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Aktuell Nahost

Tag der Appelle am Nil

Angesichts der politischen Krise haben sowohl die Armee als auch die islamistischen Muslimbrüder die Ägypter zum friedlichen Dialog aufgerufen.

Ein Dialog sei der "beste und einzige Weg, eine Einigung zu erreichen", erklärten die ägyptischen Streitkräfte in ihrer ersten offiziellen Reaktion auf die Krise. Ansonsten werde das Land in einen "dunklen Tunnel mit katastrophalen Folgen" geraten, und dies könne die Armee nicht zulassen. Die Erklärung ist die bislang deutlichste Stellungnahme des Militärs in dem Machtkampf zwischen den verfeindeten Lagern. Sie sei aber nicht als Signal zu verstehen, dass die Armee vorhabe, auf die politische Bühne des Landes zurückzukehren, wurde im Umfeld von Offizieren betont.

Mursi bei Referendum kompromissbereit

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Ägyptisches Militär bezieht Stellung

Auch der geistige Führer der islamistischen Muslimbruderschaft rief die Ägypter zum friedlichen Dialog auf. Der beste Weg aus der gegenwärtigen politischen Krise führe über die Wahlurnen, erklärte Mohammed Badie. Die Anhänger der Muslimbruderschaft seien indes nicht für die jüngsten gewaltsamen Ausschreitungen verantwortlich, bei denen am Mittwoch vor dem Präsidentenpalast mindestens sechs Menschen getötet wurden. Anhänger und Gegner von Präsident Mohammed Mursi hatten sich dort blutige Straßenschlachten geliefert.

Der von der Muslimbruderschaft und ihren islamistischen Verbündeten unterstützte Mursi hatte die Opposition für diesen Samstag zu Gesprächen eingeladen. Dieser Aufruf war aber von der Opposition als "nicht ernsthaft" zurückgewiesen worden. Mursi seinerseits lehnt es bisher ab, auf die Forderungen der liberalen und säkularen Kräfte einzugehen, welche die Rücknahme eines Dekrets verlangen, mit dem Mursi vor zwei Wochen eigenmächtig seine Befugnisse erweitert hatte. Zudem fordern sie, dass die für den 15. Dezember angesetzte Volksabstimmung über die umstrittene Verfassung verschoben wird. In diesem Punkt zeigte sich Mursi zuletzt verhandlungsbereit.

Lage am Präsidentenpalast beruhigt

In der Nacht zum Samstag beruhigte sich die Lage vor dem Präsidentenpalast in Kairo zunächst wieder. Rund hundert Demonstranten harrten am Morgen noch vor dem Amtssitz im nördlichen Viertel Heliopolis aus, während Soldaten mit Panzern und Stacheldraht den Zugang zu der Anlage abriegelten.

Der geistige Führer der Muslimbruderschaft in Ägypten, Mohammed Badie (Foto:AFP/Getty Images)

Mohammed Badie, der Anführer der ägyptischen Muslimbrüder

Am Vorabend hatten sich mehr als 10.000 Gegner Mursis vor dem Palast versammelt, um gegen die Machtfülle des Staatschefs und die von ihm geplante neue Verfassung zu protestieren. Zahlreichen Demonstranten gelang es dabei, die Absperrungen vor dem Palast zu überwinden, nicht jedoch ins Innere zu gelangen.

sti/kle (afp, dapd, rtr)

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