgehend eine Absage. Die Armee setzte ihre Offensive gegen die Tamilenrebellen fort und nahm am Sonntag nach eigenen Angaben ein weiteres Dorf im Kampfgebiet ein. Verteidigungsminister Gotabhaya Rajapakse sagte in der Hauptstadt Colombo, die Regierung habe zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Grund, sich auf einen Waffenstillstand einzulassen. Vielmehr müsse die LTTE alle festgehaltenen Zivilisten freilassen und bedingungslos die Waffen niederlegen. Die Rebellen ständen kurz vor einer kompletten Niederlage.

UN-Koordinator ruft beide Seiten zu Waffenstillstand auf

UN-Nothilfekoordinator John Holmes bei einer Pressekonferenz in Colombo am 19.02.2009 (Foto: dpa)

UN-Nothilfekoordinator John Holmes fordert ein Ende der Kämpfe

Zuvor hatte bereits der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, John Holmes, die Konfliktparteien zu einer Waffenruhe aufgerufen. Bei einem Treffen mit Regierungsvertretern in Colombo forderte Holmes am Sonntag ein Ende der Kämpfe, damit Hilfsorganisationen die Zivílisten, die im Kampfgebiet an der Nordostküste der Insel festsitzen, versorgen können. Die Rebellen drängte er, die Waffen niederzulegen und die Zivilisten ziehen zu lassen, die sich noch in dem von der LTTE kontrollierten schmalen Küstenstreifen befänden.

Nach Schätzungen der UN flohen bereits mehr als 100.000 Zivilisten aus dem letzten Rückzugsgebiet der LTTE-Kämpfer, weitere 50.000 Zivilisten sind dort aber noch eingeschlossen. Die srilankische Regierung gibt die Zahl der Zivilisten, die im Kampfgebiet festsitzen, dagegen mit ledigleich 15.000 an.

Zivilisten sind auf der Flucht aus dem Kampfgebiet in Sri Lanka (Foto: dpa)

Ihre Dörfer brennen, den Menschen im Konfliktgebiet bleibt nur noch die Flucht

Fast 6500 tote Zivilisten seit Januar

Holmes war am Samstagabend zu einem Besuch in Colombo eingetroffen, um Möglichkeiten zur Unterstützung der tamilischen Zivilisten zu erörtern, die sich noch in dem Gebiet an der Nordostküst aufhalten. Vorgesehen ist laut einem Zeitungsbericht auch ein Besuch von Flüchtlingslagern. Holmes erklärte, die Zivilbevölkerung sei in besonders hohem Ausmaß betroffen, es gebe viele Tote und Verletzte, dazu komme ein Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten. Nach UN-Angaben wurden in den letzten drei Monaten - seit Beginn der Schlussoffensive der Armee gegen die Rebellen im Januar - fast 6500 Zivilpersonen getötet und 14.000 verletzt.

Zivilisten sind auf der Flucht aus dem Kampfgebiet in Sri Lanka (Foto: AP)

Leidtragende des Konflikts sind vor allem die Zivilisten

Beide Konfliktparteien werfen einander vor, auf Zivilisten geschossen zu haben. Seit 25 Jahren kämpfen die LTTE für einen eigenen Tamilenstaat im Norden der Insel Ceylon. In den vergangenen Monaten wurden sie von den Regierungstruppen auf einen kleinen Landstrich zurückgedrängt.

Angesichts der humanitären Katastrophe appellierten auch die Außenminister der G8-Staaten an die Konfliktparteien, weitere Opfer in der Zivilbevölkerung zu vermeiden. "Es ist Zeit, den Konflikt jetzt zu beenden", hieß es in einer Erklärung der acht führenden Industrieländer. Den Rebellen warfen die Minister vor, die Flüchtlinge als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Zur G8-Gruppe gehören die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Kanada, Japan und Russland. (kis/sam/dpa/afp/rtr/ap)

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