1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Talibananschlag überschattet Merkels US-Reise

Eigentlich wollte Angela Merkel in Kalifornien Forschungsprojekte bestaunen, dann kam die Nachricht von den getöteten Soldaten in Aghanistan. Die Kanzlerin stellte klar: Es gebe keine Alternative zum Afghanistan-Einsatz.

Angela Merkel in Kalifornien (Foto: AP)

Der Tag sollte ganz der Forschung und Wissenschaft gewidmet sein, doch die Realität des Krieges in Afghanistan hatte Angela Merkel im fernen Kalifornien eingeholt. Die ganz in Schwarz gekleidete Bundeskanzlerin gedachte gemeinsam mit Studenten und Professoren der renommierten Stanford Universität in einer Schweigeminute der vier gefallenen Soldaten. Sie respektiere es, erklärte die Bundeskanzlerin, dass viele Menschen in den USA und Deutschland daran zweifelten, ob der Einsatz in Afghanistan notwendig und richtig sei. "Aber ich will auch hinzufügen, dass ich ganz bewusst hinter diesem Einsatz, hinter unserem gemeinsamen Einsatz in Afghanistan stehe, damit das Land stabilisiert wird, bis es selbst für seine Sicherheit sorgen kann."

Gefallene Bundeswehr-Soldaten (Foto: dpa)

Erst vor zwei Wochen, waren drei Soldaten in Afghanistan gefallen

In ihrer gut halbstündigen Rede in Stanford, für die sie viel Applaus bekam, warb die Kanzlerin für die Stärkung der Forschung und führte den Krieg in Afghanistan als Beispiel an. Es habe zu lange gedauert, bis die internationale Staatengemeinschaft erkannt habe, dass mit militärischen Mitteln allein dieser asymmetrische Konflikt nicht zu lösen sei. "Wir müssen mehr wissen über Länder und Kulturen wie Afghanistan." Zum Beispiel über die Wechselbeziehung von Ethnien, von Stämmen und Religionen, so Merkel. Auch über die Sorgen der Menschen, die Wurzeln von Gewaltbereitschaft, sei zu wenig bekannt.

Ein wichtiges Laboratorium

Neben der Sicherheitspolitik nannte Merkel auch die Finanz- und Klimapolitik als Bereiche, in denen sich Staaten gemeinsam den aktuellen Herausforderungen stellen müssten. Die Bundeskanzlerin bezeichnete die Gegend um San Francisco als eines der "wichtigsten Laboratorien für die globale Zukunft". Wichtige Faktoren seien die enge Kooperation zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen sowie die gute Infrastruktur der Gegend.

Merkel hatte sich unter anderem am Vormittag in der Universität Berkeley das stärkste Elektronenmikroskop der Welt angesehen. Forscher wie Christian Kisielowski arbeiten hier mit Wissenschaftlern aus andern Ländern an einer Methode, mit der Kohlendioxid wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden soll. Das soll mit Hilfe einer künstlich erzeugten Photosynthese geschehen, die den Prozess wie er in Pflanzen abläuft, imitiert. Das Mikroskop dient zum Studium einzelner Atome um den Mechanismus zu entschlüsseln. "Solche Mikroskope sind die einzigen wissenschaftlichen Geräte, die sehen können, was an so Oberflächen mit einzelnen Atomen passiert, wie die Natur das macht."

"Amerikaner sind risikofreudiger"

Angela Merkel (Foto: AP)

Die Kanzlerin schaute bei einigen Firmen in Silicon Valley vorbei

Merkel, die sich auch mit Unternehmern und Geschäftsführern von in Silicon Valley ansässigen Firmen getroffen hatte, wies noch auf einen anderen wesentlichen Unterschied zwischen den USA und Deutschland hin. In Amerika sei man bei Investitionen in vielversprechende Konzepte wesentlich risikofreudiger. "Es ist in Deutschland noch sehr viel auf sicheren Erfolg getrimmt, und damit schaffen wir es oft nicht, alle Chancen, die wir vielleicht hätten, auch zu nutzen."

Es habe sie beeindruckt, wie große Firmen wie der Firmensoftwarekonzern SAP oder der Pharmakonzern BAYER mit kleinen Startup-Unternehmen zusammenarbeiten. "Was in Deutschland noch verbessert werden müsste, das ist der gesamte Bereich des Venture-Kapitals. Die Bereitschaft von Menschen, die Kapital haben in solche Innovativen Felder zu investieren, muss gestärkt werden."

Zum Abschluss ihres Besuches in Kalifornien weihte die Kanzlerin ein Labor in der Stanford Universität ein, das der Autobauer Volkswagen finanziert hat. Ein Beispiel für die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Dort sollen die Studentinnen und Studenten erforschen, wie Autos sicherer und umweltschonender werden können.

Autor: Christina Bergmann

Redaktion: Manfred Götzke