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Politik

Tamilen-Rebellen: Sri Lanka tötet Schulmädchen

In Sri Lanka erlöschen die letzten Hoffnungen auf ein Ende der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den tamilischen "Befreiungstigern". Diese bezichtigen Sri Lankas Armee, Schulmädchen bombardiert zu haben.

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Die Gewalt zwischen Sri Lankas Armee und den Rebellen wächst

Bei Luftangriffen der srilankischen Armee sind am Montag (14.8.2006) mehr als 40 Kinder getötet worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf tamilische Angaben. Reuters berichtet von 43 getöteten Schulmädchen sowie von 60 verletzten. DPA beziffert die Zahl der Toten auf "mehr als 50".

Der Angriff habe sich am Montag im Norden der asiatischen Inselrepublik ereignet, teilten die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) mit. "Die srilankische Luftwaffe hat das Gelände eines Waisenhauses bombardiert, als die Mädchen dort gerade einen Kurs in Erster Hilfe hatten", zitiert Reuters einen Sprecher der Rebellen. Aus Militärkreisen verlautete, es seien Luftangriffe im Rebellengebiet geflogen worden. Einzelheiten zu Zielen wurden jedoch nicht bekannt.

Heftige Kämpfe

Auf Sri Lankas nördlicher Halbinsel Jaffna war es in den vergangenen Tagen zu den heftigsten Gefechten seit der Waffenruhe von 2002 gekommen. Die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen hielten auch am Montag an. Am Wochenende hatten die Rebellen Friedensgespräche mit der Regierung strikt ausgeschlossen.

Einen Rückschlag erlitten Bemühungen um ein Ende der Gewalt am Samstag durch den Mord am Vizechef des Friedenssekretariats der Regierung, Kethiswaran Loganathan. Die Regierung und die LTTE hatten die Sekretariate eingerichtet, um Friedensgespräche zu koordinieren. Loganathan hatte die LTTE dafür verantwortlich gemacht, dass die Gespräche seit Jahren auf Eis liegen.

Reihe von Attentaten

Der Anschlag auf Loganathan ist nur eins von einer ganzen Reihe von Attentaten auf prominente Regierungsvertreter, die der LTTE zugeschrieben werden - und nach denen kaum noch jemand glaubt, die Rebellen könnten ernsthaft Frieden wollen. Im August 2005, als die Welt noch hoffte, die Konfliktparteien würden Sri Lanka nach dem Tsunami gemeinsam aus der Katastrophe führen, wurde Außenminister Lakshman Kadirgamar erschossen. Im April 2066 überlebte Armeechef Sarath Fonseka schwer verletzt einen Anschlag. Ende Juni starb Vize-Generalstabschef Parami Kulatunga bei einem Attentat.

Im Juli 2006 schloss die LTTE in der von ihr kontrollierten Region eine Schleuse und schnitt damit tausende Bauern im Regierungsgebiet von dringend benötigtem Wasser ab. Regierung und Armee gingen auf die Provokation ein und nutzten die Gelegenheit, den Rebellen die Demütigungen der vergangenen Monate heimzuzahlen. Die nordische Mission zur Überwachung des Waffenstillstands (SLMM), die das Schließen der Schleuse und die LTTE scharf kritisiert hatte, nannte die schweren Luft- und Bodenangriffe der Armee eine übertrieben heftige Reaktion.

Sri Lanka Flüchtlingslager in Kantale

Leidtragende der Kämpfe sind die zivilen Flüchtlinge

Zehntausende Tote

Die LTTE startete Gegenangriffe auf Ziele im Regierungsgebiet, zog sich nach tagelangen Kämpfen aber wieder hinter die Waffenstillstandslinie zurück. Doch die Armee setzte nach - unter dem Protest der überraschten Rebellen, die die Angriffe plötzlich als Kriegserklärung Colombos werteten. Selbst als die LTTE unter internationalem Druck die Wasserschleuse wieder öffnete, antwortete die Armee mit Artilleriebeschuss - und am Freitag mit einer Ausweitung der Offensive. Die LTTE wurde plötzlich nicht nur im Nordosten, sondern auch im Norden und Osten angegriffen.

Die größten Verlierer des eskalierenden Konflikts stehen bereits jetzt fest - es sind die Zivilisten. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht, Schulen wurden zu improvisierten Flüchtlingslagern umfunktioniert. Im Osten Sri Lankas sollten am Montag die Sommerferien enden, die nun verlängert wurden, weil Vertriebene die Klassenräume belegen. Viele Flüchtlinge haben bei den Kämpfen alles verloren, manche hatten sich nach dem Tsunami gerade erst wieder eine Existenz aufgebaut. Am schlimmsten habe die erneute Vertreibung die Kinder getroffen, sagte Katey Grusovin vom Kinderhilfswerk UNICEF. "Sie haben Dinge gesehen, die kein Kind jemals sehen sollte." (mas)

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