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Politik

"Tag des Zorns" auch im Jemen

Zehntausende von Regierungsgegnern protestieren mit einem "Tag des Zorns" gegen den jemenitischen Präsidenten Saleh. Aber auch Unterstützer des Staatschefs gehen auf die Straße.

Regierungsgegner mit Spruchbändern in der Hauptstadt Sanaa (Foto: dapd)

Die Opposition will den Rücktritt des Präsidenten

Wie in Ägypten gehen jetzt auch im Jemen die Menschen zu Tausenden gegen ihre Regierung auf die Straße. "Heute werden wir den Druck auf Präsident Ali Abdullah Saleh verstärken. Er muss der Opposition weitere Zugeständnisse machen", betonte Wael Mansour, einer der Organisatoren der Demonstration in der Hauptstadt Sanaa. Zehntausende versammelten sich am Donnerstag (03.02.2011) an der Universität. Das Oppositionsbündnis JMP hatte zum "Tag des Zorns" aufgerufen.

Anhänger und Gegner gehen sich aus dem Weg

Die Menge skandierte: "Das Volk will einen Regime-Wechsel" und "Nein zu Korruption - Nein zur Diktatur". Ursprünglich hatten sich die Regierungsgegner auf dem zentralen Tahrir-Platz versammeln wollen, der den gleichen Namen trägt wie der Schauplatz der Proteste in Ägyptens Hauptstadt Kairo.

Allerdings marschierten dort in den frühen Morgenstunden bewaffnete Anhänger des seit 32 Jahren herrschenden Präsidenten auf und errichteten Zelte. Augenzeugen berichteten, weitere Unterstützer Salehs seien mit Bussen zum Platz gebracht worden. "Ja zum Präsidenten - Nein zum Aufruhr", stand auf ihren Spruchbändern. Die Opposition verlegte daraufhin ihren Kundgebungsort, um blutige Ausschreitungen wie in Kairo zu vermeiden.

Protestierende Frauen in Sanaa (Foto: DW)

In den vergangenen Tagen gingen fast täglich wütende Einwohner auf die Straße

Auch in anderen Städten fanden Kundgebungen statt. In Aden hinderten Sicherheitskräfte Regierungsgegner daran, sich einigen tausend Demonstranten im Zentrum anzuschließen.

Bereits seit mehreren Wochen protestieren Anhänger der Opposition im Jemen, ermuntert durch den Sturz des tunesischen Präsidenten und den Volksaufstand in Ägypten, gegen Saleh, die schlechten Lebensbedingungen und gegen Korruption.

Saleh trotz Versprechen in Bedrängnis

Am Mittwoch hatte der 68-jährige Staatschef noch versucht, mit Zugeständnissen weitere Proteste zu verhindern. Er kündigte an, 2013 nicht für eine weitere Amtszeit zu kandidieren und legte damit auch die umstrittene Reform der Verfassung auf Eis, die ihm die Herrschaft auf Lebenszeit sichern sollte.

Der Präsident versprach außerdem, dass sein ältester Sohn Ahmed, der einen Chefposten bei der Armee innehat, sich nicht für das höchste Amt im Staat bewerben wird.

Obama versichert dem Jemen seine Unterstützung

Präsident Salah (Foto: AP)

Noch will Staatschef Saleh nicht weichen

US-Präsident Barack Obama, der in jüngster Zeit mehrfach Kontakt zu arabischen Führern aufnahm, telefonierte mit dem jemenitischen Präsidenten. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Saba lobte Obama das Vorgehen Salehs. Der US-Präsident habe sich zuversichtlich gezeigt, dass beide Länder auch künftig in enger Partnerschaft zusammenarbeiten würden, hieß es weiter.

Der Jemen ist ein enger Verbündeter der USA im Kampf gegen Al-Kaida-Kämpfer. Die Terroristen haben sich dort Rückzugsgebiete eingerichtet und in den vergangenen Jahren in der Region mehrfach Anschläge auf ausländische Ziele verübt.

Das Land gilt als ärmster Staat der arabischen Halbinsel. Nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen muss fast jeder Zweite der 23 Millionen Einwohner mit weniger als umgerechnet 1,45 Euro pro Tag auskommen. Ein Drittel der Bevölkerung ist chronisch unterernährt.

Autorin: Susanne Eickenfonder (afp, rtr, ap, dpa)

Redaktion: Martin Schrader

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