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Projekt Zukunft

Talk: Was kann man gegen das Problem Weltraumschrott tun?

Ein Gespräch mit Dr. Manuel Metz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Video ansehen 03:54

DW: Herr Metz, ist es tatsächlich schon so weit, dass wir eine Müllabfuhr im All brauchen? Wie groß ist denn das Risiko, dass ein Satellit getroffen wird?

Manuel Metz: Es sieht so aus: Wir haben derzeit etwa 29.000 Objekte im Orbit, die größer als 10 cm sind, etwa 750.000 Objekte größer als 1 cm, und es gibt 150.000.000 Objekte im Orbit, die größer sind als 1 mm – sie alle gefährden die Satelliten, wenn sie mit ihnen kollidieren. Objekte ab etwa 1 cm Größe können einen Satelliten zerstören.

Wo kommt dieser ganze Müll eigentlich her?

Der Müll ist aus den Raumfahrtaktivitäten entstanden. Satelliten, die irgendwann abgeschaltet werden, verbleiben im Orbit. Einige Satelliten sind explodiert, vor allem Raketenoberstufen. Und es gab auch schon Kollisionen, aus denen dann diese Trümmerteile entstanden sind.

Mit jeder Kollision entstehen natürlich noch mehr Trümmerteile. Das heißt, die Gefahr wächst exponentiell?


Das ist das Problem. Die Gefahr besteht, dass jetzt ein Kaskadeneffekt einsetzt. Objekte kollidieren untereinander und erzeugen immer mehr Trümmerteile.


Kann man einen Satelliten bei einer solchen Kollision überhaupt schützen?


Das ist schwer. Man kann Satelliten gegen kleine Teile schützen. Aber bereits dort sind die Energien ziemlich groß. Bei einem Test auf der Erde wurde ein massiver Alublock mit einem stecknadelkopf-großen Plastikteil beschossen – mit einer Geschwindigkeit von etwa 25.000 km/h. Dabei ist ein etwa fingerkuppen-großes Loch entstanden.

Nun entwickeln Sie mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt auch ein System, um Trümmerteile oder ausgediente Satelliten wieder einzufangen. Was ist das für ein System?


Bei dieser Mission, DEOS (Deutsche Orbitale Servicing Mission) haben wir einen Satelliten mit einem Roboterarm ausgestattet. Dieser Roboterarm soll einen taumelnden Satelliten im Orbit einfangen.Dann wird der Satellit angedockt an unseren Servicer und kann zum Schluss - das ist das letzte geplante Manöver – gezielt wieder in die Erdatmosphäre eintreten, um zu verglühen.


Aber das bedeutet ja, Sie bräuchten für jeden Satelliten, den Sie dort runterholen wollen, auch ein eigenes DEOS-System. Das wird ziemlich teuer, oder?


Das stimmt. Wenn man damit nur Satelliten herunterholen würde, wäre das sehr teuer. DEOS hat aber noch ein anderes, maßgebliches Ziel. Wir wollen mit diesem System zeigen, dass man Satelliten im Orbit warten und reparieren kann, beispielsweise wiederbetanken.


Die Schwierigkeit scheint zu sein, diese ausgedienten Satelliten tatsächlich zu greifen. Wie wird das DEOS machen?


Bei DEOS wird das mit dem Roboterarm geschehen. Man wird dort eine Struktur greifen und dann mit diesem Roboterarm auch die Bewegung des Satelliten ausgleichen. Man muss aber im Vorhinein diesen Satelliten auch sicher anfliegen können. Man muss sicherstellen, dass dort keine Kollisionsgefahr droht. Und man muss auch die Lage des Ziel-Satelliten genau erfassen können.


Kann man eigentlich sicherstellen, dass nichts mehr auf der Erde ankommt, dass alles verglüht? Wir wissen bei ROSAT muss noch ein riesiger Brocken heruntergekommen sein.


Wir wissen nicht genau, was da bei ROSAT heruntergekommen ist. In dem Fall wird das Manöver so ausgeführt, dass wir einen kontrollierten Wiedereintritt über unbesiedeltem Gebiet durchführen. Typischerweise passiert das dann im Pazifik oder im Atlantik.

(Interview: Ingolf Baur)