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Kultur

Tagen im Glashaus

Die Hauptstadt Tansanias, Dar-es-Salaam, ist laut und chaotisch. Umso unwirklicher die Realität im Hotel und auf exklusiven Staatsempfängen. Christine Harjes berichtet von der Unesco-Bildungskonferenz.

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Impressionen auf den Strassen von Dar-es-Salaam

"Erstmal kriegst du bestimmt einen Kulturschock", hatten mich afrikanische Freunde vor meiner Reise gewarnt. Und es stimmt: die neuen Eindrücke sind verwirrend. Zwischen Bauruinen und einfachen Hütten ragen imposante Banken und Einkaufszentren mit verspiegelten Fassaden hervor. Immer geschützt von Wachpersonal. An einem Stand bietet ein alter Mann gebrauchte Plastiklatschen an. Kleine Kinder laufen zwischen den vorbeifahrenden Autos umher und versuchen durch die offenen Fensterscheiben geröstete Erdnüsse zu verkaufen. In den Straßen sind tiefe Schlaglöcher, die nach den häufigen Platzregen zu tiefen Seen werden. Die Taxen haben fast alle zersplitterte Windschutzscheiben und bleiben immer wieder auf der Straße liegen. Nur die teuren Jeeps, von denen überraschend viele durch die Stadt fahren, scheinen gut durchzukommen.

Dar-es-Salaam ist vor allem laut: hupende Autos, knatternde Motorräder und überall dröhnt Musik aus den Boxen. Von Hip-Hop über arabische Musik bis zu Adriano Celentanos italienischen Schnulzen: ohne Musik geht hier gar nichts. Direkt unter meinem Hotel ist eine indische Disko und die ganze Nacht donnern die Bässe durch mein Zimmer.

Afrikanische Musik höre ich allerdings erst auf der Unesco-Konferenz, wegen der ich in Dar-es-Salaam bin. Bei einem Empfang für die afrikanischen Bildungsminister, die sich hier treffen, tritt eine Tanzgruppe aus Tansania auf. Die ganze Situation erscheint mir völlig unwirklich. Das teure Hotel ist abgesichert wie ein Palast und könnte irgendwo auf der Welt sein. Unter weißen Baldachin-Dächern sind Berge von Essen und Cocktails angerichtet und die Gäste aus allen Teilen Afrikas stehen zum Small-Talk zusammen. Mit der Realität draußen hat das wenig zu tun.

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