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Asien

Taiwan: "Die Richtung stimmt"

Wohin steuert Taiwan? Welchen Kurs schlägt die Regierung gegenüber Peking ein? Was sind die Herausforderungen der Zukunft? Diesen Fragen stellt sich der taiwanesische Präsident Ma Ying-jeou im Interview mit DW-WORLD.de

Ma Ying-jeou (Foto: AP)

Der taiwanesische Präsident Ma Ying-jeou

DW-WORLD.DE: Präsident Ma, seit Beginn ihrer Präsidentschaft haben sich die Beziehungen zwischen Taiwan und Festland-China enorm verbessert. Wie würden Sie die derzeitigen Beziehungen beschreiben?

Ma Ying-jeou : Seit dem Beginn meiner Amtszeit bemühen wir uns darum, die Beziehungen zwischen Taiwan und dem chinesischen Festland zu verbessern. Die Taiwanstraße wurde bislang als potentieller Kriegsschauplatz betrachtet. Wir würden sie gerne in einen Ort des Friedens und der Sicherheit verwandeln. Wir sind diesem Ziel schon wesentlich näher gekommen. Aber die Herausforderungen für die Zukunft sind immer noch groß und müssen behutsam vorangetrieben werden. Grundsätzlich aber stimmt unsere Richtung.

Es gibt Stimmen in Taiwan, die Sie für Ihre Politik gegenüber dem chinesischen Festland kritisieren. Was entgegnen Sie Ihren Kritikern?

Wir haben mit Festland-China bereits neun Abkommen geschlossen. All diese Verträge haben die Interessen Taiwans im Blick. Auf die Souveränität der Republik China haben sie keinen Einfluss. Im Gegenteil: Die Interessen des taiwanesischen Volkes werden gestärkt. In Taiwan zieht die Frage nach der Einheit und Unabhängigkeit stets eine endlose Kontroverse nach sich, deswegen werden wir immer kritisiert.

Adrienne Woltersdorf und Ma Ying-jeou (Foto: DW)

Ma Ying-jeou mit Adrienne Woltersdorf, Leiterin des chinesischen Programms der Deutschen Welle

Würden Sie sich mit dem chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao treffen?

Ich habe derzeit nicht vor, Hu Jintao zu treffen. Ich will es für die Zukunft nicht ausschließen, aber derzeit habe ich diesbezüglich keine konkreten Absichten. Ich würde ihn erst dann treffen wollen, wenn wir einen Konsens bei den wichtigsten Themen erzielen könnten.

Haben Sie aus der deutschen Wiedervereinigung etwas für das Verhältnis zwischen Taiwan und dem chinesischen Festland lernen können?

Das Beispiel der deutschen Wiedervereinigung kann man nicht vollständig auf Taiwan und die Volksrepublik China übertragen. Allerdings können wir vom deutschen Vorbild lernen, wie man es schafft, die schwierige Geschichte gemeinsam aufzuarbeiten und einen Neuanfang zu wagen. Ich selbst bin in den letzten 20 Jahren 15 Mal in Deutschland gewesen. Ich habe den Prozess der Wiedervereinigung intensiv verfolgt. Aber die Situation hier in Asien unterscheidet sich doch sehr von jener in Deutschland und deswegen wäre die Übernahme des deutschen Musters sehr schwer.

Präsident Ma. vielen Dank.

Ma Ying-jeou wurde am 20.5.2008 zum Präsidenten Taiwans gewählt. Der 59-Jährige gehört der Partei der Kuomintang an.

Das Interview führte Adrienne Woltersdorf
Übersetzt von Christoph Ricking
Redaktion: Gui Hao / Silke Ballweg