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Tag

Für sonntags die guten Schuhe und für werktags die normalen – das war einmal so. Da gab es noch Bade- und Fischtage. Und jetzt? Ein Tag scheint wie der andere in einer Zeit, in der sogar die Nacht zum Tage gemacht wird.

"Carpe diem! Nutze den Tag!", rief einst Horaz. Ob der alte Philosoph ahnte, wie schwer es fällt, seinem Appell tagtäglich, also jeden Tag zu folgen? Das hängt doch sehr von der Tagesform ab...

Den Tag nutzen – aber wie?

Für manchen, der tagein, tagaus das Gleiche macht, sein Tagwerk verrichtet, also arbeitet, für den ist der Tag von Nutzen, wenn er aus diesem alltäglichen Einerlei einmal ausbrechen kann - vorausgesetzt das Geld reicht: ob beim Angestellten der Monatslohn oder beim Gelegenheitsarbeiter, früher auch Tagelöhner genannt, der Tageslohn.

"Haltet den Dieb, den Tagdieb!" Der so Gescholtene begeht ein kapitales Verbrechen: er stiehlt dem lieben Gott den Tag. Das bedeutet: er ist ein Faulenzer. Nicht, dass der Tagdieb keine Ideen hätte, bloß er setzt sie nie um bzw. wartet bis zum "St. Nimmerleins-Tag". Oder unwesentlich kürzer: bis zum Tag des Jüngsten Gerichts. "Morgen ist auch noch ein Tag" lautet das Motto des Tagdiebs, der vielleicht aber auch ein Lebenskünstler ist. Denn: ist es nicht gleichfalls eine löbliche Form des "Carpe diem", einfach so in den Tag hinein zu leben?

Lobe den Tag nicht vor dem Abend

Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben. Vielleicht legt der Tagdieb Eigenschaften an den Tag, die man noch nicht an ihm kannte. Und urplötzlich – von einem Tag auf den anderen – sieht alles ganz anders aus. Noch ist nicht aller Tage Abend, wusste bereits der römische Schriftsteller Livius. Das mag für eine Eintagsfliege recht sarkastisch klingen. Ihr bleibt die Einsicht, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte. Ein zugegebenermaßen pessimistisches Lebensmotto, allerdings ist das Verfallsdatum der Eintagsfliege ein tägliches.

Heute kann, wer eine Tagesreise unternimmt, einmal um die ganze Erde kommen - wenn er will. Wer vor hundert Jahren eine Tagesreise unternahm, kam beim besten Willen nicht annähernd so weit, obwohl die Tage früher auch nicht kürzer waren. Tage erscheinen unterschiedlich. Was für den einen ein großer Tag ist, ist für den zweiten ein vertaner Tag, für den dritten, pardon, ein Scheißtag.

Was ist ein Tag?

Jeder Tag dauert 24 Stunden. Wenn man sagt, dass die Tage kürzer werden, dann ist damit nur gemeint, dass die Tageslichtdauer nach dem Sommer zusehends kürzer wird. Mit "Tag" ist dann der Tagesteil gemeint, der die Nacht ausschließt, das berührt nicht die 24-stündige Länge, also die Gesamtdauer... was wollte ich eigentlich sagen? Jaja, ich rede viel, wenn der Tag lang ist. Manchmal habe ich damit meine Probleme, wenn ich Worten keine Taten folgen lasse. Und andere "ewig und drei Tage" warten müssen...

Manche Leute haben einen Halbtagsjob, manche einen 15-Stunden-Tag. Weil manche lieber die Vier-Tage-Woche hätten, schauen sie drein, als hätten sie beim Sechs-Tage-Krieg mitgemacht oder sie schauen drein wie sieben Tage Regenwetter… - wie gesagt: ich erzähle viel, wenn der Tag lang ist. Zurück zur Tagesordnung: Sagt einer, etwas passiere dieser Tage, dann wird es demnächst passieren, und sagt er, etwas passierte dieser Tage, dann geschah es neulich, in den letzten Tagen.

Die Tage sind gezählt

Irgendwann kommen für jeden die letzten Tage. Diese Gewissheit kann man heiter nehmen, "jaja auf meine alten Tage buche ich am besten keine Weltreise mehr". Aber angenehm ist es nicht, wenn es einem dämmert: Meine Tage sind gezählt - ein Satz, der einer Eintagsfliege keine Angst macht. Aber uns. Der "Tag", seine gefühlte Länge, seine Bedeutungsfülle - selbst die Brüder Grimm gestanden ein: unmöglich sei – Zitat- "eine erschöpfende behandlung des unendlich oft und in zahllosen redewendungen gebrauchten wortes."

Deswegen kein Wort zur Tagescreme, die man dick aufträgt, und zur Tageszeitung, die gerne dick aufträgt, und zur Tagessuppe, die man dem Gast gerne aufträgt. Bedeutungen so unterschiedlich wie – nun ja - Tag und Nacht. Sicher, Erstaunliches könnte man da noch zu Tage bringen oder zu Tage fördern. Wie die Kohle, die nämlich unter Tage, in der ewigen Schwärze des Kohleschachts liegt, dort, wo es niemals tagt.

Tagen bis tief in die Nacht...

Ansonsten tagt es ja überall. Es dämmert, und was die Sonne – im übertragenen Sinn - an den Tag bringt, ist nicht immer schön. Da werden dunkle Angelegenheiten erhellt und damit ein Fall für das Gericht. Das tagt dann. Es verhandelt, kommt zu einem Urteil oder es setzt einen neuen Termin an, d.h. es vertagt sich. Der Bundestag tagt übrigens auch. Sogar abends sitzen junge und betagte Abgeordnete beisammen. Die Ergebnisse stehen dann in der Tageszeitung, oder sind später nachzulesen in irgendwelchen Memoiren, Tagebüchern. Über seins sagte Oscar Wilde einst: "Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben." Na, dann: Guten Tag.


Fragen zum Text

Mit welcher Redewendung zeigen Sie, dass Sie skeptisch sind?

1. Nutze den Tag.

2. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

3. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Wer dreinschaut wie sieben Tage Regenwetter, ...

1. sieht traurig aus.

2. sieht müde aus.

3. sieht glücklich aus.

Wenn Politiker tagen, ...

1. treffen sie sich, um miteinander zu verhandeln.

2. nehmen sie sich ein paar Tage frei.

3. arbeiten sie 24 Stunden am Stück.

Arbeitsauftrag

Wie sieht Ihr perfekter Tag aus? Schildern Sie in einem kurzen Text, was Sie zu welcher Tageszeit am liebsten machen würden, wenn Sie einen ganzen Tag frei haben.

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