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Asien

"Taliban haben den Anschlag genau geplant"

Nach dem mörderischen Doppelanschlag auf Polizeirekruten im Nordwesten Pakistans herrschen Schock und Entsetzen. Wenig später bekannten sich die Taliban zu der Tat - und kündigten weitere Attentate an.

Sicherheitskräfte am Tatort (Foto: Ap)

Wenige Tage nach dem Tod Osama Bin Ladens verübten die Taliban den bislang schwersten Anschlag in diesem Jahr

Shahid Khan gehen die Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Es war gegen sechs Uhr morgens Ortszeit, und er stand vor der Tür seines Hauses, als in unmittelbarer Nähe die Selbstmordattentäter zuschlugen. Nacheinander jagten sich zwei Männer vor einem Ausbildungslager der Grenzpolizei in die Luft. Die Täter kamen auf dem Motorrad. Plötzlich habe es eine Explosion gegeben, berichtet Khan gegenüber der Deutschen Welle.

Wenige Minuten später sei dann ein weiterer Sprengsatz in die Luft gegangen. "Die zweite Explosion war noch viel schlimmer, denn der Selbstmordattentäter hat sich genau zu dem Zeitpunkt in die Luft gesprengt, als die Menschen am Tatort zusammengelaufen waren, um zu helfen. Ich habe alles mit eigenen Augen gesehen."

Anschlag auch auf die Moral?

Sicherheitskräfte am Tatort (Foto: AP)

Nach dem Doppelanschlag inspizieren Sicherheitskräfte den Tatort

Bei dem schwersten Anschlag in Pakistan seit Beginn des Jahres wurden im Distrikt Charsadda im unruhigen Nordwesten des Landes nach offiziellen Angaben mindestens 80 Menschen getötet. Die Zahl könnte noch weiter steigen, denn von den über 100 Verletzten schweben noch mehr als ein Dutzend in Lebensgefahr. Bei den Opfern handelt es sich fast ausschließlich um Rekruten, die auf dem Weg in den Heimaturlaub waren und gerade ihr Gepäck in Busse außerhalb des Trainingslagers luden. "Die Täter haben den Anschlag sorgfältig geplant", sagt Ajmal Khan, stellvertretender Polizeipräsident von Charsadda, der Deutschen Welle. "Sie wussten, dass zu diesem Zeitpunkt viele Rekruten aus dem Hauptausgang des Camps herauskommen würden und haben ihre Chance genutzt."

Schon mehrfach wurden die paramilitärischen Sicherheitskräfte, die im Kampf gegen Aufständische in den Stammesgebieten an der afghanischen Grenze eingesetzt werden, Ziel von Anschlägen. Die Region gilt traditionell als unruhig, immer wieder kommt es zu Gewalt. "In unserem Ort halten die Kämpfe an", berichtet Ajmal Khan. "Die Fanatiker versuchen, mithilfe derartiger Anschläge die Moral der Polizei anzugreifen und zu schwächen." Dieses Konzept aber gehe nicht auf, versichert der stellvertretende Polizeipräsident weiter – weder bei den Beamten noch in der Bevölkerung.

Karte Pakistans mit Charsadda (DW)

Die Region im Nordwesten Pakistans an der Grenze zu Afghanistan gilt traditionell als unsicher

Rache für Osama Bin Laden

Tatsächlich hätte der Doppelanschlag noch deutlich schlimmer ausgehen können, räumt der Polizeichef des Distrikts, Jahanzeeb Khan, ein. "In der Nähe des Polizeicamps befindet sich ein großer und belebter Markt, der Bazaar Shabqader." Viele Straßen würden zu diesem zentralen Platz führen, daher sei es für Selbstmordattentäter vergleichsweise leicht, dort einen Anschlag zu verüben. "Tagsüber ist auf dem Markt sehr viel Betrieb. Da der Anschlag aber am frühen Morgen verübt wurde, war etwas weniger los als sonst."

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich bereits kurz nach der Tat zu dem Doppelanschlag, dieser sei ein Racheakt auf die Tötung von Osama bin Laden vor knapp zwei Wochen gewesen. Ein Sprecher der pakistanischen Taliban kündigte weitere Anschläge an.

Autorin: Esther Felden (mit dpa,rtr,dapd)

Redaktion: Ana Lehmann

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