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Projekt Zukunft

Talk: Sprachentwicklung - Wie und wann lernen wir sprechen?

Darüber reden wir mit Prof. Dr. Angela D. Friederici, vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, in Leipzig. Sie fand heraus: Babys lernen Sprache ab der Geburt. Sie schreien sogar schon in der Intonation ihrer Muttersprache.

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DW: Babys denken schon mit vier Monaten in so etwas wie Kategorien. Das ist viel früher als bisher angenommen. Wie früh beginnt das Sprachelernen?

Angela Friederici: Sprache erlernen passiert eigentlich noch früher. Schon im Uterus hat ein Kind hat ein voll ausgebildetes, auditorisches System und kann natürlich sprachliche Informationen wahrnehmen.

Also beginnt Sprache lernen schon im Mutterleib.

So kann man das sagen. Es ist natürlich nicht die volle Sprache, denn die Information, die dort ankommt, ist quasi gefiltert. Man hört nur die Sprachmelodie. Mehr nicht.

Wie können Sie das messen was die Babys lernen? Wie funktioniert so ein Experiment?

Wenn man Kindern ein bis zwei Tage nach der Geburt verschiedene Sprachen vorspielt, kann man schon zeigen, dass sie diese unterscheiden können. Das Experiment ist schon sehr alt, und wurde schon in den 90ern veröffentlicht. Man lässt Kinder einen Nuckel in den Mund nehmen und daran versuchen sie zu ziehen, in dem Moment, wo sie neue Informationen bekommen. Wenn man nun eine bekannte Sprache präsentiert, geht die Nuckelrate nach unten, weil nichts Neues passiert.

Bei der bekannten Muttersprache geht die Nuckelrate nach unten und bei der unbekannten…

…geht sie dann wieder nach oben.

Sie haben eine andere Untersuchungsmethode benutzt. Sie haben 4 Monate alten Babys eine Mütze mit Elektroden aufgesetzt und die Hirnströme gemessen. Was haben Sie da herausgefunden?

Vier Monate alte Babys können in der Tat schon sehr viel lernen. Sie können z.B. Wörter lernen. Man kann ihnen ein unbekanntes Objekt zeigen und präsentiert gleichzeitig dazu einen neuen Namen. Wenn man das vier Mal hintereinander tut, kann man an diesen Hirnströmen sehen, dass sie den richtigen Namen dem richtigen Objekt zuordnen können.

Das heißt, sie lernen erstaunlich schnell.

Sie lernen erstaunlich schnell. Allerdings ist dieses Wissen noch kein Wissen, was sich dann lange etabliert. Wenn man die Hirnströme am nächsten Tag noch einmal misst, ist dieses Wissen schon ein bisschen verloren gegangen. Sie lernen dann zwar schneller die neue oder alte Kombination. Aber das, was sie nach den vier Präsentationen am Tag vorher gezeigt haben, ist leider nicht mehr zu sehen.

Aber sie lernen, einen Namen einem Begriff zuzuordnen allein durch das bloße Zuhören. Also lernen sie sehr intuitiv. Ist das der Grund, warum sie so viel schneller lernen als Erwachsene?

Ich nehme an, dass das in der Tat der Fall ist. Kinder lernen assoziativ. Sie haben ja bisher sonst wenige Informationen bekommen. Wir als Erwachsene haben natürlich unser ganzes Weltwissen, welches wir immer noch mitschleifen, wenn es darum geht, neue Dinge zu lernen. Das kann manchmal hinderlich sein, aber natürlich ist es häufig auch eher förderlich.

Was würden Sie Eltern raten? Wie können sie die Sprachentwicklung der Kinder fördern?

Eltern sollten auf jeden Fall mit dem Kind kommunizieren. Das ist ganz wichtig. Das Kind ist nicht auf die Welt gekommen, um Sprachen zu lernen, sondern um zu kommunizieren.

(Interview: Maria Grunwald)