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Aktuell Nahost

Tag der Trauer nach Anschlägen in Tripoli

Einen Tag nach dem verheerenden Doppelanschlag von Tripoli herrschte im Libanon Staatstrauer. Hinter den Anschlägen soll die Schiiten-Miliz Hisbollah stehen.

Die meisten Geschäfte und Büros im sunnitisch geprägten Tripoli blieben geschlossen, schwarze Bänder hingen an den Gebäuden rings um die Anschlagsorte. Autos waren kaum unterwegs. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden stark erhöht, Soldaten patrouillierten zu Fuß und in gepanzerten Fahrzeugen auf den Straßen. Vor politischen und religiösen Einrichtungen standen Bewaffnete in Zivil. Am Ortseingang der Hafenstadt entdeckten Sicherheitskräfte eine weitere Bombe. Details wurden nicht bekannt. Während einige Familien sich angesichts der schlimm zugerichteten Leichen für eine nächtliche Beerdigung entschieden hatten, wurden andere Opfer erst nach dem Mittagsgebet beigesetzt.

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Nach den Anschlägen - Libanon befürchtet Eskalation

Unbekannte hatten am Freitag vor zwei sunnitischen Moscheen in der Stadt Sprengsätze gezündet. Einige Opfer wurden durch die Gewalt der Explosionen bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, so dass noch nicht alle identifiziert werden konnten. Uneinigkeit herrscht über die Zahl der Opfer. Während die nationale Nachrichtenagentur von 45 Toten ausgeht, spricht der Bürgermeister von Tripoli, Nader Ghazal von 50 Getöteten. 800 Menschen seien verletzt worden, sagte der libanesische Innenminister Marwan Charbel.

Schuldzuweisungen

Unterdessen machte die Extremistengruppe "Al-Kaida im Islamischen Maghreb" die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon für das Blutvergießen verantwortlich und kündigte Rache im Namen der Sunniten an. Der Imam einer der betroffenen Moscheen machte das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad für die Anschläge verantwortlich. Die Hisbollah hat die Anschläge bereits am Freitag scharf verurteilt und jede Verantwortung zurückgewiesen. Bislang hat sich niemand zu den Taten bekannt.

Es war der zweite große Terroranschlag im Libanon innerhalb von zwei Wochen und der blutigste seit dem Ende des Bürgerkriegs 1990. Erst am 15. August waren bei der Explosion einer Autobombe in einer Hochburg der Hisbollah in einem Vorort von Beirut 24 Menschen getötet worden. Die Miliz hatte nach dem Anschlag Rache geschworen.

Der Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien hat auch die Spannungen im Libanon zwischen den politischen Parteien der Sunniten und der Hisbollah verschärft. Die Hisbollah kämpft an der Seite Assads, während die meisten Sunniten die Rebellen unterstützen.

Als Reaktion auf die Anschläge hat das Auswärtige Amt in Berlin seine Reisehinweise verschärft und warnt nun mit Nachdruck vor Reisen in den Nordlibanon. Auch vom Besuch einiger palästinensischer Flüchtlingslager innerhalb des Libanon rät das Amt dringend ab.

gmf/cw (afp, dpa)

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