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Filme

Tagesschau, Tatort und Derrick: Deutschland hat ein Fernsehmuseum

Nach New York und Paris gibt es nun auch in Berlin ein Museum für TV-Kultur. Kay-Alexander Scholz war bei der Eröffnung dabei und hat sich die neue Heimat des flüchtigen Mediums angesehen.

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Das blaue Flimmern als Bildschirm-Skulptur im TV-Museum

"Fernsehen ist ab heute museumstauglich", sagte Dagmar Reim, Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg bei der Einweihung des deutschen TV-Museums am 31.5.2006 in Berlin. Sehr festlich war der Moment nicht. Die TV-Honoratioren, Museumsorganisatoren und Journalisten saßen zusammengepfercht in einem weißen Raum mit niedriger Decke. Ein roter Knopf oder ein sonst typisches Band zum Zerschneiden gab es nicht, die Blumendeko erinnerte an magere Zeiten. Die Rede und das Auftreten des Museumschefs Rainer Rother waren eher bieder als glamourös. Das Durchschnittsalter der Anwesenden war hoch, das der Ehrengäste noch höher. Darunter Loriot und Alfred Biolek. "Toll, wenn man ein Museum eröffnet, bei dem der Inhalt vor einem sitzt", sagte Reim.

"House of Moving Images"

Das TV-Museum liegt mitten am Potsdamer Platz, also im modernsten Teil Berlins, auf mehrere Etagen des Filmhauses verteilt. Zum Filmhaus gehören noch ein Kino, die Räume des Film-Museums, der Stiftung Deutsche Kinemathek und der Film- und Fernsehakademie. Die Lage ist gut, denn am Potsdamer Platz sind viele Touristen aus dem In- und Ausland unterwegs. Ins Leben gerufen wurde das Museum mit knapp vier Millionen Euro, die von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie und der EU kamen. Der Bund bezahlt die Miete für das Museum. Ein Hauptsponsor garantiert den Betrieb bis 2012.

Bilder des Fernsehens seien ein Teil des kollektiven Gedächtnisses, sagte Museums-Chef Rainer Rother zur Eröffnung. Diese These trifft sicherlich auf die noch lebenden TV-Generationen zu. Die Frage aber ist, ob sich der emotionale Gehalt dieses Erinnerungen auch auf jüngere Generationen museal übertragen lässt.

Unter den Anwesenden war nur einer, der wesentlich jünger als 30 schien. Die Frage, ob er was mit dem Museum anfangen könnte, bejahte er vehement. Es wäre doch schön, zu sehen, was in der Vergangenheit so alles passiert sei.

Heute, da Fernsehen auch on-demand abgerufen werden kann, wird das alte Leitmedium des 20. Jahrhunderts eine Rolle auf jeden Fall verlieren: Früher hat Fernsehen Alltag strukturiert. Erinnert sei an das unausgesprochene Verbot, um 20 Uhr jemanden anzurufen, weil zu dieser Zeit im deutschen Fernsehen nämlich die "Tagesschau" lief.

Eröffnung des TV-Museums in Berlin, Besucher

Futuristisches Ambiente im Zeittunnel

Historische Ereignisse finden sich in einem Themenraum, dem so genannten Zeittunnel. Hier laufen zum Beispiel Bilder vom Angriff auf die Zwillingstürme in New York, umrahmt von Texttafeln. Kulturstaatsminister Bernd Neumann fordert ein klares pädagogisches Konzept für das Museum: "Der nächste Schritt muss sein zu sehen, wie Leute das Museum annehmen und wie es auch für Gruppen und insbesondere für junge Leute und für Schulklassen zugänglicher gemacht werden kann."

On-Demand-Archiv

Für alle anderen, die nostalgischen Fernsehfans und Cineasten, ist das neue Museum auf jeden Fall eine Goldgrube. Es gibt ein halbes Dutzend TV-Lounges mit bisher 500 Sendungen aus der west- und ostdeutschen TV-Geschichte, in denen man in Ruhe im Programmarchiv herumstöbern kann. Rudi Carrells "Am Laufenden Band", die "ZDF-Hitparade" oder auch die "Shoa"-Dokumentation sind nur einen Mausklick voneinander entfernt. Der Programmfundus soll weiter ausgebaut werden. Eine Online-Präsenz des Museums gibt es bisher aus urheberrechtlichen Gründen nicht, wie Museumsleiter Peter Paul Kubitz erklärt.

Das Museum konzentriert sich auf das Programm-Angebot. Die Produktionsbedingungen und die Technik des Fernsehens bleiben außen vor. Es soll ein Ort der Wiederbegegnung sein, denn Fernsehen ist ein flüchtiges Medium.

Erinnerung an Experimente

Kein Hinweis der Macher gab es am Eröffnungsabend dazu, ob ihr Museum auch für Interessierte aus dem Ausland oder Immigranten von Bedeutung sein könnte. Auch Kulturstaatsminister Neumann sieht keine herausragende Bedeutung des Museums für die in den Raum geworfene Diskussion einer zu definierenden deutschen Leitkultur. Hier hätte das Museum keine Sonderrolle. Jedes Museum trage zur Integration bei, sagte Naumann, dessen liebste TV-Sendungen übrigens "Tagesschau", "Tatort" und "Derrick" sind.

TV-Veteran Alfred Biolek steht Impulsen, die das Museum geben könnte, eher skeptisch gegenüber: "Ich glaube, Deutschland versteht man nicht durch ein Museum. Ich glaube, dass die intelligenten Leute, die in dieses Museum gehen werden, schon ein bestimmtes Verständnis haben. Das wird durch das Museum nicht verändert. Die anderen, die Masse, die die ganzen Sachen schauen, die heute im Billig-Fernsehen laufen, lassen sich auch nicht beeinflussen in ihrem eher einfachen Denken." Trotzdem halte er das Museum für eine wunderbare Sache, da es dokumentiert, wie experimentell mit dem Möglichkeiten des Mediums in den bisherigen 50 Jahren der Fernsehgeschichte gespielt wurde. Auf die Frage nach seiner Lieblingssendung antwortete Biolek, er schaue schon seit Jahren kein Fernsehen mehr.

Wie experimentierfreudig das deutsche Fernsehen einmal war, davon kann sich der Zuschauer im Spiegelsaal überzeugen. Hier laufen alte TV-Shows, Talkrunden in Schwarz-Weiß und "Russisch für alle".

Eröffnung des TV-Museums in Berlin, Loriot

Loriot, der Altmeister des deutschen Fernsehens

Loriot, alias Vicco von Bülow, der den Deutschen Humor im Fernsehen gelehrt hat, schaffte es trotz seines hohen Alter mühelos, das Publikum zum emotionalen Höhepunkt des Abends zu führen. Seine Rede über den Sinn des Fernsehens erinnerte an Loriots Fernsehauftritte in den goldenen Fernsehzeiten der 1970er-Jahre. Viel Nostalgie lag in der Luft.

Auf die Frage, was er dem Museum wünsche, antwortete er mit einem weisen und verschmitzten Lächeln im Gesicht: "Die sollen sich später im Museum totlachen darüber, wie wir ganz früher mal ferngesehen haben."

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