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Kultur

Talentschuppen fürs Theater

Das Theaternachwuchs-Festival "Kaltstart" holt talentierten Nachwuchs nach Hamburg. Für junge Regisseure, Autoren, Dramaturgen und Schauspieler heißt das: Kontakte knüpfen und den Grundstein für die Karriere legen.

Szene aus einem Stück über eine emanzipierte Araberin (Foto: Heimathafen Neukölln)

Hamburg, Kulturhaus III&70, Studio 1: Im leeren Theatersaal herrscht das übliche Szenario kurz vor dem Einlass: Die Tontechniker sind noch nicht mit dem Soundcheck fertig, die Regisseurin spricht mit dem Beleuchter - ein paar Scheinwerfer müssen noch anders ausgerichtet werden. Hinter der Bühne steht noch eine Tür offen. In den Garderoben werden die Schauspieler geschminkt. Draußen wartet das Publikum: In wenigen Minuten geht die Vorstellung los. Regisseurin Mina Salehpour bleibt ruhig, gibt ihren Leuten klare Anweisungen. Doch ihre Augen schauen nervös und konzentriert; je näher der Einlass rückt, desto angespannter wird sie. "Es ist auch aufregend, gemeinsam mit der Crew wegzufahren und hier in Hamburg unter anderen Bedingungen zu spielen", sagt Salehpour. Da stehe die ganze Vorstellung gleich unter mehr Adrenalin. Die 26-Jährige ist zum ersten Mal auf "Kaltstart".

Spielort frei von Konkurrenz

Regisseurin Mina Salehpour hilft den Schauspielern die Kopftücher für die erste Szene des Stückes Invasion richtig zu binden (Foto: J.Albrecht/DW)

Letzte Vorbereitungen: Die Regisseurin legt selbst Hand an

"Kaltstart" ist ein Nachwuchsfestival, das gleich fünf Festivals in sich vereint. Es gibt Plattformen für Absolventen der Theater-Akademien, für freie Theatergruppen, Jugendliche und eine Autorenlounge für junge Dramatiker. Und natürlich auch für Nachwuchsregisseure. "Häufig ist es so, dass gerade junge Regisseure die Möglichkeit bekommen, an einem größeren Haus etwas auf der Seitenbühne zu machen", weiß Thimo Plath, künstlerischer Leiter von "Kaltstart Pro", einem der fünf Theaterfestivals. "Meist werden solche Inszenierungen irgendwann am späten Abend so gegen 22 Uhr gespielt", so Plath. Genau diese Stücke würden zu dem Festival eingeladen. So zeigt "Kaltstart" neben jungen Profis der deutschsprachigen Stadt- und Staatstheater auch ungewöhnlichere Produktionen aus der freien Szene. Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen und Autoren können hier frei von Konkurrenz ihre Werke präsentieren. Und das Ganze zwischen schweißtreibenden Theaterabenden und coolen Clubnights.

"Das Netzwerk funktioniert"

"Kaltstart" soll vor allem eine Plattform zum Austausch und Kontakte knüpfen sein. Daher freut sich Thimo Plath, dass einige Künstler gleich ein paar Tage auf dem Festival bleiben, um sich auch anzuschauen, was die Kollegen machen. "Das ist allerdings manchmal schwierig, weil die Spielbetriebe von einem großen Haus einfach sehr vollgepackt sind, die Leute haben wirklich viel zu tun", sagt Plath. Wenn sie dann aus Wien oder anderswo herkommen, sei es oft schwer, länger zu bleiben als nur für die eigene Aufführung. Doch der Netzwerk-Gedanke sei wichtig, um Jobs zu bekommen. "Auf 'Kaltstart' scheint das zu funktionieren, da kommt schon ein gewissen Feedback zurück", so Plath.

Künstler verzichten auf Gagen

Logo Kaltstart-Festival

Ermöglicht wird das Festival durch die finanzielle Unterstützung von Stiftungen und den Ticketverkauf. Doch ohne den Verzicht der Künstler auf ihre Gagen gäbe es "Kaltstart" nicht. Seit seiner Gründung 2006 wuchs das Festival stetig an. So bietet es heute mit mehr als 80 verschiedenen Produktionen, Konzerten und Partys drei Wochen lang ein geballtes Kulturprogramm. Mittlerweile ist es das größte Festival für Theaternachwuchs im deutschsprachigen Raum. So sitzen neben den normalen Besuchern auch viele Theaterkollegen auf den schwarzen Holzstühlen im Kulturhaus III&70 und schauen sich Mina Salehpours Stück "Invasion" an. Es wird viel gelacht in dieser Inszenierung. Denn Mina Salehpour hat das Thema des Stückes, das sich im weitesten Sinn mit Migration beschäftigt, mit viel Humor inszeniert.

"Junge Künstler brennen für ihr Thema"

Szene aus dem Stück Invasion (Foto: J. Albrecht / DW)

Szene aus dem Stück "Invasion"

Eine Besucherin freut sich darüber, dass es doch noch so viel Komik gibt. "Auch wenn es nicht wirklich zum Lachen war, es ist wunderbar gespielt und eine ganz schnelle, tolle Regie", schwärmt sie. Sie ist ein richtiger "Kaltstart"-Fan; jeden Abend besucht sie andere Vorführungen. "Die jungen Schauspieler, Produzenten und Dramaturgen brennen für ihr Thema", beschreibt der Herr neben ihr, ein junger Dramatiker, die besondere Atmosphäre des Festivals. "Man kann sich hier in einer ungezwungenen Atmosphäre gut austauschen". Er besucht während des Festivals einen der vielen Workshops, die bei "Kaltstart" angeboten werden. Es sei einfach spannend zu sehen, was junge Regisseure und andere Schauspiel-Kollegen machen, findet er.

Während der Vorstellung im Studio 1 sitzt Regisseurin Mina Salehpour in der ersten Reihe. Sie hat das Skript auf dem Schoß, um zur Not soufflieren zu können, doch auch sie kann die Vorstellung - ohne Aussetzer ihrer Schauspieler - bis zum Ende genießen. Sie hofft, dass im Publikum der eine oder andere Zuschauer sitzt, den sie eingeladen hat. "Für heute habe ich über 20 Leute eingeladen, von denen ich wusste, die sind in Hamburg. Auch alte Mentoren, Dramaturgen, die ich in meinem Leben noch nie gesehen habe, habe ich einfach angeschrieben", sagt sie. Und sie freue sich, wenn nach der Vorstellung jemand zur ihr kommen und sagen würde: "Ich war da und es war gut."

Autorin: Janine Albrecht
Redaktion: Silke Wünsch

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