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Aktuell Deutschland

Tag der Wahrheit bei der Bahn?

Im Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn könnten die Weichen an diesem Donnerstag entscheidend gestellt werden. Eine Schlichtung erscheint doch noch möglich, es droht aber auch ein Doppelstreik.

Für die Deutsche Bahn und ihre streikgeplagten Kunden stehen an diesem Donnerstag wichtige Entscheidungen an.

Gelingt mit der GDL doch noch der Einstieg in eine Schlichtung, könnte der flächendeckende Streik der Lokführer kurzfristig und das heißt innerhalb eines Tages gestoppt werden. Gleichzeitig stehen "finale Verhandlungen" der Bahn mit der größeren Gewerkschaft EVG an, die ebenfalls mit Streik droht, falls sie mit ihren Vorstellungen nicht durchdringt.

Ihr Chef Alexander Kirchner sagte der "Passauer Neuen Presse" die Kolleginnen und Kollegen wollten jetzt ein Ergebnis. Man strebe eine Einigung am Verhandlungstisch an. "Wenn das nicht machbar ist, werden auch wir in den Arbeitskampf gehen", fügte der Gewerkschaftschef hinzu. Die angebotenen 4,7 Prozent mehr Lohn seien "weit von dem entfernt, was für uns akzeptabel wäre".

Gespräche bis tief in die Nacht

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber und GDL-Chef Claus Weselsky berieten unter Mithilfe des früheren Bundesarbeitsrichters Klaus Bepler darüber, wie man nach vielen vergeblichen Bemühungen doch noch in die Schlichtung kommen kann. Bis in die Nacht saßen sie in Frankfurt zusammen, wie ein Bahnsprecher am frühen Donnerstagmorgen sagte. Beide Seiten vereinbarten Stillschweigen über den Stand der Gespräche.

Die GDL beharrt auf ihrem Recht, eigene Tarifverträge für ihre Mitglieder abzuschließen. Wenn die Tarifautonomie für die Einzelgewerkschaft gesichert sei, könne es ein Schlichtungsverfahren über die Streitpunkte wie den prozentualen Lohnzuwachs und die Arbeitszeitenregelung geben, sagte Weselsky der "Bild"-Zeitung.

Er mahnte die Arbeitgeberseite zu einer raschen Einigung - "denn jeder Streiktag ohne Lösung ist einer zu viel". Durch ihren Kurs im Tarifstreit habe die Bahn 400 Millionen Euro "verbrannt", die nun bei Instandhaltung von Schienen, Brücken und Straßen fehlten. Seine Gewerkschaft könne den Streik aber auch weiterführen: In der Streikkasse der GDL sei mehr Geld "als das Management der Deutschen Bahn und die Reisenden sich wünschen", sagte Weselsky.

Ersatzfahrpläne für viele nur ein schwacher Trost

Wie in den vorangegangenen Streikrunden hat die Bahn Ersatzfahrpläne aufgestellt. Dem Unternehmen zufolge rollte im Fernverkehr etwa ein Drittel der sonst üblichen Züge. Im Regionalverkehr würden je nach Bundesland 15 bis 60 Prozent des üblichen Verkehrs angeboten. Auch über das Pfingstwochenende werde stabil nach Ersatzfahrplan gefahren, kündigte die Bahn an.

Die Lokführer hatten in der Nacht zum Mittwoch ihren mittlerweile neunten Streik seit September auf die Personenzügen ausgedehnt. Seit Dienstag wird bereits der Güterverkehr bestreikt, ohne dass die GDL bislang ein Ende genannt hätte. Zu Beginn des langen Wochenendes zu Pfingsten drohen nicht nur wegen des Bahnstreiks hohe Preise für Mietwagen, volle Fernbusse und Rekord-Staus auf den Straßen. Verkehrsexperten warnten, es seien alle "Zutaten" für Superstaus vorhanden.

haz/se (dpa, afp)