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Ostmitteleuropa

Tallinn - Stadtporträt der estnischen Hauptstadt

Bonn, 25.3.2004, DW-RADIO, Helen Seeney

Tallin ist eine Reise wert. Das können die zahlreichen Touristen bestätigen, die die Hauptstadt von Estland besuchen. Ein Porträt dieser baltischen Hafenstadt von Helen Seeney:

Der Hafen von Tallinn ist der Ort, wo die meisten Besucher ihre ersten Eindrücke von Tallinn sammeln. Hier legen jährlich 10 000 Schiffe an, die zusammen 38 Millionen Tonnen Fracht ausladen - und viele Touristen. Erik Sakkov, Marketing Direktor der Hafenbehörde:

"Der Hafen von Tallinn ist das einzige wirklich Große in unserem kleinen Land. Und er ist der größte Hafen im baltischen Meer. Rund sechs Millionen Passagiere kommen jedes Jahr hier an. Am Flughafen landen jährlich hingegen nur 600 000 Passagiere. Das ist nur ein Zehntel von dem, was wir hier abfertigen. Deshalb ist der Hafen ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig. Es ist ein sehr alter Hafen, mehr als 1000 Jahre alt. Insofern ist es eigentlich nichts Ungewöhnliches mit der Fähre nach Tallinn zu kommen."

Wie es im Mittelalter war, im Hafen anzulegen, davon bekommen Besucher im Stadtmuseum einen Einblick. Hier wird der Reichtum des mittelalterlichen Lebens mehrerer Jahrhunderte gezeigt. Vom 13. Jahrhundert an blühte der Handel. Damals war Tallinn Mitglied der Hanse, die von wohlhabenden deutschen Kaufleuten und Adeligen gegründet und betrieben wurde. Für viele Jahrhunderte kontrollierte die Hanse den Handel rund um das Baltikum und die Nordsee. Deswegen hatte die Stadt lange Zeit zwei Namen. Neben Tallinn war sie auch unter dem deutschen Name Reval bekannt. Erst 1918, als Estland als unabhängiger Staat gegründet wurde, wurde der Name nicht mehr weiter gebraucht. Maruta Varrak, Direktorin des Stadtmuseums von Tallinn:

"Ich denke, dass wir den Fehler gemacht haben, diese hanseatische Kultur nicht zu pflegen. Wir haben die Verbindung zur deutschen Kultur nicht aufrechterhalten. Dabei ist der Einfluss der deutschen Kultur bei uns sehr groß, die Beziehungen sind ja schon im Mittelalter entstanden. Wir haben eine sehr reiche Kultur und das hängt auch mit der engen Verbindung zu Deutschland zusammen."

In Tallinn ist noch viel aus dem Mittelalter erhalten und die Bewohner pflegen diese Kultur. In der Altstadt gibt es beispielsweise das Restaurant "Olde Hansa", das ganz im mittelalterlichen Stil geführt wird: mit mittelalterlichen Speisen und Getränken. Die Bedienung trägt mittelalterliche Gewänder und auch die Einrichtung ist mittelalterlich. Restaurantbetreiber Auri Hakomaas Leidenschaft für Tallinns Vergangenheit geht weit über kommerzielle Interessen hinaus:

"Wir haben einen Chor, der manchmal für die Gäste singt. Dann haben wir eine mittelalterliche Schule für junge Leute, wo sie zum Beispiel die Kunst des Schwertkampfes erlernen oder die mittelalterliche Art und Weise zu kochen. Und wir haben die mittelalterliche Zunft, die vor allem aus den Mitarbeitern der Olde Hansa besteht. Sie müssen bei uns Prüfungen ablegen, um Meister zu werden. Und da befolgen wir die Regeln der mittelalterlichen Zunft sehr genau."

In der Altstadt von Tallinn sind noch viele historische Gebäude erhalten - daher wurde sie zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt. Die Altstadt lässt sich in zwei Teile gliedern: Auf dem höher gelegenen Teil ist die Oberstadt oder auch Toompea genannt.

(Tour Guide) "Wenn sie nach dort schauen, können Sie ein altes, gelbes Haus sehen, das wahrscheinlich das älteste Wohnhaus hier in der Oberstadt ist. Wir wissen das, weil es den letzten großen Brand überstanden hat. Es stand sehr nahe an der Kirchenmauer. Das Innere der Kirche wurde zwar zerstört, aber die Mauer blieb stehen und schützte das Haus vor den Flammen. Uns ist nicht bekannt, dass auch noch andere Häuser das Feuer überstanden haben."

Die großen Villen und Parks gehörten einst Adel und Klerus. Heute ist hier der Sitz des estnischen Parlaments. Man hat hier von verschiedenen Aussichtspunkten aus eine gute Sicht auf die Bucht und den Hafen von Tallinn.

(Tour Guide) "Wir kommen nun in die Unterstadt, die im letzten Krieg zum Teil zerstört wurde. Zehn Prozent wurden vernichtet, insgesamt vier Hektar. Das meiste davon um die Nikolas-Kirche herum. Wenn Sie dort hinüber schauen, sehen Sie Häuser aus den 1960er Jahren. Wenn Sie auf die andere Seite der Kirche schauen, sehen Sie nur Ruinen. Die Kirche selbst wurde auch zerstört. Nur die Mauern sind erhalten geblieben. Polnische Restaurateure haben das Gebäude wieder aufgebaut. Als sie vor 20 Jahren ihre Arbeit abschlossen, wurde die Kirche in ein mittelalterliches Kirchenmuseum und eine Konzerthalle umgewandelt."

Die Unterstadt ist bekannt als Vanalinn, wo die Kaufleute ihre Wohnungen und Warenlager hatten. Sie ist umgeben von großen Teilen ihrer mittelalterlichen Mauer in einer Länge von rund zwei ein halb Kilometern. Pikk, oder die Lange Straße, war einst die Hauptverkehrsader des Handels in Tallinn. Heute ist hier eine der exklusivsten Adressen der Stadt: das Schlössle Hotel. Das Gebäude diente ursprünglich als Warenlager und wurde sehr edel saniert. Hauptgeschäftsführer Peter Knoll: Tallinn gilt als die mittelalterliche Hauptstadt des Nordens." (TS)

  • Datum 25.03.2004
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