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Asien

Taliban-Angriff in Kabul niedergeschlagen

Es war ein Großangriff der radikal-islamischen Taliban: Mitten in Kabul, im schwer gesicherten Diplomatenviertel. Das Ziel: Die US-Botschaft und das Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe ISAF.

Das Ziel des Angriffs: Die US-Botschaft in Kabul (Foto: AP/dapd)

Das Ziel des Angriffs: Die US-Botschaft in Kabul

Nach stundenlangen Gefechten haben die Sicherheitskräfte den Angriff der Taliban auf das Diplomatenviertel in Kabul am Mittwoch (14.09.2011) niedergeschlagen. Rund 20 Stunden nach Beginn der Attacke der radikalen Islamisten erklärte der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Seddiq Seddiqi, die Lage sei wieder unter Kontrolle. Die letzten verschanzten Taliban-Kämpfer seien getötet worden. Nach Angaben Seddiqis und eines Sprechers der NATO-Schutztruppe ISAF sind insgesamt 14 afghanische Zivilisten und Polizisten getötet worden, unter den Opfern sind auch drei Kinder. Mindestens 19 Afghanen und sechs ISAF-Soldaten wurden verletzt.

Mehrere Kämpfer der Taliban hatten am Dienstagmittag das Feuer auf das Gebäude der US-Botschaft in Kabul eröffnet. Es liegt an der sogenannten Abdulhaq-Kreuzung unmittelbar neben dem Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe ISAF. Sechs von ihnen verschanzten sich in einem mehrstöckigen Rohbau, von dem aus sie schossen. Die letzten überlebenden Aufständischen weigerten sich bis zu ihrem Tod, aufzugeben und lieferten sich bis Mittwochmorgen Kämpfe mit den afghanischen Sicherheitskräften und den ISAF-Soldaten.

Weitere Explosionen in der Stadt

Soldaten vor dem zerstörten britischen Kulturinstitut in Kabul (Foto: AP/dpad)

Erst vor kurzem hatten Selbstmordattentäter das Britische Kulturinstitut in Kabul angegriffen

Beobachter meldeten, dass es auch Explosionen im Westen der Stadt gegeben habe. Laut Sicherheitsbehörden konnten weitere Anschläge in anderen Stadtteilen aber verhindert werden. Über dem Diplomatenviertel der Hauptstadt stieg Rauch auf und US-Militärhubschrauber kreisten über den Häusern. Das Gebiet um die US-Botschaft wurde weiträumig abgesperrt. Auch nach Einbruch der Dunkelheit waren in Kabul Schüsse und Explosionen zu hören. Am Mittwochmorgen waren erneut Hubschrauber zu hören.

Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid hat laut afghanischen Medien die Verantwortung für den Angriff in Kabul übernommen. Dieser erfolgt zu einem Zeitpunkt, wo in Kabul der Sicherheitsberater Afghanistans, Rangin Dadfar Spanta, die Ergebnisse seiner USA-Reise vorstellen wollte. Spanta war von der afghanischen Regierung beauftragt worden, mit Washington über die Errichtung von dauerhaften US-Militärbasen in Afghanistan zu verhandeln.

Die USA wollen auch über den offiziellen Abzugstermin 2014 hinaus militärisch in Afghanistan präsent sein. Dies lehnen die Taliban vehement ab. Sie fordern, dass die internationalen Truppen das Land verlassen.

Verbindungsmänner unter den Polizisten?

Der Militärexperte Assadullah Walwaliji (Foto: DW)

Militärexperte Assadullah Walwaliji: "Die Taliban infiltrieren Polizei"

Der Angriff der Taliban-Kämpfer in Kabul wird wohl erneut die Diskussion über den Zustand und die Glaubwürdigkeit der afghanischen Sicherheitskräfte entfachen.

Ohne Unterstützung von Verbindungsmännern in der afghanischen Polizei und der Armee wäre es für die Aufständischen gar nicht möglich gewesen, so nahe an die Machtzentren der Hauptstadt heranzukommen, meint der afghanische Militär-Experte Assadullah Walwalgi: "Die Taliban haben es in den letzten drei Jahren geschafft, viele ihrer Anhänger bei der afghanischen Polizei und Armee unterzubringen." Dadurch werde die Zusammenarbeit zwischen den internationalen Truppen und afghanischen Sicherheitskräften immer schwieriger - mit fatalen Folgen für die Sicherheit im Land.

Erst vor dreieinhalb Wochen hatte ein Selbstmordkommando der Taliban das britische Kulturinstitut in Kabul angegriffen und neun Menschen getötet, darunter zwei Ausländer.

Autor: Ratbil Shamel/Naima El Moussaoui
Redaktion: Ana Lehmann/Julia Elvers-Guyot

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