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Projekt Zukunft

Talk: Der Pflegeroboter als Haushaltsgerät

Studiogespräch mit Birgid Eberhardt, Medizininformatikerin vom Verband der Elektrotechnik (VDE) zum Thema wissenschaftliche Herausforderungen des Demografischen Wandels.

Video ansehen 03:35

DW:
Frau Eberhardt, in Deutschland haben wir eine zunehmend älter werdende Bevölkerung. Inwieweit ist das denn ein Problem?

Birgid Eberhardt:
Nur von einem Problem zu reden greift natürlich viel zu kurz. Unsere Gesellschaft verändert sich. Wir haben einerseits mehr Ältere, die aber auch sehr viel agiler, viel gesünder sind, und viele Ressourcen übrig haben. Das heißt, die können sich auch einbringen. Auf der anderen Seite ist es natürlich gut, wenn sich die Bedienung von Geräten, z.B. von Fahrkartenautomaten, und viele andere Prozesse darauf einstellen, dass ein Drittel der Bevölkerung über 65 ist - oder die Hälfte der Bevölkerung über 50.

Das heißt, wir müssen im Vergleich zu anderen Ländern mit einer jüngeren Bevölkerungsstruktur gar keine Nachteile haben.

Wir haben die Chance uns darauf einzustellen. Und viele Menschen in vielen verschiedenen Bereichen arbeiten daran. Ein Puzzelstein ist die Technik, aber es geht auch um das Ehrenamt und ähnliche Dinge. Wie gesagt, das ist eine Chance und wir haben auch Zeit zu gestalten. Das ist der große Vorteil im Moment.

Sie untersuchen gerade wie neue Technik, z.B. wie Service-Roboter unseren Alltag beeinflussen. Der Roboter könnte zukünftig der Freund der Senioren werden. Sehen Sie das auch so?

Wenn man heute Menschen befragt, wie sie zur Robotik stehen, dann erfährt man, dass sie keine Erfahrungen damit haben. Das Bild der Robotik ist geprägt durch Comics, durch Filme und ähnliches. Aber wenn man betont, was für einen Nutzen sie davon haben können, dann ist die Ablehnung nicht sehr groß. Sie haben nur bestimmte Vorstellungen. Der Roboter soll sie nicht dominieren, sondern ein stiller Diener sein und ihnen wirklich nutzen, ihnen helfen. Dann kann man sich das schon irgendwann vorstellen - ich sag mal – als Weiterführung einer intelligenten Waschmaschine, einfach in dieser Tradition der Nutzung von Geräten.

Sie haben gerade von der Akzeptanz der Technik gesprochen. Welche Technik wird denn gar nicht angenommen. Sie haben da ja Erfahrungswerte?

Wo Menschen wirklich zurückzucken ist, wenn sie das Gefühlt haben bewacht zu werden. Preiszugeben, wann man was im Einzelnen macht - das möchte niemand.

Aber ist das bei einem Roboter nicht auch so? Der überwacht einen ja irgendwie auch.

Ja, wenn er den ganzen Tag um einen herum wäre. Aber nehmen wir das Beispiel von einem Roboter, der nur explizit dann kommt, wenn ein Sturz passiert ist. Gerade Menschen, die einmal gestürzt sind, nehmen relativ viel in Kauf, um diese Erfahrung nicht wieder machen zu müssen. Solch eine mobile Einheit, die schnell hilft, die wird von den Menschen akzeptiert und gemocht.

Gibt es denn Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Wer akzeptiert mehr, wer akzeptiert weniger Technik im Alltag?

Das lässt sich ganz generell so nicht beantworten. Frauen haben sehr viel Erfahrungen im Umgang mit Haushaltsgeräten. Männer scheinen technikaffiner zu sein, weil sie damit eher beruflich zu tun haben. Aber das ändert sich. Es gibt eine Studie aus dem Jahr 2008, die an einigen Beispielen untersucht hat, wie die Akzeptanz sein könnte, wenn es darum geht die Wohnung verlassen zu müssen. Und da war es durchaus so, dass mehr Frauen sich vorstellen konnten, mit Hilfe von Technik zu Hause zu bleiben. Während Männer in dem Fall, in dieser Befragung eher dazu tendierten ins betreute Wohnen zu gehen oder mit der Familie zusammen zu leben.

Also waren die Seniorinnen ein klein bißchen selbständiger. Danke für dieses Gespräch.

(Interview: Maria Grunwald)