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Asien

Taliban töten christliche Helfer

In Nordafghanistan sind zehn Mitglieder eines internationalen Ärzteteams von Taliban erschossen worden, darunter auch eine Deutsche. Die Bundesregierung verurteilte die Tat und verlangte eine Bestrafung der Täter.

Büro der Hilfsorganisation IAM in Kabul (Foto: AP)

Büro der Hilfsorganisation IAM in Kabul

Man dringe auf "gründliche Aufklärung der Umstände dieses feigen Mordes" und gemeinsam mit den afghanischen Behörden auf eine Bestrafung der Urheber des Verbrechens, erklärte eine Sprecherin der Bundesregierung am Samstag (07.08.2010).

Auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin zeigte sich entsetzt. Er forderte die Regierungskoalition auf, ihre Strategie bis zum Abzug der internationalen Kampftruppen 2014 genauer zu erklären.

Taliban bekennen sich

Karte Afghanistan (Foto: dw)

Im Nordosten haben die Deutschen das Kommando

Bei dem Angriff im Nordosten Afghanistans wurden nach Angaben der Polizei acht Ausländer und zwei Afghanen getötet. Nach "derzeitigem Kenntnisstand" der Bundesregierung ist unter den Ermordeten eine deutsche Staatsangehörige. Die weiteren Opfer sollen sechs US-Amerikaner und ein Brite sein. Die örtliche Polizei hatte zunächst mit der Mitteilung für Verwirrung gesorgt, es handele sich um sechs getötete Deutsche.

Die Taliban bekannten sich zu der Tat in einer entlegenen Bergregion im Grenzgebiet zwischen der relativ ruhigen Provinz Badachschan und der weitaus gefährlicheren Provinz Nuristan. Ein Sprecher der radikalen Islamisten sagte, es habe sich um "christliche Missionare" gehandelt, die Geheimdienstinformationen in der Gegend gesammelt hätten. Man habe Spionagedokumente bei ihnen gefunden.

Ein Afghane überlebt

Taliban mit zwei Gewehren (Foto: AP)

Von einer stabilen Lage ist Afghanistan noch immer weit entfernt

Das Ärzteteam missachtete laut Polizeiangaben die Warnung von Einheimischen vor Rebellen und campierte nach seinem Hilfseinsatz einige Tage in freier Natur. Ein überlebender Afghane sei verschont worden, weil er Koranverse rezitiert habe, als er erschossen werden sollte. Dadurch hätten ihn die Bewaffneten als gläubigen Muslim identifiziert. Er sei in der von den Taliban dominierten Nachbarprovinz Nuristan freigelassen worden.

Die Opfer arbeiteten für die Augenklinik Noor in Kabul. Sie gehörten zur christlichen Hilfsorganisation International Assistance Mission. IAM teilte am Samstag auf seiner Homepage mit, die zehnköpfige Gruppe sei nach ihrer medizinischen Arbeit in Nuristan auf dem Rückweg nach Kabul gewesen. Man hoffe, dass "diese Tragödie" nicht dazu führe, dass IAM nach 44 Jahren im Land die Arbeit einstellen müsse. IAM widersprach dem Vorwurf, die Ärzte hätten in dem muslimisch geprägten Land missioniert.

Seit 1966 im Land aktiv

International Assistance Mission arbeitet schon seit über vier Jahrzehnten am Hindukusch. Die durch Spenden und staatliche Zuwendungen finanzierte Gruppe war 1966 zur Hilfe für Afghanistan gegründet worden. Dort ist sie bis heute ausschließlich tätig und selbst während der Herrschaft der radikalislamischen Taliban vor 2001 konnte die Organisation die meiste Zeit im Land bleiben.

Die IAM betreibt unter dem Namen "NOOR" Augenkliniken in der afghanischen Hauptstadt Kabul sowie in den Städten Herat, Masar-i-Scharif und Kandahar. Bei ihren "zentralen Werten" nennt die Organisation die "Beziehung zu Gott" an erster Stelle. IAM hat sich über internationale Vereinbarungen verpflichtet, "dass Hilfe nicht benutzt wird, um politische oder religiöse Standpunkte zu fördern".

Autor: Michael Borgers

Redaktion: Marko Langer

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