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Politik

Taliban lehnen Gesprächsangebot ab

Eine "Regierung der nationalen Mitwirkung" will Karsai in Afghanistan bilden. Alle politischen Kräfte sollen daran mitwirken. Die Taliban jedoch haben schon klar gemacht, dass sie kein Interesse haben.

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Sucht nach Mitstreitern: der neue und alte Präsident Karsai

Er klingt wie ein Präsident beim ersten Amtsantritt. Hamid Karsai fordert alle Parteien in Afghanistan auf, mit ihm zusammen für eine bessere Zukunft des Landes zu arbeiten. Eine "Regierung der nationalen Mitwirkung" soll entstehen. "Alle, die mit mir zusammenarbeiten wollen, sind willkommen - ganz gleich, ob sie bei der Wahl gegen mich gestimmt oder mich unterstützt haben," so der alte und neue Präsident in Kabul. Kein Wort über die geplatzte Stichwahl oder über seinen Herausforderer Abdullah Abdullah, der Karsais angeblichen Wahlsieg als illegale Farce bezeichnet.

Verhandlungen mit Geiselnehmern in Afghanistan

Selbstmordattentate und Geiselnahmen sind bisher die Machtinstrumente der Taliban

Absage der Taliban

Aber nicht nur das Abdullah - Lager wird nicht mit der neuen Regierung zusammenarbeiten, auch die Taliban, die das Land seit Jahren mit immer mehr Terror einschüchtern, haben bereits abgewunken. An sie hatte Karsai am Dienstag appelliert, "nach Hause zurückzukehren und ihr Land anzunehmen." In einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP erteilte Talibansprecher Jussuf Ahmadi diesem Aufruf eine klare Absage. Karsai habe derartige Erklärungen schon öfter abgegeben. "Wir messen dem Friedensangebot keinen Wert bei, weil wir wissen, dass dies leere Worte sind," sagte Ahmadi.

Afghanistan - Großbild

Im unwegsamen Gelände am Hindukusch sind die einheimischen Taliban klar im Vorteil

Klammern an den letzten Strohhalm

Der Westen dagegen hat sich mit dem wenig rühmlichen Ergebnis der Wahlen in Afghanistan arrangiert und verkündet weiterhin seine Unterstützung für Karsai. Aus Washington kamen allerdings gleichzeitig mit den offiziellen Glückwünschen auch dringende Forderungen. US-Präsident Obama will die Regierung in Kabul nun schärfer beobachten. Eine zentrale Anti-Korruptionskommission soll der Vetternwirtschaft den Kampf ansagen. Und auch den Drogenhandel soll Präsident Karsai entschiedener bekämpfen.

Militärisch entwickelt sich der Einsatz am Hindukusch immer mehr zu einem Alptraum. Die ISAF-Truppen sind dem Guerilllakrieg, den die Talibankämpfer ihnen aufzwingen, nicht gewachsen. Der oberste US-Kommandeur in Afghanistan, General Stanley McCrystal, fordert seit langem etwa 44.000 zusätzliche US-Soldaten; bisher sind rund 67.000 Soldaten aus den USA am Hindukusch im Einsatz. Noch immer wird auf Obamas Entscheidung gewartet, ob und wie viele zusätzliche Truppen nach Afghanistan verlegt werden sollen.

Auch in London steigt der Druck

Afghanistan Großbritannien Soldat in Provinz Helmand Dorf

Die ISAF-Truppen haben in Afghanistan viele Sympathien verloren

Auch der britische Ministerpräsident Gordon Brown hat zunehmend Probleme, den Afghanistaneinsatz im eigenen Land zu rechtfertigen. 229 britische Soldaten sind in den vergangenen acht Jahren am Hindukusch ums Leben gekommen, erst am Dienstag wurden in der Unruheprovinz Helmand fünf Briten von einem afghanischen Polizisten erschossen. Dabei waren eben diese Soldaten für die Ausbildung der afghanischen Polizei zuständig.

Nach den jüngsten Todesfällen werden die Rufe in Großbritannien nach einem Ende des militärischen Engagements immer lauter. Der frühere britische Außenstaatssekretär Kim Howells forderte einen Abzug der britischen Truppen aus Afghanistan. Milliarden Pfund könnten eingespart und besser an den britischen Grenzen für den Schutz vor terroristischen Anschlägen verwendet werden, schrieb Howells in der Zeitung "The Guardian" vom Mittwoch. Großbritannien hat rund 9000 Soldaten im Einsatz am Hindukusch, 500 weitere sollen demnächst folgen.

Autorin: Nicola Reyk / AFP / AP
Redaktion: Thomas Kohlmann

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