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Filme

Talentschmiede für Filmemacher: Münchner Hochschule für Film und Fernsehen wird 50

Große Namen sind mit der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in München verbunden: Wim Wenders, Roland Emmerich, Doris Dörrie. Dabei waren die Anfänge der deutschen Hochschule für Filmemacher eher bescheiden.

Die aktuelle Adresse ist vom Allerfeinsten: Bernd-Eichinger-Platz 1, mitten in der Innenstadt von München, in direkter Nachbarschaft zur berühmten Pinakothek und der Kunstmeile der Museen. Der Neubau aus Glas und Beton sieht auf den ersten Blick gar nicht aus, wie eine kreative Filmhochschule.

Innen sind Hörsäle, Arbeitsräume, Filmbibliothek und vier Kinosäle zum Vorführen der Filmproduktionen, alle ausgestattet mit modernster Technik. Am Freitag (14.07.2017) wird dort das 50-jährige Bestehen der renommierten Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) gefeiert - im großen Stil, mit Ehemaligen aus aller Welt.

Kreatives Biotop für Filmemacher

Große Namen sind mit der HFF verbunden: Hollywoodregisseur Roland Emmerich wagte hier seine ersten Schritte als Filmemacher, Regisseur Wim Wenders produzierte schräge Experimentalfilme, auch Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck und Erfolgsregisseurin Maren Ade ("Toni Erdmann") studierten in München und konnten dort ihre ersten Filme machen.

Roland Emmerich und Gabriele Walther (HFF München/T.Merker)

Wilde Zeiten: Hollywood-Regisseur Roland Emmerich studierte an der HFF

Auch die Regisseurin Doris Dörrie hat an der Münchner Filmhochschule studiert. Inzwischen ist sie Professorin für "Creative Writing" an der HFF und bringt Filmstudenten das Handwerk des guten Drehbuchschreibens bei. Was in den neuen modernen Gebäuden allerdings ein bisschen fehle, sei der Humus des kreativen Chaos', sagt Dörrie, die in den 1970er Jahren aus Amerika nach München kam. Damals hätte es an der Filmhochschule einfach Filmemacher gegeben, erzählt sie im DW-Interview.

Wilde Schwabinger Zeit

Untergebracht war die Hochschule für Fernsehen und Film damals in einer alten Jugendstil-Villa mitten in Schwabing. 1967 nahm die HFF ihren Studienbetrieb auf, mit sehr wenigen Studenten - kritisch beäugt von der Münchner Kultur-Schickeria. "Es war ein richtiger Chaotenhaufen, aber das war prima", sagt auch Professor Heiner Stadler, ehemaliger Lehrstuhlinhaber für Dokumentarfilm.

Wim Wenders (picture-alliance/dpa/F. Stark)

Experimentierte schon immer gern: Regisseur Wim Wenders

Alles war sehr übersichtlich, Studenten und Lehrpersonal kannten sich gut. Aber das Gutbürgerliche der alten Villa gefiel nicht jedem. Wim Wenders gehörte damals zur ersten Riege der Filmstudenten und machte 1969 mit seinem ersten Kurzfilm "Alabama - 200 Light Years" auf sich aufmerksam: Ein experimenteller Schwarz-Weiß-Film, in dem viel zur Musik von Jimi Hendrix, Bob Dylan und den Stones geraucht wurde. So wie Wenders lernten viele, später international berühmte Filmregisseure ihr Handwerk an der HFF. München wurde zur Kaderschmiede der deutschen Spielfilm-Regisseure, in Konkurrenz zur "Deutschen Film- und Fernsehakademie" (dffb) in Berlin, die sich mehr mit gesellschaftskritischen Dokumentarfilmern profilierte.

Cooles Ambiente, zielgerichtetes Studieren

Nach der Schwabinger Ära, kam die "Ära Giesing". Die Filmhochschule zog um in eine ehemalige Bettfedernfabrik im Münchner Stadtteil Giesing, expandierte und nahm mehr Studenten auf. Erstmals gab es ein eigenes, professionelles Film- und Fernsehstudio. Das Familiäre der wilden experimentellen Gründerjahre war vorbei, jetzt stand auch "Kreatives Produzieren" auf dem Lehrplan. 2011 folgte mit dem Wechsel in den Neubau in der Münchner Innenstadt ein neuer Zeitabschnitt. Platz für exzessive Grillpartys im Garten ist keiner mehr. "Die waren schon gewohnt, ihre Feste bis in die Puppen in der Schule zu feiern", erinnerte sich die damalige Vizepräsidentin Michaela Krützen nach dem Umzug.

Hochschule für Fernsehen und Film in München (Melanie Meinig industrieBAU)

Kühle Atmosphäre: der Neubau der Hochschule für Fernsehen und Film in München

Gefeiert wird an der Münchner Filmhochschule zwar immer noch, nur weitaus zivilisierter, als in den wilden Schwabinger Zeiten. Filmstudenten von heute müssen effektiv und viel zielgerichteter studieren, um sich einen Platz in der kommerziell ausgerichteten Filmbranche zu erobern. Und die Plätze an der Münchner Filmhochschule sind heiß begehrt. "Jährlich bewerben sich hunderte von Studenten, um an der Talentschmiede einen Studienplatz zu ergattern", heißt es selbstbewusst in dem Jubiläumsfilm des Bayrischen Fernsehens zum 50-Jährigen Bestehen der HFF.

Heute residiert die Filmhochschule in einem extrem modernen Ambiente aus Glas und Beton. Große Namen zieren die Ahnentafel der renommierten Filmhochschule, die 1967 in München an den Start ging. Aber davon sollten sich die zukünftigen Filmemacher, die derzeit noch studieren, nicht schrecken lassen, meint Technik-Professor Peter Slansky: "Was wäre die Filmbranche, wenn sie nicht ihre Mythen produzieren würde? Da denkt doch jeder an seine Studienzeit zurück." Er hat die Jubiläumsbroschüre als Buch herausgegeben, ein historischer Rückblick auf 50 Jahre kreativer Hochschularbeit an der HFF München.

Literaturhinweis: "Vom Widerstand des Geräts" Hrsg. von Peter Slansky, München 2017

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