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Aktuell Amerika

Tagebücher des Hitler-Vertrauten Rosenberg gefunden

Alfred Rosenberg galt als Chefideologe der Nazis. In den USA wurden 400 Seiten seines handgeschriebenen Tagebuchs aus den Kriegsjahren entdeckt. Neue Erkenntnisse über den deutschen Faschismus und den Holocaust?

17 Jahre lang hatte der Archivar gewühlt: "Und da draußen könnte es noch mehr Material geben", sagte Henry Mayer vom Washingtoner Holocaust-Museum bei der Pressekonferenz. Stolz wurden in Wilmington (US-Bundesstaat Delaware) die lange verschollene Tagebücher und Dokumente des NS-Chefideologen und -Propagandisten Alfred Rosenberg präsentiert.

Die 400 Seiten gewährten einen weiteren Einblick in "eines der größten Unrechte unserer menschlichen Geschichte", kommentierte der Chef der US-Zollbehörde ICE, John Morton, bei der Vorstellung des spektakulären Funds. Die amerikanischen Behörden sind von der Echtheit der Dokumente überzeugt. Die Papiere sollen an das Holocaust-Museum in Washington gehen und dort der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden.

Szene von der Anklagebank bei den Nürnberger Prozessen (Ullstein-Bild/ Chronos)

Nach den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen waren die Tagebücher verschollen

Rosenberg galt als enger Vertrauter Adolf Hitlers und prägte mit seinen Schriften die Rassentheorien der Nationalsozialisten. Er gehörte zum inneren Führungszirkel der NSDAP. Als Reichsminister für die "besetzten Ostgebiete" war er für die Ermordung von Millionen Juden verantwortlich. Außerdem war Rosenberg maßgeblich am systematischen Raub von Kulturgütern in Osteuropa beteiligt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt und 1946 hingerichtet. Die Ankläger hatten ihn als "Hitlers Weltanschauungschef" und "geistigen Priester der Herrenrasse" bezeichnet.

Neue Einblicke in Ideologie und Psyche der Nazis?

Rosenbergs Tagebücher hatten bei den Prozessen als Beweismittel gedient und waren danach verschwunden. Nach Angaben der US-Stellen befanden sie sich zunächst im Besitz des deutschen Anwalts Robert Kempner, der während des Krieges in die USA geflohen war und später bei den Nürnberger Prozessen als US-Ankläger arbeitete. Anschließend habe Kempner die Nazi-Dokumente zurück in die USA geschmuggelt. Nach Kempners Tod 1993 waren einige Aufzeichnungen aufgetaucht, der größte Teil der Tagebücher blieb aber verschollen. Ende 2012 wurden die US-Behörden durch den Hinweis eines Mitarbeiters des Holocaust-Museums wieder auf die Spur gebracht.

Die handschriftlichen Aufzeichnungen Rosenbergs stammen aus den Jahren 1934 bis 1944. Außerdem tauchten offizielle Dokumente wie Aktennotizen und Lageberichte aus dem persönlichen Archiv der Nazi-Größe auf. Historiker erhoffen sich nun neue Erkenntnisse über die Judenvernichtung im Dritten Reich. "Um zu verstehen, warum der Holocaust geschah, ist Material von großer Bedeutung, das sowohl das Handeln von Tätern als auch von Opfern dokumentiert", erklärte Sara Bloomfield, Direktorin des Washingtoner Holocaust-Museums.

SC/haz (afp, APE, dpa)