1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Talk-Legende Larry King geht in Rente

Nach 25 Jahren hat Larry King seine berühmte Talkshow bei CNN aufgegeben. Verabschiedet wurde er bei seiner letzten Sendung gleich von zwei US-Präsidenten. Ganz aufhören will die Talk-Legende aber noch nicht.

Larry King während seiner Sendung „Larry King Live“ in den CNN-Studios in Los Angeles. (Archivfoto: ap)

Eine dicke schwarze Brille, Hosenträger und ein altes silbernes Mikrofon sind sein Markenzeichen: Talk-Legende Larry King

"Guten Abend und willkommen zur letzten Larry King Live-Show", sagte der Mann, dessen Markenzeichen eine dicke schwarze Brille, Hosenträger und ein altes silbernes Mikrofon waren. "Es ist schwer, das zu sagen. Ich wusste, dass dieser Tag kommt. Diese Worte fallen mir nicht leicht", gestand Larry King zu Beginn der letzten Ausgabe seiner Sendung am Donnerstag (16.12.2010).

Bei Prominenten und Zuschauern beliebt

Zur Abschiedssendung trat noch einmal eine Reihe großkalibriger Prominenz an, um dem wahrscheinlich erfolgreichsten Talkmoderator der Welt die gebührende Ehre zu erweisen. US-Präsident Barack Obama erklärte King per Videoschaltung "zum Giganten der Fernsehgeschichte". Altpräsident Bill Clinton riet ihm, auch im Ruhestand weiter aktiv zu bleiben: "Wir müssen weiter arbeiten, das hält uns fern vom Grab". Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger proklamierte den Tag der letzten Sendung sogar zum offiziellen Larry-King-Tag in seinem Staat.

King blieb auch am letzten Abend seinem direkten, aber freundlichen Interviewstil treu. Der unaufgeregte Stil kam bei seinen Zuschauern schon immer gut an. Seine Kritiker hingegen hatten ihm vorgeworfen, manchmal unvorbereitet zu sein und zu nachsichtig mit seinen Gästen umzugehen. Bei den Prominenten war die Talk-Legende allerdings beliebt. Kein anderer hatte so viele und so unterschiedliche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur in seiner Sendung. Wer der Nation etwas zu sagen hatte, tat dies in seiner Show zur Hauptsendezeit.

Starker Quotenrückgang

Fußgänger betretetn das CNN-Hauptquartier in Atlanta. (Foto: ap)

Auch Larry Kings Sender CNN leidet unter starken Quotenrückgängen

Als King noch Quotenkönig war, zog seine Talkshow allabendlich Millionen von Zuschauern vor den Fernseher. Diese Zeiten sind jedoch schon lange vorbei. Zuletzt schauten in den USA durchschnittlich nur noch rund 725.000 Menschen zu, 40 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. King selbst beklagte sich über die extreme Boulevardisierung des Nachrichtengeschäfts in den USA. Promi-Auftritte, Seitensprünge und Mordfälle dominieren die Sendungen. "Man kann schlecht argumentieren, dass das große Nachrichten sind, aber so etwas gilt heute eben als Nachricht". So sei das Geschäft eben.

So oder ähnlich scheint es auch CNN zu sehen. Der Sender will Kings Sendeplatz ausgerechnet mit Piers Morgan retten. Der polarisierende Engländer, der ab dem 17. Januar wieder für Quoten sorgen soll, ist so etwas wie ein Wunderkind der britischen Boulevardpresse. Seine Sendung soll "Piers Morgan Tonight" heißen.

CNN hat selbst seine frühere Dominanz im Nachrichtengeschäft verloren. Wegen der zunehmenden politischen Polarisierung in den USA sind viele amerikanische Zuschauer zu politisch geprägten Kabelprogrammen abgewandert. Von der Tendenz stark profitiert hat insbesondere Rupert Murdochs Fox News mit seinen aggressiv ideologischen Talk-Sendungen.

Schon vor CNN eine Berühmtheit

Jordaniens König Abdullah II. während eines Interviews in der CNN-Sendung „Larry King Live“ in Los Angeles. (Archivfoto)

Wer der amerikanischen Nation etwas zu sagen hatte, tat dies in Larry Kings Sendung. Hier Jordaniens König Abdullah II.

Geboren wurde King 1933 als Lawrence Harvey Zeiger im New Yorker Stadtteil Brooklyn . Sein Vater, ein jüdischer Einwanderer, starb, als der Sohn neun Jahre alt war. Die Mutter musste fortan als Näherin den Lebensunterhalt der dreiköpfigen Familie alleine bestreiten. Mit 22 zog der junge Zeiger nach Florida. Weil sein bürgerlicher Name zu kompliziert war, änderte er ihn auf Anraten eines Radiomanagers in Larry King. Inspiriert hatte ihn dabei angeblich eine Alkoholreklame.

Seine erste Radiosendung hatte King in Miami Beach. Von 1978 bis 1984 moderierte er im Rundfunk die "Larry King Show". Die machte ihn so bekannt, dass ihn der junge Kabelsender CNN 1985 abwarb und der neuen Talkshow einfach seinen Namen gab: "Larry King Live".

Erster großer Talkstar

Auch wenn Kings Einschaltquoten zuletzt eingebrochen waren, abtreten kann er als erster großer Talkstar im US-Kabelfernsehen. Über ein halbes Jahrhundert lang saß er hinterm Mikrofon, mehr als 40.000 Interviews hat er geführt. Seine CNN-Talkshow hat Fernsehgeschichte geschrieben: keine andere Sendung lief so lange auf einem Sendeplatz, beinahe täglich und weltweit. "Als ich vor 25 Jahren mit dieser Show anfing, hätte ich nie gedacht, wohin das führen würde", sagte er zum Abschied. Er werde aber weiterhin Radiosendungen machen und ab und zu auf den Bildschirm zurückkehren. "Ich gehe nicht weg, das hier ist keine Beerdigung". Am Ende der einstündigen Sendung saß King allein im Studio und bedankte sich bei seinen Mitarbeitern und Zuschauern mit einem "auf bald!"

Autor: Bachir Amroune (afp, dapd, dpa)
Redaktion: Herbert Peckmann