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Aktuell Asien

Taiwanesische Oppositionspartei wählt erstmals Frau an die Spitze

Nach der verheerenden Niederlage bei den Wahlen im Januar hat sich die oppositionelle Kuomintang neu aufgestellt. Hung Hsiu-chu ist die erste Frau an der Spitze der Partei - nach einem Comeback der besonderen Art.

Hung Hsiu-chu feierte bei der parteiinternen Abstimmung in Taipei schon in der ersten Runde einen überwältigenden Sieg: Sie holte schon in der ersten Runde mehr als 50 Prozent der Delegiertenstimmen und setzte sich damit gegen drei Mitbewerber durch. Damit ist sie in der mehr als 100-jährigen Geschichte der Kuomintang die erste Frau an der Spitze.

Grandioses Comeback

Noch im Oktober schien die politische Karriere von Hung Hsiu-chu am Ende angekommen zu sein. Eigentlich sollte die 68-Jährige bei der anstehenden Präsidentenwahl als Spitzenkandidatin ihrer Partei, der China-freundlichen Kuomintang (KMT), antreten. Doch die ehemalige Lehrerin fiel wegen ihres aggressiven Wahlkampfs zusehends in Ungnade. Die KMT-Offiziellen befürchteten, Hung Hsiu-chu könnte sie Wählerstimmen kosten und ersetzten sie durch den Parteivorsitzenden Eric Chu.

Dieser kassierte jedoch bei der Wahl Mitte Januar eine bittere Niederlage. Chu unterlag deutlich im Rennen um das Präsidentenamt gegen die Spitzenkandidatin Tsai Ing-wen von der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) und die KMT verlor zudem die Mehrheit im Parlament, mit der sie seit 2008 regiert hatte. Sie erlangte nur 35 von 113 Sitzen, die DPP gewann 68.

Umso erstaunlicher ist jetzt das Comeback von Hung Hsiu-chu bei der parteiinternen Abstimmung als Nachfolgerin des nach der Wahlpleite zurückgetretenen Eric Chu. Hung bedankte sich bei ihren Unterstützern und kündigte einen Neuanfang an. "Dank der Unterstützung von so vielen meiner Parteigenossen kann ich jetzt an die Arbeit gehen und den Grundstein legen, um unser Haus aus den Trümmern wieder aufzubauen", sagte sie.

Unterstützung aus Beijing

"Solange wir im Blick auf eine so schwierige Zukunft den nötigen Mut bewahren, werden wir jede Schwierigkeit überwinden können", rief sie ihren Anhängern zu und bat um deren Unterstützung.

Hung Hsiu-chu und die KMT streben eine Vereinigung Taiwans, dessen offizieller Name Republik China auf Taiwan (ROC) ist, mit der Volksrepublik China an.

Taipeh KMT Parteizentrale

Kuomintang-Parteizentrale in Taipeh

Deren Präsident Xi Jinping gratulierte Hung Hsiu-chu denn auch in seiner Funktion als Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas. "Wir hoffen, dass unsere beiden Parteien ein Fundament gemeinsamen Vertrauens bilden, den Austausch verstärken sowie eine friedliche Entwicklung und Stabilität über die Taiwan-Straße hinweg gewährleisten können", heißt es in seiner Grußbotschaft, in der er auf die geografische Nähe beider Länder anspielt, die nur durch die sogenannte Formosa- oder Taiwan-Straße getrennt sind.

Die Kuomintang-Partei regierte in Festland-China bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1949 durch die Kommunistische Partei. Vorausgegangen war ein blutiger Bürgerkrieg. Peking betrachtet Taiwan deshalb als abtrünnige Provinz, die - notfalls mit Gewalt - wieder unter seine Kontrolle gebracht werden muss. Beobachter rechnen damit, dass sich die Beziehungen beider Länder durch den Sieg der nach Unabhängigkeit strebenden DPP unter Tsai Ing-wen abkühlen werden.

mak/pg (rtr, ap, dpa, afp)