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Aktuell Asien

Taliban bekennen sich zu blutigem Angriff auf Universität in Pakistan

Die radikal-islamischen Taliban haben sich zu dem Überfall auf eine Universität Pakistans mit mehr als 20 Toten bekannt. Ihre Begründung für die Auswahl des Ziels: "Damit die Leute nicht wieder sagen: Wir töten Kinder".

Soldaten geleiten Menschen vom Campus der Universität (Foto. AFP)

Soldaten geleiten Menschen vom Campus der Universität

Nahe der pakistanischen Stadt Peshawar haben islamistische Taliban-Kämpfer mindestens 19 Menschen getötet. Auch vier Angreifer kamen nach Militärangaben bei dem Anschlag auf die Bacha-Khan-Universität in Charsadda ums Leben. Der Gesundheitsminister der Provinz, Shaukat Yusufzai, wurde dagegen vom Fernsehsender "Geo" zitiert, es seien mindestens 25 Menschen tot. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Zahl der Toten könne noch auf bis zu 40 steigen. Unter ihnen sind laut Universität und Polizei mindestens zwei Studenten, zwei Wächter, ein Professor und ein Polizist. Fernsehbilder zeigten, dass Opfern offenbar gezielt in den Kopf geschossen wurde.

Nach mehr als dreistündigen Schusswechseln berichtete der Sprecher des pakistanischen Militärs, Asim Bajwa, am Mittag, die Gefechte seien beendet. Soldaten durchsuchten den Campus, auf dem sich zum Zeitpunkt des Angriffs etwa 3000 Studenten aufhielten. Augenzeugen sprachen von sehr jungen und schwer bewaffneten Tätern. Nach ersten Erkenntnissen waren sie am Morgen geschützt von dichtem Nebel über einen Hintereingang eingedrungen.

Ein Krankenwagen bringt Verwundete in die Klinik (Foto. AFP)

Ein Krankenwagen bringt Verwundete in die Klinik

Das Fernsehen zeigte Studentinnen, die Hand in Hand flohen, während Sicherheitskräfte die Zugänge zum Campus abriegelten. Dutzende Soldaten gingen in Stellung, während Krankenwagen heranrasten und Hubschrauber über dem Gelände kreisten. Die Zahl der Toten stieg rasch an, während die Sicherheitskräfte versuchten, die Angreifer zu fassen.

Ein Student berichtete, er habe Schüsse gehört und daraufhin versucht, sein Wohnheim zu verlassen. "Wir wurden von unserem Chemie-Dozenten aufgehalten, der uns riet hineinzugehen. Er hielt eine Pistole in der Hand", berichtete der Geologie-Student Zahoor Ahmed. "Dann sah ich, wie er von einer Kugel getroffen wurde. Ich sah zwei Aufständische schießen. Ich rannte hinein und schaffte es, durch einen Sprung über die Hintermauer zu fliehen."

Ein anderer Student berichtete im Fernsehen, der Dozent habe mit der Pistole auf die Angreifer gefeuert, sei aber selber getroffen worden. "Dann sahen wir ihn fallen. Als die Terroristen ins Büro kamen, rannten wir weg", sagte der Student.

Rache für "Kameraden"

Die Taliban sprachen von vier Angreifern. Der Sprecher der Talibangruppe Tehrik-e Taliban (TTP) in der Peshawar-Region, Omar Mansoor, rief laut örtlichen Journalisten mittags Medienhäuser an und sagte, die Taliban steckten hinter der Tat. Es sei ein Racheakt für die vom Militär im vergangenen Jahr getöteten "Kameraden". Sie hätten eine Universität angegriffen, "damit die Leute nicht wieder sagen: Wir töten Kinder". Mansoor nahm damit Bezug auf einen Angriff der Taliban auf eine Schule in Peshawar im Dezember 2014. Damals töteten sie 136 Kinder.

Soldaten sammeln sich vor dem Universitätsgelände (Foto: Reuters)

Soldaten sammeln sich vor dem Universitätsgelände

Diese Tat wurde zum nationalen Trauma und zum Ausgangspunkt einer neuen Strategie gegen einige der militanten Gruppen im Land, vor allem gegen die verschiedenen Talibangruppen. Viele Pakistaner sprachen in den sozialen Medien über ein "schreckliches Gefühl des Déjà-vu". Schulen in Peshawar waren schon am Samstag geschlossen geblieben, nachdem Behörden Anschlagswarnungen erhalten hatten.

Nach Angaben des örtlichen Krankenhauses wurden mindestens 19 Menschen verletzt. Vier seien angeschossen worden. Der Angriff hatte gegen 9.30 Uhr (Ortszeit) begonnen. Kurz darauf trafen Einheiten des Militärs ein. Der pakistanische Präsident Mamnoon Hussain und Ministerpräsident Nawaz Sharif verurteilten die Tat scharf. Sharif sagte, Menschen "die unschuldige Studenten und Bürger angreifen, haben keine Religion, und die Regierung wird sie auslöschen."

stu/se (afp, dpa, rtr)

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