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Kultur

"Tagebücher gesucht" - Kultur von unten

Sorgen, Ängste und Freuden - festgehalten in Briefen und Tagebüchern. Ehrliche Dokumente der Zeitgeschichte und Lebensarten. Das Tagebuchachiv in Emmendingen trägt die Gedanken der Deutschen zusammen.

"Schreib in dies Buch soviel du magst, was du dir denkst und keinem sagst", sagte Carl Zuckmayer einmal. Tagebücher und Briefe sind die Hüter von Geheimnissen, privater Erinnerungen und Eindrücken. Und somit lebendige Geschichte von unten - für die Gründerin des ersten deutschen Tagebucharchivs Frauke von Troschke. Sie hat 1997 im südbadischen Emmendingen einen Ort geschaffen, an dem "allerheiligstes" gesammelt und öffentlich zugänglich wird. Und jeder seine privaten Notizen einreichen kann - für die Zeitgeschichte.

Italien war Vorbild

Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Sammlung kam der gebürtigen Hamburgerin bei einem Besuch in der Toskana. Dort stiess von Troschke auf ein italienisches Tagebuchmuseum, das der Journalist Saverio Tutino vor 18 Jahren gegründet hatte. Die Idee private Dokumente zu sammeln, auszuwerten und einer Öffentlichkeit zu präsentieren, hat sie begeistert. "Da habe ich erst einmal gestaunt und mich umgehört, ob es so etwas auch in Deutschland gibt", so die begeisterte Tagebuch-Leserin gegenüber DW-WORLD.

Museum aus Eigeninitiative

Da sie nichts derartiges in Deutschland entdeckte, gründete von Troschke kurzerhand ihr eigenes Museum in ihrer Wahlheimat Emmendingen. Mit viel harter Arbeit, großer Energie und der Suche nach Sponsoren. Heute bekommt das Tagebuch-Projekt Gelder vom Land Baden-Württemberg. Die staatlichen Fördermittel ermöglichen zumindest einen festen Arbeitsplatz. Mit diesen Mitteln liess sich mittlerweile ein umfangreiches Archiv aufbauen: 650 Manuskripte, Tagebücher, Lebenserinnerungen und Briefwechsel, sind mittlerweile zusammengekommen. Und es werden immer mehr.

Geschichten, die das Leben schrieb

Die wahren Geschichten, die das Leben schreibt, seien manchmal spannender als ein Roman, so Frauke von Troschke zu DW-WORLD. Das älteste Manuskript stammt aus dem Jahr 1793. Darin beschreibt der Feldprediger Johann Heinrich Holekamp die unsäglichen Unterbringungsbedingungen zur Zeit der Koalitionskriege gegen Frankreich: "Unsere Stube war so schwarz wie ein Schornstein und die Leute so unreinlich, dass uns fast aller Appetit zu essen verging." Ein junger Handwerker aus dem Saarland beschreibt 1843 in seinem Reisetagebuch die ersten Erlebnisse mit der Eisenbahn: "Eine fürchterliche Dunkelheit durch diesen unterirdischen Weg, zuweilen durch die aus der Maschine fallenden Funken blitzartig erleuchtet und dazu dieser höllische Lärm." Auch Erinnerungen ausgewanderter Deutscher sind in dem kuriosen Archiv nachzulesen.

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