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Welt

Taliban bekennen sich zur Tötung Rabbanis

Die Taliban haben sich zu dem tödlichen Attentat auf den früheren afghanischen Präsidenten Burhanuddin Rabbani in Kabul bekannt. Rabbani wurde in seinem eigenen Haus getötet. Er führte Friedensgespräche mit den Taliban.

Der frühere afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani (Foto: dpa)

Rabbani war der Chef des Hohen Friedensrats in Afghanistan

Seine letzte Aufgabe war es, eine Aussöhnung mit den radikalislamischen Taliban zu erreichen: Der ehemalige afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani ist am Dienstag (20.09.2011) bei einem Bombenanschlag in Kabul getötet worden. Seit Oktober 2010 leitete Rabbani den von Präsident Karsai ins Leben gerufenen Hohen Friedensrat, der Gespräche mit den Taliban führen soll. Er sollte eine politische Lösung für den jahrelangen Konflikt am Hindukusch finden.

Die afghanische Polizei bestätigte die Ermordung des 71-Jährigen. Rabbani sei einen "Märtyrertod" gestorben, sagte Mohammad Zahir, Chef der Kabuler Kriminalabteilung. "Ein als Besucher getarnter Selbstmordattentäter hat sich in die Luft gesprengt und ihn getötet." Von Seiten des Hohen Friedensrates hieß es, Rabbani habe sich zur Zeit des Anschlags mit zwei Vertretern der Taliban in seiner Wohnung getroffen. Der Friedensrat sprach von einem "schweren Rückschlag für die Friedensbemühungen" in Afghanistan. Auch Präsidenten Karsai sagte, Rabbani sei einen "Märtyrertod" gestorben. Er habe sein Leben für den Frieden geopfert. Sein Sprecher teilte mit, der Präsident kürze seinen Aufenthalt in den USA ab und kehre nach Afghanistan zurück.

Taliban: Attentäter kannten Rabbani

Polizisten sichern das Gebiet vor Rabbanis Haus ab (Foto: dapd)

Polizisten sichern das Gebiet vor Rabbanis Haus ab

Die Taliban bekannten sich in der Nacht zum Anschlag auf den 71-Jährigen. Ein Taliban-Sprecher bestätigte, dass zwei "Kämpfer" sich mit Rabbani in seinem Haus getroffen hatten. Einer von ihnen habe die Bombe in seinem Turban versteckt. Neben Rabbani und den zwei Taliban sind nach Angaben des Sprechers auch zwei Sicherheitskräfte getötet worden.

Rabbani habe die Attentäter gekannt: "Beide trafen ihn häufig in seinem Haus in Kabul und sicherten sich das Vertrauen Rabbanis und seiner Leibwächter", sagte der Sprecher. "Sie sagten Rabbani, sie würden bald hochrangige Taliban-Führer zu ihm an den Verhandlungstisch bringen." Weitere ähnliche Attentate seien in Kürze geplant.

Rabbanis Haus befindet sich in der Nähe der US-Botschaft im Zentrum der afghanischen Hauptstadt. Die umliegenden Straßen des streng bewachten Diplomatenviertels wurden nach der heftigen Explosion abgesperrt, Krankenwagen waren vor Ort. Das Gebiet wurde erst in der vergangenen Woche von Taliban angegriffen.

Internationale Empörung nach Mordanschlag

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen (Foto: AP)

Rasmussen: Das war ein Angriff auf das afghanische Volk

Das Selbstmordattentat auf Rabbani sorgte international für Empörung. Die Tat werde die USA aber nicht davon abhalten, Afghanistan weiter zu helfen, damit "dessen Volk in Freiheit leben" könne, sagte Präsident Barack Obama in New York. Der Tod Rabbanis sei tragisch, weil dieser sich sehr um sein Land bemüht habe, sagte der Präsident. Das US-Verteidigungsministerium wertete den Anschlag als Teil einer Strategie der Taliban. Diese verübten zunehmend Attentate auf ranghohe Persönlichkeiten, sagte Verteidigungsminister Leon Panetta in Washington. Weil die internationale Militärkoalition die Taliban geschwächt hätten, seien sie "spektakulären Angriffen" übergegangen, erklärte US-Generalstabchef Mike Mullen. Aus strategischer Sicht seien die Anschläge deshalb bedeutend.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bezeichnete Rabbanis Ermordung als "Angriff auf das afghanische Volk". In einer in Brüssel veröffentlichen Erklärung Rasmussens hieß es: "Unsere Botschaft an jene, die dem afghanischen Volk nur Tod und Zerstörung bringen, ist klar: Ihr werdet nicht siegen." Rabbani habe die Bemühungen um Frieden und Aussöhnung angeführt, "die lebenswichtig für das afghanische Volks sind". Die NATO werde weiterhin Seite an Seite mit den Afghanen an "einer besseren und sichereren Zukunft" arbeiten.

Rabbani kämpfte gegen sowjetische Besatzung

Rabbani, ein früherer Professor für Theologie und Philosophie, führte in den 1980er Jahren die Dschamiat-Islami, eine der sieben wichtigsten islamistischen Widerstandsgruppen im Kampf gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan. Nach deren Abzug und dem Sturz des letzten Moskau treuen Regimes in Kabul wurde er von einer Wahlversammlung 1992 zum Präsidenten einer Übergangsregierung bestimmt.

Karsai (Mitte) mit Mitgliedern des Hohen Friedensrats Rabbani (l.) und Pir Sayed Ahmad Gailani (r.) (Foto: dpa)

Rabbani (l.) und Karsai (Mitte) bemühten sich um eine innerafghanische Aussöhnung

In der Folge war der ehemalige Mudschahedin-Führer in den Bürgerkrieg um die Macht verstrickt, in dem die Hauptstadt zerstört wurde und Tausende Menschen ums Leben kamen. Ihm werden aus dieser Zeit verschiedene Kriegsverbrechen vorgeworfen. Auch nach der Machtübernahme der Taliban 1996, die ihn faktisch aus dem Amt jagten, blieb er das international anerkannte Staatsoberhaupt Afghanistans. Denn die Taliban herrschten zwar bis 2001, wurden offiziell aber nicht als afghanische Regierung anerkannt. 2001 übernahm Karsai die Präsidentschaft.

Während der Taliban-Herrschaft war Rabbani eine der führenden Figuren der so genannten "Nordallianz", die sich im Norden Afghanistans gegen die Taliban auflehnten. Während seiner Präsidentschaft galt er in Glaubensfragen als vergleichsweise liberal, erlaubte Frauen zu arbeiten und ermöglichte Mädchen den Zugang zu Bildung.

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, afp, rtr, dapd)

Redaktion: Martin Schrader

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