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Politik

Tag der Gartenarbeit für die Datscha?

Ein Duma-Abgeordneter hat vorgeschlagen, zwei zusätzliche freie Tage an den nahenden 1. Mai anzuhängen. Sein Argument: Schrebergartenbesitzer könnten die Zeit nutzen, um ihre Datscha aus dem Winterschlaf zu holen.

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Alexandra von Nahmen

Zusätzliche Kosten würden keine entstehen, versichert der Abgeordnete der kremlnahen Partei "Einiges Russland", Grigorij Anikejew, der den Gesetzentwurf in die Duma eingebracht hat. Denn nach seinem Willen sollen die zwei Tage von den insgesamt fünf Feiertagen rund um Neujahr abgeknapst werden. Damit wären die arbeitsfreien Tage sinnvoller über das Jahr verteilt, meint Anikejew, und alle Datscha-Besitzer hätten mehr Zeit, um ihren Schrebergarten nach dem langen Winter auf Vordermann zu bringen.

Im April beginnt in ganz Russland die Datscha-Saison. Auch die Moskauer fahren dann mit einem der zahlreichen Vorortzüge oder mit dem Auto ins Umland; überprüfen, was ihnen über den Winter aus ihren Gartenhäuschen entwendet wurde; ziehen das Zeitungspapier aus den Ritzen, die es gegen die Kälte abzudichten galt; und überstreichen den abblätternden Hausanstrich mit einer neuen Farbschicht.

Erst dann graben sie nach und nach die Erde ihres Gartens um, pflanzen Kartoffeln, Karotten und Rote Beete. Das alles braucht Zeit. Zeit, die zwei zusätzliche Feiertag einbrächten.

Ganz alte Tradition

Der Vorschlag des Duma-Abgeordneten kommt nicht von ungefähr, denn der Schrebergarten hat in Russland eine Tradition, die bis zu Peter dem Großen zurückreicht. Ursprünglich bedeutet das Wort Datscha "vom Zaren zugeteilte Gabe an Grund und Boden". So schenkte Peter der Große den ihm treuen Gefolgsmännern kleine Parzellen im Grünen.

Richtig populär wurde die Datscha aber erst mit der Verstädterung im 20. Jahrhundert. Die Holzhäuschen fungierten als Wochenend- und Ferienresidenz. Das kleine Stück Land versorgte ganze Familien mit frischem Gemüse, Beeren und Früchten – auch dann, wenn die Regale mal wieder leer waren. Seinen Höhepunkt erreichte der Datscha-Boom in den 1980er-Jahren.

Feiertage sollen gerecht sein

Noch heute ist Russland die Nation mit den meisten Zweitwohnungsbesitzern, und die Aussage "die Gurken kommen aus dem Garten" gilt nach wie vor als uneingeschränktes Qualitätsmerkmal.

Dennoch ist die Meinung zu den verlängerten Maifeiertagen geteilt. Nicht alle hätten schließlich eine Datscha, hieß es bei einer Zuhörerdiskussion auf Radio Russland von den Befürwortern langer Winterferien.

Andere meinten, dass auch die Neujahrsferien irgendwie ungerecht seien. Schließlich kämen sie nur den Menschen zugute, die genug Geld hätten, um über Neujahr dorthin zu fahren, wo man die freie Zeit tatsächlich auch genießen könne.

Bis zum 1. Mai wird über den Gesetzentwurf wohl kaum entschieden, aber das Thema scheint hier durchaus wichtig zu sein. So sorgt der russische Staat auch dafür, dass kein freier Tag verloren geht: Fällt ein Feiertag auf einen Samstag oder Sonntag, ist ersatzweise der folgende Werktag arbeitsfrei.