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Politik

Taliban greifen US-Basis an

Kämpfer der Taliban haben im Osten Afghanistans einen US-Stützpunkt angegriffen. Bei dem Gefecht gab es mehrere Tote. Im Einsatzgebiet der Bundeswehr wurden mindestens zehn Menschen bei einem Anschlag getötet.

Afghanische Soldaten nehmen mit Gewehren ihre Stellungen ein (Foto: AP)

Afghanische Soldaten nehmen nahe Dschalalabad ihre Stellungen ein

Die internationalen Truppen in Afghanistan haben am Samstag (13.11.2010) einen Angriff von Taliban-Kämpfern auf den NATO-Stützpunkt am Flughafen von Dschalalabad abgewehrt. Die Extremisten griffen am Morgen einen Kontrollpunkt der afghanischen Streitkräfte außerhalb des Flughafens an und lieferten sich ein zweistündiges Feuergefecht mit den Soldaten, wie ein Kommandeur der Regierungstruppen vor Ort, Abdullah Hamdard, erklärte. NATO-Hubschrauber seien den Angegriffenen zur Hilfe gekommen.

Widersprüchliche Angaben

Eine Bundeswehr-Patrouille bei Kundus im Norden Afghanistans (Foto: dpa)

Eine Bundeswehr-Patrouille bei Kundus im Norden Afghanistans

Über die Zahl der Angreifer gab es unterschiedliche Angaben: Die NATO sprach von vermutlich acht getöteten Extremisten, einer von ihnen habe eine Sprengstoffweste getragen. Hamdard sagte hingegen, fünf Angreifer seien ums Leben gekommen, zwei weitere seien in ein Dorf geflohen. Alle Getöteten hätten Sprengstoffwesten getragen, aber keiner sei dazu gekommen, diese zu zünden. Unter den ISAF-Soldaten und den afghanischen Sicherheitskräften habe es keine Toten gegeben, teilte die NATO weiter mit. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP sah die Leichen von drei Personen, die Uniformen der afghanischen Streitkräfte trugen. Dabei könnte es sich aber auch um verkleidete Extremisten gehandelt haben.

Ein Taliban-Sprecher sagte, 14 Kämpfer mit Sprengstoffwesten hätten den Stützpunkt gestürmt und Dutzende ausländische und afghanische Soldaten getötet. Die Angaben der Aufständischen zu solchen Angriffen sind jedoch zumeist unzuverlässig und stark übertrieben. Unabhängige Berichte über Opfer gab es zunächst nicht.

Der Flughafen von Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nangarhar, ist der drittgrößte NATO-Stützpunkt in Afghanistan. 2500 ausländische Soldaten sind dort stationiert. Außerdem befinden sich auf dem von einem großen Sicherheitsaufgebot bewachten Stützpunkt zahlreiche Flugzeuge, Hubschrauber und Drohnen der US-Armee.

Verstärkte Angriffe

Frauen an einem Marktstand mit Äpfeln (Foto: AP)

Märkte, wie hier in Herat, sind immer wieder das Ziel von Anschlägen

Im Einsatzgebiet der Bundeswehr in Nordafghanistan wurden nach Angaben des Innenministeriums unterdessen mindestens zehn Menschen bei einem Bombenattentat getötet, darunter drei Kinder. Der Sprengsatz explodierte auf einem Basar im Distrikt Imam Sahib in der Provinz Kundus. Die Bombe war in einem Motorrad versteckt. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Als Täter wurden jedoch die Taliban vermutet.

Die Anschläge ereigneten sich am neunten Jahrestag des Sturzes der Taliban. Kurz vor dem NATO-Gipfel in Lissabon in der kommenden Woche, bei dem die Lage in Afghanistan im Vordergrund stehen wird, verstärken die Taliban wieder ihre Angriffe. Erst am Freitag hatte ein Selbstmordattentäter bei einem Anschlag auf einen NATO-Konvoi in Kabul zwei Menschen verletzt. Es war der erste schwere Anschlag in der afghanischen Hauptstadt seit drei Monaten.

Auch in den USA stehen Weichenstellungen in der Afghanistan-Politik an. Die Regierung in Washington will ihren Bericht zur Situation in Afghanistan im kommenden Monat vorlegen. Es wird erwartet, dass Präsident Barack Obama an seinen Plänen festhält, Mitte 2011 mit einem schrittweisen Truppenabzug zu beginnen.

In Afghanistan sind derzeit 150.000 ausländische Soldaten stationiert. Dennoch haben die Taliban und andere Aufständische ihren Kampf in den vergangenen Jahren verstärkt.

Autor: Dеnnis Stutе (afp, dapd, dpa, rtr)

Redaktion: Annamaria Sigrist/Ursula Kissel

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