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Projekt Zukunft

Talk: Restaurieren als Wissenschaft

Warum Museen und Bibliotheken auf den Einsatz von HighTech-Methoden angewiesen sind, dazu ein Gespräch mit Dr. Stefan Simon, Leiter des Rathgen-Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin

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DW:
Herr Simon, was halten Sie von der Restaurierungs-Methode, mit der die Bücher der Anna-Amalia Bibliothek nach dem verheerenden Brand wieder hergestellt wurden?

Stefan Simon:
Das zeigt, wie aufwendig es tatsächlich ist, wenn ein Notfall eingetreten ist, Kunst und Kulturgut zu retten. Das ist ein Unternehmen, das sehr viel Geld kostet und sehr viele Jahre dauert.

Sie selbst erforschen viele verschiedene Konservierungsmethoden. Sie arbeiten auch mit sehr viel High-Tech. Was sind denn die wesentlichen Probleme mit denen Sie kämpfen müssen, z.B. bei alten Gemälden?

Ein ausgewähltes Problem ist zum Beispiel das Ausbleichen von Farben. Gerade Ende des 19. Jahrhunderts sind immer mehr Industriefarbstoffe auf den Markt gekommen, nicht so stabil wie die anorganischen Elemente, die man Jahrhunderte lang verwendet hat. Diese verändern sich langsam unter dem Einfluss von Licht und Feuchte. Wir haben ein Untersuchungsverfahren bei uns im Labor aufgebaut, wo man das Ausbleichen von Farbstoffen quantitativ erfassen kann. Damit kann man den Museumsdirektoren auch Hinweise geben, unter welchen Bedingungen wie lange die Objekte halten ohne sich signifikant zu verändern.

Wie funktioniert das, wie muss ich mir das vorstellen?

Da wird in sehr kleinen Flächen mit sehr hoher Intensität bestrahlt und die Farbveränderung quantitativ gemessen. Wir betrachten das als zerstörungsfrei, weil Sie mit dem bloßen Auge diese Veränderungen nicht sehen können. Und je nach dem wie schnell diese Veränderung bei hohen Beleuchtungsstärken eintritt, können Sie dann sagen, das hält bei der musealen Exposition bei 200 Lux z.B. 10, 20 oder 30 Jahre ohne sich signifikant zu verändern. Das ist ein ganz wichtiger Hinweis für die Museumsdirektoren.

Jetzt könnte ich mir vorstellen die Reinigung von teuren Kunstobjekten ist ja sicherlich auch ein Problem. Wie gehen Sie da vor?

Auch da gibt es verschiedene Verfahren und es werden ständig neue Technologien entwickelt. Im Moment laufen sehr viele Forschungsmittel auf dem Sektor Plasmareinigung. Man kann das noch nicht endgültig abschätzen, wie erfolgreich das sein wird. Aber es ist sicherlich eine neue Technologie, die auch erforscht und getestet werden muss.

Und wie sieht das aus?

Plasma ist der sogenannte 4. Aggregatzustand, wie man das so schön in der Physik sagt. Das ist ein Gas, in dem freie Elektronen und Ionen getrennt sind, mit sehr hohen Temperaturen und sehr speziellen Eigenschaften. Dies dient zum Teil dem Desinfizieren von schimmelbelasteten Papieroberflächen, aber auch zum Auftragen von Festigungsmittel, oder auch zum Reinigen.

Und diese Plasma, mit dem man dann reinigt steckt in einem Gerät, in einer Art Schweißbrenner?

Ja, dieses Plasma sieht man als Leuchten. Das ist ganz typisch.

Ihr Museumslabor ist das älteste der Welt. Welche Rolle spielt es denn international?

International sind wir natürlich eng vernetzt mit unseren Partnereinrichtungen in London, in New York, aber auch in China und am Golf. Man kann heutzutage nur erfolgreich arbeiten, wenn man sich wirklich mit allen Partnern vernetzt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht Kollegen z.B. in Tokyo oder in Los Angeles fragt, wie macht ihr das denn mit den LED-Systemen. Man ist ständig in Kontakt.

(Interview: Maria Grünwald)