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Politik

Tag der Deutschen Einheit

Nach mehr als 40-jähriger Teilung wurden die Bundesrepublik Deutschland und die DDR am 3. Oktober 1990 wieder vereinigt. Ein Tag der Freude, mit dem sich gleichwohl einige Parameter der deutschen Politik änderten.

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13 Jahre sind seit der deutschen Wiedervereinigung vergangen - 13 Jahre, in denen die Deutschen in Ost und West Gelegenheit hatten, sich gegenseitig kennen zu lernen. Und abseits von allen nach wie vor vorhandenen wirtschaftlichen Problemen in den neuen Ländern, laufen zwei scheinbar gegenläufige Prozesse zeitgleich ab: Das Zusammengehörigkeitsgefühl in Ost und West wächst, und die Distanz hält an. Versteht man den Begriff der Nation als Synonym für eine solidarische Schicksalsgemeinschaft, so hat sich Deutschland zum Beispiel im vergangenen Jahr als Nation erwiesen: Die Hilfsbereitschaft angesichts des Hochwassers an der Elbe übersprang mit großer Selbstverständlichkeit die Grenze zwischen alten und neuen Bundesländern. Parallel dazu zeigen die Westdeutschen aber nur wenig Neugier, das Leben ihrer ostdeutschen Landsleute zur Zeit der DDR kennen zu lernen. Dabei kann man beileibe nicht behaupten, dass - über wohlbekannte Klischees hinaus - von hinreichendem Wissen die Rede sein kann.

Wichtig wäre das allerdings. Denn die sehr unterschiedliche Sozialisierung der Menschen in den beiden deutschen Staaten hatte naturgemäß Folgen, die weit über den 3. Oktober 1990 hinaus reichten. Und das Leben Einzelner lässt sich eben nicht in die handliche Form von Klischees pressen. Gegenseitiges Verstehen verlangt mehr. Vor diesem Hintergrund steht denn auch die von manchem Fernsehsender gepflegte DDR-Nostalgie. Sie äußert sich etwa in Shows, die eben auch das Alltagsleben der DDR-Bürger zum Thema haben. Und es gibt offensichtlich ein Bedürfnis, sich damit zu beschäftigen - nur dass die Westdeutschen daran wenig Anteil nehmen. So werden die Grenzen, gerade die in den Köpfen, erst dann gänzlich schwinden, wenn die Generation der heutigen Kinder und Jugendlichen das Erwachsenenalter erreicht hat.

Diese Altersgruppe wächst zudem in einem Deutschland auf, das sich an eine neue Rolle in der Weltpolitik heran arbeitet. Während sich die alte Bundesrepublik unter Hinweis auf die deutsche Teilung und ihre beschränkte Souveränität auf der Weltbühne eine gewisse Zurückhaltung auferlegen konnte und auch musste, ist das vereinigte Deutschland nunmehr richtig und vielfach gefordert - sei es mit militärischen Einsätzen auf dem Balkan oder in Afghanistan. Und neben diesem Engagement steht auch ein gewachsenes Selbstbewusstsein, das sich etwa bei der Ablehnung des Irak-Krieges durch die Bundesregierung zeigte. Der deutliche Widerspruch gegen die Politik der US-Regierung zeugt von einer Grundhaltung, die jedenfalls in ihrer Offenheit früher nicht vorstellbar gewesen wäre. Auch das ist ein Resultat der Wiedervereinigung, die die Erwartungen an Deutschland ebenso wachsen ließ wie sie sein inneres soziales Gefüge änderte.

Und so sehr die Anforderungen wachsen, so sehr sind ebenfalls Verlässlichkeit und Stetigkeit gefragt - etwa, wenn es um die Rolle Berlins in der EU oder die Pflege der deutsch-französischen Freundschaft geht. Diese Aufgaben sind nicht kleiner geworden, sie stehen gleichwertig neben dem inneren Zusammenwachsen Deutschlands. Und beiden Bereichen ist gemeinsam, dass sie keinen fixen Endpunkt haben, sondern auf lange Sicht Daueraufgaben bleiben.