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Politik

Taliban töten Vizechef des Geheimdienstes

Knapp zwei Wochen nach der Präsidentenwahl in Afghanistan demonstrierten die radikal-islamischen Taliban ihre Schlagkraft. Der stellvertretende Geheimdienstchef wurde bei einem Anschlag getötet.

US-Soldat nach dem Anschlag am Tatort (Foto: AP)

Ein US-Soldat sichert nach dem Anschlag den Tatort

Bei dem Selbstmordattentat in Methar Lam, der Hauptstadt der Provinz Laghman im Osten Afghanistans, wurden am Mittwoch (02.09.2009) insgesamt mindestens 23 Menschen getötet.

Auch hochrangige Politiker getötet

Das Präsidialamt in Kabul teilte mit, bei dem Anschlag seinem neben dem Vizechef des afghanischen Geheimdienstes NDS (National Directorate of Security), Abdullah Laghmani, der Vorsitzende des Provinzrates, der Chef des Gouverneursbüros und der Vorsitzende des Gelehrtenrates getötet worden. Unter den weiteren Opfern seien auch Frauen und Kinder. Durch die Explosion seien zudem 36 Menschen verletzt worden, hieß es weiter. Laghmani und die anderen Politiker hatten in Methar Lam eine Moschee besucht.

Taliban in Afghanistan (Foto: dpa/Archiv)

Kämpfer der Taliban (Archibild)

Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban. Es ist der bislang schwerste Schlag der Aufständischen gegen den afghanischen Geheimdienst, der nach eigenen Angaben in der Vergangenheit etliche Aktionen der Rebellen verhindert hat.

Präsident verurteilt Anschlag

Präsident Hamid Karsai verurteilte den Anschlag und erklärte: "Wenn die Feinde Afghanistans die Absicht haben, dieses Land dadurch zu zerstören, dass sie hart arbeitende und patriotische Menschen töten, dann sollten sie wissen, dass sie ihr bösartiges Ziel nicht erreichen werden."

Die Gewalt in Afghanistan ist in diesem Jahr auf den höchsten Stand seit dem Sturz der Taliban durch US-geführte Truppen im Jahr 2001 gestiegen. Die Lage hatte sich im Zuge der Präsidentenwahlen im August weiter verschärft.

Karsai baut Vorsprung aus

Wahlkampf von Karsai in Kabul (Foto: AP)

Wahlplakat von Präsident Karsai in Kabul

Das Endergebnis der Abstimmung liegt noch nicht vor. Nach einem neuen, am Mittwoch veröffentlichten Zwischenergebnis auf der Basis der Auszählung von 60 Prozent der Wahllokale hat Amtsinhaber Karsai seinen Vorsprung ausgebaut. Er liegt jetzt bei 47,3 Prozent und nähert sich damit weiter der für einen Sieg im ersten Wahlgang nötigen 50-Prozent-Marke.

Wie die Wahlkommission weiter mitteilte, kommt Karsais wichtigster Kontrahent, Ex-Außenminister Abdullah Abdullah, auf 32,6 Prozent. Die Wahl ist zunehmend umstritten, weil immer mehr Manipulationsvorwürfe gegen das Karsai-Lager laut werden. Die nächsten Teilergebnisse kündigte die Wahlkommission für Samstag an. Wann ein Endergebniss vorliegen wird, ist derzeit offen.

Weniger Opium angebaut

Einen Erfolg meldeten unterdessen die Vereinten Nationen: Der Opiumanbau in Afghanistan ist im zweiten Jahr in Folge deutlich gesunken. Von Mai 2008 bis Juni 2009 verkleinerte sich die Anbaufläche von Schlafmohn - dem Vorprodukt des Rauschgiftes Heroin - um 22 Prozent auf 123.000 Hektar, wie aus einem am Mittwoch vorgestellten Bericht der UN-Drogenbehörde (UNODC) hervorgeht. Die Opiumproduktion sank um zehn Prozent auf 6.900 Tonnen. Dies ist immer noch mehr, als die Heroinsüchtigen weltweit im Jahr konsumieren.

Opiumanbau in Afghanistan (Foto: AP/Archiv)

Bauern auf Opiumfeld in Afghanistan (Archivbild)

Neben dem fallenden Opium- und dem gleichzeitig gestiegenen Getreidepreis führten die UN den Rückgang der Produktion auch auf "robustere Anti-Drogen-Operationen" der afghanischen und ausländischen Truppen zurück. Außerdem hätten die Anstrengungen einiger afghanischer Gouverneure dazu beigetragen, dass der Anbau von Schlafmohn zurückgegangen sei.

UN fordern mehr Hilfe für Bauern

Der Leiter der UN-Behörde, Antonio Maria Costa kommentierte: "In einer Zeit des Pessimismus wegen der Lage in Afghanistan" sei der Rückgang des Opiumanbaus eine "willkommene gute Nachricht". Doch forderte er auch mehr Hilfe für Bauern, die sich vom Geschäft mit Drogen abwenden. Die ländliche Entwicklung in Afghanistan müsse vorangetrieben werden.

Das Geld aus dem Opiumanbau und -handel finanziere Terroristen in Afghanistan und weltweit, warnte Costa. "Zweckgemeinschaften von Aufständischen und kriminellen Gruppen lassen in Afghanistan Drogen-Kartelle mit Beziehungen zu den Taliban entstehen." Experten gehen davon aus, dass die Taliban ihren Kampf gegen die westlichen Truppen und die Regierung in Kabul durch Drogenhandel finanzieren.

Probleme bei Alternativen zu Opium

Nach Einschätzung der Deutschen Welthungerhilfe bereitet es weiter große Mühe, den afghanischen Bauern gute Alternativen zum Opiumanbau zu bieten. "Für uns ist es schwierig, Mohn durch etwas anderes zu ersetzen", sagte der Büroleiter des Hilfswerks in Kabul, Rudolf Strasser, dem Evangelischen Pressedienst. Mohnanbau habe in Afghanistan Tradition und bringe den Bauern die höchsten Einkommen. (wl/ml/dpa/ap/rtr/epd)

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