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Afghanistan

Taliban weiten Kontrolle in Afghanistan aus

Die Taliban versuchen an vielen Fronten in Afghanistan, Bezirke zu erobern. Jetzt haben sie zwei weitere Bezirkszentren besetzt. Damit kontrollieren sie einen strategisch wichtigen Korridor.

Afghanistan Taliban (Getty Images/AFP/J. Tanveer)

Taliban-Kämpfer auf dem Vormarsch (Archivbild)

Nach tagelangen Kämpfen in der zentralafghanischen Provinz Ghor fiel das Zentrum des Bezirks Taiwara am Sonntagmorgen an die Aufständischen. Es seien mindestens 70 Menschen getötet und rund 30 verletzt worden, sagte Mohammed Madavi, ein Mitglied des Provinzrats. Die meisten seien Mitglieder der sogenannten Lokalen Polizei gewesen, einer von der Regierung und internationalen Gebern bezahlten Heimatmiliz. Obgleich auch die Taliban Verluste erlitten hätten, "blieb uns nur der Rückzug", erklärte Provinzpolizeichef Mohammed Mustafa Moseni. Seine Männer warteten jetzt in einigen Kilometern Entfernung auf Verstärkung, um zum Gegenangriff überzugehen.

Auch in der nordafghanischen Provinz Fariab ist ein Bezirk an die Islamisten gefallen. Fariab gehört zu den am schwersten umkämpften Provinzen. Die Extremisten hätten dort am späten Samstagabend das Zentrum von Kohistan angegriffen und es am Sonntagmorgen erobert, so Provinzsprecher Dschaved Bedar. Unklar blieb, wie viele Sicherheitskräfte und Taliban dabei ums Leben kamen.

Karte Afghanistan Provinz Ghor Deutsch (DW)

Die Provinz Ghor in Zentralafghanistan

Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid bestätigte auf Twitter die Eroberung der Distriktzentren von Taiwara und Kohistan und erklärte, seine Kämpfer hätten viele Sicherheitskräfte getötet und große Mengen an Waffen erbeutet.

Tauziehen mit Sicherheitskräften

Die beiden Provinzen Ghor und Fariab, in denen die eroberten Bezirke liegen, grenzen aneinander. Der Taiwara-Bezirk in Ghor liegt direkt an den umkämpften Provinzen Farah und Helmand im Süden. Die Eroberung öffnet den Taliban einen Korridor, der Bewegungsfreiheit zwischen Westen und Norden gewährt.

In den vergangenen Tagen haben die Radikalislamisten etliche Male auch im Norden Afghanistans angegriffen, in den Provinzen Badachschan, Kundus und Baghlan. Es gelang ihnen, vorübergehend eine zentrale Verbindungsstraße zwischen dem Norden und der Hauptstadt Kabul zu blockieren. Anschläge und Kämpfe gab es auch im Süden in Kandahar und Helmand.

Die Taliban erhöhen so den Druck auf Regierungstruppen und Polizei im ganzen Land. Sie wollen in diesem Jahr so viele Bezirkszentren wie möglich unter ihre Kontrolle bringen. Das führt zu einem Tauziehen mit den Sicherheitskräften, die viele Bezirkshauptstädte über kurz oder lang wieder zurückerobern. Dennoch dehnt sich die Kontrolle der Taliban schleichend weiter aus. Nach Angaben des US-Militärs sind rund elf Prozent des Landes in ihrer Gewalt oder von ihnen beeinflusst.

hin/fab (dpa, AP)

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