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Europa

Tag der Versöhnung

60 Jahre nach dem D-Day haben die einstigen Weltkriegsgegner erstmals gemeinsam der Landung der Alliierten in der Normandie gedacht. An den Feiern nahm mit Gerhard Schröder erstmals ein deutscher Bundeskanzler teil.

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Deutsch-französische Umarmung am D-Day


Die internationale Gedenkfeier zum Jahrestag der Alliierten-Landung an der Normandie-Küste stand im Zeichen der Aussöhnung der Völker. Staats- und Regierungschefs aus 17 Ländern waren nach Frankreich gereist, darunter US-Präsident George Bush, der russische Präsident Wladimir Putin, Großbritanniens Premier Tony Blair sowie die britische Königin Queen Elizabeth. Bei der Hauptzeremonie in Arromanches saß neben dem britischen Regierungschef Tony Blair ein ganz besonderer Gast in der zweiten Reihe: Bundeskanzler Gerhard Schröder, der als erster deutscher Regierungschef zum Jahrestag des D-Day eingeladen war.

Die eigentlichen Helden

Am 6. Juni 1944 waren Truppen aus den USA, Großbritannien, Kanada, Australien und andere Ländern im Zuge der Operation “Overlord“ an den Stränden der Normandie gelandet. Rund 57.000 alliierte Soldaten wurden getötet, mehr als 150.000 verletzt. Die USA stellten den Hauptteil der Streitkräfte. Mit der Landung der Alliierten an der französischen Küste begann die Befreiung Frankreichs von der deutschen Besatzung.

Die Helden von damals waren auch diesmal die Helden: Mehr als 10.000 zum Teil hochbetagte alliierte Veteranen waren noch einmal in die Normandie gekommen, wo sie von Ehrung zu Ehrung gereicht wurden. Die meisten von ihnen dürften den nächsten runden Jahrestag der Landung im Jahr 2014 nicht mehr erleben. 14 von ihnen – aus jeder der an der Operation Overlord beteiligten Nationen einer - wurden in Arromanches vor den Augen der Weltöffentlichkeit von Chirac zu Rittern der Ehrenlegion geschlagen. 133 Veteranen defilierten zum Auftakt der Zeremonie zur Musik des Hollywood-Films “Der längste Tag“ vor der Ehrentribüne, einige von ihnen mussten im Rollstuhl geschoben werden.

Dank an Alliierte und an Veteranen

Frankreichs Präsident Jacques Chirac dankte in seiner Ansprache den Alliierten für ihren Einsatz zur Befreiung Europas von den Nationalsozialisten. “Es gibt keine Zukunft ohne Erinnern“, sagte der französische Staatspräsident Jacques Chirac im französischen Arromanches “Euer Kampf ist für uns Verpflichtung, Vorbild und Aufgabe“, sagte Chirac an die Adresse der anwesenden Veteranen. Er neige sein Haupt vor den “Kämpfern in der Finsternis“, die unter anderem sein Land, das “Feuer und Stahl“ ausgeliefert war, befreit haben.

Chirac betonte außerdem die Verbindung zwischen Frankreich und den USA. Sein Land werde niemals vergessen, was es den Vereinigten Staaten schulde, sagte Chirac und beendete damit nach Meinung von Beobachtern die Verstimmung zwischen den beiden Ländern im Zusammenhang mit dem Krieg im Irak. Denn auch US-Präsident Bush bekannte sich zur engen Partnerschaft Frankreichs und der USA. Bush sagte auf dem Soldatenfriedhof von Colleville: “In den Prüfungen und Opfern des Krieges wurden wir untrennbare Verbündete.“

“Im Hass liegt keine Zukunft“

Der französische Präsident Jacques Chirac ging in seiner kurzen Ansprache ausführlich auf den einstigen Erzfeind Deutschland ein. “Es war mein Wunsch, dass sich Deutschland Seite an Seite mit uns erinnert“, begründete Chirac seine Einladung an Schröder. Seit mehreren Jahrzehnten bauten die “eingefleischten Feinde von gestern“ an ihrer Gegenwart und blickten gemeinsam in die Zukunft. Frankreich und Deutschland, die sich einst erbittert bekämpften und nun gemeinsam die Gegenwart und die Zukunft meisterten, seien für die ganze Welt ein Beispiel, wie Feindschaft überwunden werden könne. Die beispielhafte deutsch-französische Aussöhnung zeige, “dass im Hass keine Zukunft liegt, dass es immer einen Weg für den Frieden gibt“, sagte der französische Staatschef.

Im Anschluss an die internationale Zeremonie in Arromanches legte der Kanzler auf dem Soldatenfriedhof Ranville zwei Kränze nieder. Schröder ehrte zunächst die etwa 2.200 Gefallenen aus Großbritannien und anderen Commonwealth-Staaten mit einem Kranz und ging dann an das Grab eines unbekannten deutschen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Auch dort verharrte er nach der Kranzniederlegung. 322 deutsche Soldaten sind auf dem Friedhof bestattet. Damit bewies der Kanzler Takt und Zurückhaltung: Er verzichtete trotz Protesten der Opposition im deutschen Bundestag auf eine Kranzniederlegung auf dem deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe, wo auch tausende Tote der in Frankreich verhassten Waffen-SS liegen.

Aus der Vergangenheit lernen

Anlässlich einer deutsch-französischen Gedenkfeier zum Abschluss des Tages verlieh Chirac dem Wunsch Ausdruck, dass das deutsch-französische Paar weiter Europas 'Motor' bliebe. Im Mémorial von Caen betonten sowohl Schröder als auch Chirac, die Konsequenz aus der Vergangenheit könne nur ein freies und demokratisches Europa sein. Mit der Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich sei der “einzige Weg“ beschritten worden, der den Frieden für Europa sichern konnte. Auch Schröder hielt eine kurze Ansprache, in der er sich “Verantwortung vor der Geschichte“ bekannte. “Es ist nicht das alte Deutschland jener finsteren Jahre, das ich hier vertrete“, sagte der nur wenige Monate vor der Landung der Alliierten geborene Kanzler. “Mein Land hat den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völkergemeinschaft gefunden.“ Er verneige sich vor den Toten des 6. Juni 1944. Sie mahnten Europa und besonders Deutschland “Rassismus, Antisemitismus und totalitären Ideologien“ zu widerstehen. (am)

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