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Europa

Talentschmiede für Autoren

In Deutschland gibt es ein Institut, das talentierten Schreibern den nötigen Schliff geben soll. Das Literaturinstitut in Leipzig. Jedes Jahr werden rund 20 Studenten aufgenommen. Drei Jahre dauert das Studium.

Ein Student liest aus einem Buch vor (Foto: Annegret Faber)

Die Studierenden des Literaturinstituts müssen sich der Kritik ihrer Kommilitonen stellen

Mit seinen Texten wurde Jörn Dege im vergangenen Frühjahr am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig angenommen. Damals beendete er gerade sein Mathematik- und Philosophiestudium. Er habe das Bedürfnis gehabt, etwas Neues zu machen, sagt er selbst.

Schreiben könne er, bestätigten ihm seine Freunde. Kurz danach warf er seine Bewerbung in den Briefkasten. 20 Seiten Text waren gefordert, egal welches Genre. Aus 600 Zuschriften, die durchschnittlich jedes Jahr ans Literaturinstitut geschickt werden, schaffte es Jörn Dege unter die 20 Auserwählten. Dabei hat er noch nichts veröffentlicht und auch noch nirgendwo öffentlich gelesen.

Student sitzt an seinem Schreibtisch und arbeitet mit Laptop (Foto: Annegret Faber)

Jörn Dege hat vorher Mathe und Philosophie studiert

Große Fußstapfen

Der 26-Jährige wirkt sehr aufgeräumt, eher wie ein Mathematiker. Etwas verloren sitzt er im einzigen Raum seiner Wohnung, der Küche, Wohn- und Schlafraum in einem ist. Hier steht auch sein Schreibtisch, der Ort des Geschehens. Beinahe jeden Tag geht er raus und besucht Vorlesungen in Erzähltheorie, Literaturgeschichte oder bekommt praktische Tips für den Alltag eines freischaffenden Schriftstellers. Ihm ist klar, dass er in die Fußstapfen einiger großer deutscher Schriftsteller tritt. So wie es auch einst Claudius Nießen tat, als er vor vielen Jahren am Institut studierte.

Nießen ist heute der Geschäftsführer des Instituts. Im ersten Stock der alten Villa liegt sein Büro. "Da gibt es Juli Zeh, Clemens Mayer oder Tobias Hülswitt", zählt Nießen auf. "Unten im Haus haben wir eine Vitrine, die wird gerade erweitert. Dort sammeln wir die Buchpublikationen unserer Absolventen." Claudius Nießen, ist in Deutschland ziemlich bekannt. Neben seinem Job als Geschäftsführer arbeitet er als Literaturagent, Moderator und Verleger. Der öffentliche Auftritt liegt ihm mehr als das Schreiben im stillen Kämmerlein, sagt er.

Kritik durch Mitstudenten

Juli Zeh (Foto: dpa)

Die Schriftstellerin Juli Zeh ist eine der bekanntesten Absolventinnen des Instituts

Zu seinen Studenten sagt er: "Was wollen sie mit einem Diplom als Künstler? Welchem Arbeitgeber wollen Sie das zeigen? Das einzige, was sie hier bekommen können, ist ein Erfahrungsgewinn. Aber gleichzeitig muss klar sein: Keiner der hier rein geht, geht als Schriftsteller wieder raus." Ein Fakt, über den sich die Studenten im Klaren sind. Deshalb sind Zweitstudien oder Nebenjobs völlig normal.

Jörn Dege sieht das eher sachlich: "Eine bei mir im Jahrgang war 15 Jahre Krankschwester auf der Intensivstation und wird dass auch weiterhin machen." Letztlich ist Eigeninitiative gefragt. Freiraum gibt es zur Genüge. Und im Zentrum des Studiums steht der geschriebene Text. Und zwar der der Studenten. In angekündigten Workshops werden sie von den Mitstudenten aller Jahrgänge auseinander genommen. Jörn Dege sieht im Austausch mit den anderen eine große Chance.

"Institut wird überschätzt"

Sein Kommilitone Andreas Stichmann ist da anderer Meinung. Er ist im dritten und letzten Jahr am Institut und wirkt schon eher wie ein Klischee-Schriftsteller. Momentan sitzt er aber nicht im Workshop, sondern zu Hause in seinem kleinen WG-Zimmer, beugt sich über den Computer und gönnt sich eine Morgenzigarette.

"Ich habe immer das Gefühl, dass es insgesamt total überschätzt wird, was das Institut für einen Einfluss hat", sagt er. "Man sitzt im Seminar und bespricht mit 20 Leuten den Text. Beeinflussen tut mich das nicht." Auch die Professoren drängten sich nicht so nach vorne, dass sie den Autoren in die Texte reinredeten.

Sprungbrett Leipzig

Außenansicht der Villa, in der das Deutsche Literaturinstitut untergebracht ist (Foto: Universität Leipzig)

Die Studienplätze in der Villa des Instituts sind heiß begehrt

Und was meinen die Verleger? "Auf Grund der Tatsache, das in den letzten Jahren doch beträchtliche Talente aus dem Literaturbetrieb hervor gegangen sind", so Michael Faber, Verlagsleiter vom Leipziger Verlag Faber & Faber, "hat sich die Aufmerksamkeit beträchtlich erhöht und es ist jetzt so, dass Verleger und Lektoren renommierter Verlage ganz selbstständig auf das Literaturinstitut zugehen."

Will heißen: Die Chancen auf eine Schriftstellerkarriere stehen also gut, wenn man es erst einmal bis zum Literaturinstitut geschafft hat. Dann heißt es nur noch durchhalten und den Nerv der Zeit treffen.

Autorin: Annegret Faber
Redaktion: Sandra Voglreiter

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